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KlimawandelHitzewelle in Deutschland forderte über 1.200 Todesopfer

Bild eines fahrenden Krankenwagen auf dem groß die Notrufnummer 112 prangt.
Oftmals konnten Notfallsanitäter und -ärzte das Schlimmste verhindern, doch manchmal kam für von Hitze Betroffene jede Hilfe zu spät. (Foto: pixabay, Public Domain)

Die Klimakrise schlug 2018 voll ein. Durch Extremwetterereignisse hatte Deutschland verhältnismäßig die meisten Todesopfer weltweit zu beklagen. Auch bei den wirtschaftlichen Schäden liegt das Land weit vorne. Hitze und Dürre forderten ihren Tribut.

05.12.2019 – Zwischen April und Juni 2018 lag die Temperatur in Deutschland 2,9 Grad über dem bisherigen Durchschnitt. Gleichzeitig liegt sie im Trend steigender Werte. Doch noch hat sich das Immunsystem vieler Menschen hierzulande nicht auf anhaltend hohe Temperaturen mit gleichzeitiger Trockenheit eingestellt. Die Folge: Hitzekrämpfe bis hin zum Hitzeschlag, der Lebensbedrohlich seien kann. Und tatsächlich forderte die Hitzewelle 2018 ihren Tribut. 1.234 Menschen starben hierzulande nachweislich durch die extreme Hitze. Weitere 12 starben durch andere Extremwetterereignisse wie Stürme und Starkregen. Mit 1,5 Toten pro 100.000 Einwohner hatte Deutschland 2018 im relativen Vergleich die meisten Todesopfer durch Extremwetter weltweit zu beklagen.

Zu diesem Ergebnis kommt die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Germanwatch in ihrem neuesten Klima-Risiko-Index, den sie gestern auf der Weltklimakonferenz in Madrid vorstellte. Dem Index liegen Daten vom Internationalen Währungsfonds und dem Rückversicherer Munich Re zugrunde. Neben den Todesopfern flossen in den Index auch die entstandenen Schäden durch Extremwetterereignisse ein. Auch hier ist Deutschland unrühmlicher Weise im vorderen Mittefeld, mit Schäden von rund 4,5 Milliarden Euro. Vor allem die Landwirtschaft war von einer langanhaltenden Dürreperiode betroffen. Im Sommer 2018 fiel nur 61 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge, sodass im Oktober 70 Prozent des Bodens von Dürre betroffen war. Ein massiver Rückgang der Ernte verursachte Schäden von 3 Milliarden Euro, staatliche Nothilfen an die Landwirte verschlangen noch einmal 1 Milliarde Euro.

2018 waren ungewöhnlich viele Industrienationen betroffen

Betrachtet man den Globalen Klima-Risiko-Index allein für 2018, so landet Deutschland im weltweiten Vergleich auf Platz drei. Um 37 Plätze katapultierte es das Land im Vergleich zu 2017 nach vorne. Auch die erst- und zweitplatzierten Staaten machten jeweils einen Satz noch vorne. Die Philippinen verschlug es von Platz 20 auf zwei. Die Japaner rauschten von Platz 36 auf den ersten vor. "Der Klima-Risiko-Index zeigt, dass massive Klimawandelfolgen weltweit zunehmen - sie treffen immer öfter auch Industrienationen wie Deutschland oder Japan“, sagt Maik Winges Co-Autor der Studie.

Japan wurde 2018 gleich von drei außergewöhnlich starken Extremwetterereignissen getroffen. Im Juli wurden an 3 Tagen hintereinander Niederschläge von mehr als 200mm pro Tag gemessen. Dies führte zu Sturzfluten und Schlammlawinen, bei denen mehr als 200 Menschen ums Leben kamen. Durch die Regenfälle entstanden insgesamt Schäden von 7 Milliarden US-Dollar. Auch eine verheerende Hitzewelle suchte das Land von Mitte Juli bis Ende August ein. Zum Teil wurden Temperaturen von über 41 Grad gemessen. Im September dann traf der Taifun Jebi die Küste Japans – der stärkste Taifun seit 25 Jahren. Er verursachte Schäden von 12 Milliarden US-Dollar.

Auf lange Sicht trifft es die Entwicklungsländer am härtesten

Wetterextreme treffen damit kurzfristig auch Industrienationen ungewöhnlich hart, auf lange Sicht gesehen sind Entwicklungsländer jedoch stärker betroffen. Bei der Auflistung des Klima-Risiko-Index für die letzten 20 Jahre befinden sich die Philippinen auf Platz vier. Puerto Rico, Myanmar und Haiti auf den Plätzen eins bis drei. So ist Puerto Rico ist ein Beispiel für die wachsende Zahl von Ländern, in denen ein einziger verheerender Hurrikan so massive Schäden hinterlässt, dass weite Teile des Landes viele Jahre für den Wiederaufbau brauchen. In Haiti und auf den Philippinen wiederum sorgen wiederkehrende Extremwetterlagen in kurzen Abständen dafür, dass diese Länder kaum Gelegenheit haben, sich nach Wetterkatastrophen zu erholen.

Maik Winges macht deutlich, dass die ärmsten Staaten der Welt noch viel größeren Risiken ausgesetzt sind. „Vor allem, weil sie bisher kaum Hilfe für erlittene Schäden und Verluste von den Hauptverursachern des Klimawandels bekommen", so Winges. Darüber hinaus würden in vielen Entwicklungsländern die Schäden und Verluste wegen der schlechteren Datenlage eher unterschätzt. In vielen afrikanischen Ländern fehlt es zum Beispiel an umfassenden Informationen über Hitzeschäden. mf