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Hitze und DürreIn Alaska zeigt sich der Klimawandel besonders heftig

Ein Soldat in Uniform sitzt in einem Helikopter und steuert den Abwurf von Wasser über einem Waldbrand.
Eine Folge des Klimawandels in Alaska sind Dürre und Hitze, was zu Waldbränden auf tausenden Hektar führt. (Foto: U.S. Federal Government, CC0 Public Domain)

Die mittlere Temperatur in Alaska ist seit Beginn des letzten Jahrhunderts um 2,6 Grad gestiegen - weit über dem globalen Durchschnitt. Aktuell hat der Bundesstaat mit einer Hitzewelle zu kämpfen, bei der Mensch und Natur an ihre Grenzen stoßen.

10.07.2019 – Während im Rest der Vereinigten Staaten die Durchschnittstemperatur seit Beginn des letzten Jahrhunderts um etwa 1 Grad anstieg, ist die Klimakrise in Alaska besonders heftig zu spüren. Zwischen 1901 und 1916 stieg die mittlere Jahrestemperatur um 2,6 Grad an. Der vergangene Monat war der wärmste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Durchschnittstemperatur lag bei einem Rekordhoch von knapp 16 Grad. Bei den Niederschlagsmengen hingegen musste Alaska ein Rekordtief verkraften.

Vor allem im Süden und Zentrum Alaskas führen Trockenheit und Hitze zu teilweise verheerenden Waldbränden. An fast 120 Orten gleichzeitig brennen die Wälder. Feuerwehrkräfte und Militär sind im Einsatz, um kleinere bis größere Waldbrände von über 2500 Hektar zu bekämpfen. Selbst aus dem Weltall sind die Rauchschwaden deutlich zu erkennen, die sich über weite Teile des Bundesstaats erstrecken.

Die Häuser der Menschen sind nicht für die hohen Temperaturen gebaut

Und für den Juli ist bislang keine Besserung in Sicht. Ganz im Gegenteil, so stieg die Temperatur in Anchorage, der größten Stadt des Bundesstaats, am 04. Juli auf 32,2 Grad – der bisher höchste gemessene Wert in der Stadt. Etwas weiter nördlich in Talkeetna stiegen die Temperaturen am 07. Juli sogar auf 33,3 Grad. Bei diesen Temperaturen leidet neben der Natur auch der Mensch. Denn in dem sonst eher kühlen Bundesstaat sind Häuser vor allem darauf ausgerichtet die Kälte draußen zu halten. Gut isolierte Wände halten die Hitze nun jedoch in den Häusern, in denen Klimaanlagen bislang ein Fremdkörper sind.

In Anchorage stürmten daher die Einwohner in den vergangenen Tagen die Elektronikfachmärkte, um sich mit Klimaanlagen und Ventilatoren einzudecken. Tausende Ventilatoren waren in den Märkten in wenigen Stunden ausverkauft. Die Menschen fingen in der Not sogar an ihre eigenen Ventilatoren zu bauen, wie die Anchorage Daily News berichtet.

Alaska ist untrennbar mit dem Meer verbunden

Der vergleichsweise hohe Anstieg der mittleren Jahrestemperatur um 2,6 Grad indes, ist vor allem auf das Meeresklima zurückzuführen, wie Rick Thoman, Klimatologe am Alaska Center for Climate Assesment and Policy deutlich macht. Denn auch die Temperaturen der Meeresoberfläche sind im Beringmeer und Tschuktschensee unweit von Alaska ungewöhnlich hoch. Bis zu fünf Grad über dem Durchschnitt wurden kürzlich gemessen.

Die globale Erwärmung lässt das Eis im Nordpolarmeer jedes Jahr früher und rapider schmelzen. Weniger Eis im Meer führt entsprechend zu einem noch höheren Anstieg der Temperaturen an der Meeresoberfläche. Und die ungewöhnlich hohen Wassertemperaturen heizen auch das vom Meer umgebene Alaska auf. Denn Wasser speichert aufgrund seiner dichten Masse eine Menge Hitze und kann dadurch die Luft in der Umgebung erheblich aufwärmen. mf