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Debatte auf der re:publicaKI und Klimaschutz – ein Match?

Podium einer Veranstaltung mit fünf Personen auf Stühlen
Panel auf Stage 3 der re:publica. Von links nach rechts: Moderatorin Theresa Züger, Lynn Kaack, Rainer Rehak, Jennifer Pernau und Jonathan Niesel (Bild: Jan Zappner/re:publica, flickr, CC BY-SA 2.0 Deed)

Künstliche Intelligenz ermöglicht effizientere Prozesse und hilft, Millionen Tonnen CO2 einzusparen, sagen die einen, KI-Prozesse selbst sind ein gigantischer Ressourcenfresser, die anderen. Was kann KI für den Klimaschutz leisten?

31.05.2024 – Künstliche Intelligenz – kurz KI – und die Klimakrise – zwei der relevantesten Themen unserer Zeit waren auch auf der re:publica, eine der führenden Konferenzen Deutschlands, präsent. Angefangen als Konferenz für Digitales, hat sich die re:publica zu einem breiten Angebot für alle gesellschaftlich relevanten Themen entwickelt.  Wie ist es um KI als Mittel im Kampf gegen den Klimawandel bestellt? Darüber diskutierten Expert:innen bei einem Panel am Mittwochnachmittag.

Ki helfe bereits Industrieprozesse effizienter und damit klimaschonender zu machen, sagte Jennifer Pernau, Government Affairs Managerin bei Microsoft Deutschland. Microsoft ist größter Investor von Open AI, dem Unternehmen hinter Chat GPT. Pernau verwies auf die in diesem Jahr veröffentlichte Studie „Klimaeffekte der Digitalisierung“, des digitalen Branchenverbandes Bitkom, wonach der jährliche CO2-Ausstoß in Deutschland 2030 um rund 73 Millionen Tonnen reduziert werden kann, sofern die Digitalisierung beschleunigt wird.

Neben von KI gesteuerten automatisierten Prozessen in der Industrie, geht es um intelligente Stromnetze, die Stromerzeugung und Verbrauch präzise steuern können, ebenso wie intelligente Steuer- und Messgeräte für den Energieverbrauch zu Hause, smarte Lösungen für Verkehrssysteme als auch digitale Prozesse in der Landwirtschaft, die Tierhaltung und Feldbestellung effizienter machen.

Die Einsparungen seien Netto-Effekte, wie Bitkom betont. CO2-Emissionen durch die Nutzung der Technologien, unter anderem von Rechenzentren und Endgeräten, bereits berücksichtigt. Rainer Rehak hingegen hält die Zahlen für grob überschätzt. Rehak promoviert an der Technischen Universität Berlin, arbeitet am Weizenbaum Institut für Digitalforschung und ist Mit-Organisator der Bits und Bäume-Konferenz, für Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Gerade KI-Rechenzentren seien aktuell deutlich ressourcenintensiver im Betrieb als viele andere Rechenzentren.

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Eine Ende 2023 veröffentlichte Studie des Datenwissenschaftlers Alexander de Vries, von der VU Amsterdam School of Business and Economics, zufolge, könnte der Einsatz künstlicher Intelligenz bis 2027 den Stromverbrauch eines gesamten Landes, der Niederlande, verursachen. Das sind bis zu 134 Terawattstunden (TWh) Strom pro Jahr. Eine weitere Studie US-amerikanischer Wissenschaftler von April 2023 ermittelte einen Wasserverbrauch von 700.000 Liter Frischwasser für das Training von ChatGPT 3. 0,5 Liter gingen für ein typisches Gespräch von 10 bis 50 Fragen und Antworten mit Chat GPT drauf.

Von Microsoft selbst kamen die Zahlen nicht. Der Niederländer de Vries ermittelte die Zahlen etwa über den Markt an KI-Chips. Rund 95 Prozent des KI-Chip-Marktes bestimmt das Unternehmen Nividia. De Vries berechnete, wie viele Nvidia-Chips bis zum Jahr 2027 voraussichtlich verkauft werden. Gleichzeitig ermittelte er den Stromverbrauch dieser KI-Chips. So gelangte er zu der vorliegenden Schätzung. Beim Thema Wasser gab Microsoft im Laufe des letzten Jahres selbst an, dass der Wasserbrauch 2022 gegenüber dem Vorjahr um 34 Prozent gestiegen sei. Konkrete Zahlen zum Ressourcenverbrauch von KI-Prozessen fehlen aber weiterhin.

Kritik, die auch mehrfach an die Microsoft-Lobbyistin Pernau herangetragen wurde. Es brauche Transparenz von Microsoft und anderen Digitalunternehmen, hinsichtlich des Verbrauchs von Ressourcen, um valide Einschätzungen über Gefahren und Potenzial von KI in der Klimakrise zu geben, wie die Digitalexpert:innen Lynn Kaack von der Hertie School und Jonathan Niesel von Greenpeace erklärten. „Der Hauptaufwand an Rechenleistung künstlicher Intelligenz wird heute in das Trainieren von Chat GPT und ähnlichen Programmen gesteckt. Das hat erstmal nichts mit Klimaschutz zu tun“, so Niesel. Für den Klimaschutz brauche es aktuell noch Menschen, um Entscheidungen zu treffen. Das könne KI nicht leisten. Zudem dürfe Künstliche Intelligenz nicht für fossile Energien eingesetzt werden.

Kaack betonte zugleich, dass es auch viele Positivbeispiele für den Einsatz von KI gebe, wie etwa die Entwicklung intelligenter Stromnetze und smarter Lösungen für den häuslichen und industriellen Energieverbrauch. Es bestehe aber auch die Gefahr von Rebound-Effekten. „Eine smarte Heizungsanlage könnte einige dazu animieren, diese häufiger und stärker aufzudrehen“, so Kaack.

Ressourcenschonende KI, eingesetzt für mehr Effizienz, könne einen enormen Beitrag für den Klimaschutz darstellen, so der Standpunkt von Pernau. Microsoft arbeite weltweit daran ihre Rechenzentren nachhaltig zu gestalten, mit hundert Prozent Erneuerbaren Energien, Nutzung von Abwärme für Wärmeprojekte und nachhaltiger Wasserbewirtschaftung. Bei der direkten CO2-Reduktion betrieblicher Prozesse ist man laut Microsoft neuesten Nachhaltigkeitsbericht auf einem guten Weg. Bei der Verringerung indirekter Emissionen vorgelagerter Prozesse und Verringerung des Wasserverbrauchs sei man noch nicht auf dem richtigen Pfad.

Elon Musk, drittreichster Mensch der Welt, Besitzer von Tesla und SpaceX und Mitgründer von Open AI, der nach drei Jahren ausstieg, will derweil den größten Supercomputer der Welt bauen, um sein eigenes KI-Projekt voranzutreiben. 100.000 Nvidia-Chips will Musk einbauen lassen. Wie die Energie dafür generiert werden soll und wie die Wasserbewirtschaftung aussehen wird ist nicht bekannt. Bei seiner Tesla Fabrik im brandenburgischen Grünheide verfehlte Musk wiederholt Versprechungen für mehr Nachhaltigkeit. Manuel Grisard

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