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Globaler Klima-Risiko-Index

2017 bricht alle Extremwetter-Rekorde

Das Auge des Tropensturms Maysak
Das Auge des Tropensturms Maysak. (Foto: pixabay.com, CC0 Creative Commons)

Mit tausenden Todesopfern und Schäden in Milliardenhöhe geht 2017 als das bisher verheerendste Extremwetterjahr in die Geschichte ein, wie auf der Klimakonferenz in Katowice bekannt wurde. Besonders schwer betroffen waren Puerto Rico und Dominica.

06.12.2018 – Mehr als 11.500 Todesopfer und Schäden von über 375 Milliarden US-Dollar: So lautet das Fazit des verheerenden Extremwetterjahrs 2017. Noch nie waren die wetterbedingten Sachschäden in der jüngeren Geschichte größer. Das geht aus dem Globalen Klima-Risiko-Index hervor, der am Dienstag bei der Weltklimakonferenz in Katowice veröffentlicht wurde. So seien vor allem die Inseln Puerto Rico und Dominica von tropischen Wirbelstürmen mit verheerenden Ausmaßen getroffen worden. Über 3.000 Menschen verloren dabei ihr Leben und die Inseln wurden schwer verwüstet.

„Allein Puerto Rico verzeichnete Sachschäden von über 82 Milliarden US-Dollar in Kaufkraftparitäten, die Schäden Dominicas übertreffen das Bruttoinlandsprodukt des Landes um mehr als das Doppelte“, sagt David Eckstein von Germanwatch. Puerto Rico liege nach dieser Jahrhundert-Katastrophe sowohl im Klima-Risiko-Index für 2017 als auch im Langfrist-Index über die letzten 20 Jahre an der Spitze. „Dass die Stürme an Intensität bei Windgeschwindigkeiten und Niederschlägen zunehmen, deckt sich mit den Prognosen der Klimawissenschaft“, so Eckstein.

11.500 Extremwetterereignisse, 526.000 Tote

In den vergangenen 20 Jahren sind auf der ganzen Welt mehr als 11.500 Extremwetterereignisse aufgetreten – pro Tag also meist mehr als ein einzelnes Ereignis. Dabei seien laut dem Germanwatch-Bericht mehr als 526.000 Menschen umgekommen. Die direkten Sachschäden beliefen sich außerdem auf fast 3,5 Billionen US-Dollar.

Der Klima-Risiko-Index macht dabei zwei unterschiedliche Trends sichtbar: Einerseits hat die Wucht von einzelnen extremen Wetterereignissen deutlich zugenommen. So kommt es immer häufiger vor, dass einzelne Stürme – wie etwa Hurrikan Maria – immense Schäden anrichten und ganze Regionen über Jahre hinweg wiederaufgebaut werden müssen. Andererseits nimmt der zeitliche Abstand zwischen den Ereignissen ab, so dass Länder wie beispielsweise Haiti, die Philippinen, Sri Lanka oder Pakistan kaum noch Zeit haben um sich zu erholen.

„Die wichtigen Verursacherstaaten müssen einerseits die ärmeren Staaten bei der Klimawandelanpassung unterstützen. Andererseits müssen sie ihnen auch beim Umgang mit Schäden und Verlusten helfen“, betont Eckstein. „Diese Forderung wird in Katowice eine große Rolle spielen.“

Schäden durch Extremwetter in Deutschland

Auch in Deutschland verursachten mehrere Extremwettereignisse im Jahr 2017 immense Schäden. Vor allem im Herbst fegten einige Orkantiefs über die Bundesrepublik hinweg. Hinzu kam regionaler Stark- und Dauerregen, der nach längerer Trockenheit im Frühsommer ebenfalls großen Schaden anrichtete. Insgesamt gab es dadurch 27 Todesopfer sowie Schäden in einer Höhe von 3,6 Milliarden US-Dollar in Kaufkraftparitäten. Die größten Kosten entstanden durch Sturm- und Überflutungsschäden.

Damit landete Deutschland 2017 im Klima-Risiko-Index auf Rang 40 (Vorjahr 42). Bei der Betrachtung der letzten 20 Jahre liegt die Bundesrepublik sogar auf Rang 25. „Durch die Rekord-Dürre und extreme Hitze in diesem Jahr ist im nächsten Index damit zu rechnen, dass europäische Länder noch mehr in den Fokus geraten“, sagt Eckstein.

Arme Länder sind am stärksten betroffen

Auch wenn in den letzten Jahren vermehrt reiche Industrienationen vom Klimawandel getroffen werden, gehörten in den letzten 20 Jahren trotzdem auch noch acht Entwicklungsländer mit einem eher niedrigen Einkommen zu den zehn am stärksten betroffenen Ländern. „Diese haben die wenigsten Ressourcen, um sich vor den Folgen des Klimawandels zu schützen oder die Verluste zu kompensieren und benötigen daher besonders große Unterstützung“, fordert Eckstein. Der Klima-Risiko-Index zeige deshalb sehr eindrücklich, dass Anpassungen an den Klimawandel zwar weltweit immer wichtiger werden, aber auch nicht grenzenlos möglich sind. jk

 

Zum Klima-Risiko-Index

Germanwatch erstellt den Globalen Klima-Risiko-Index auf der Grundlage der NatCatSERVICE-Datenbank des Rückversicherers Munich Re sowie von sozioökonomischen Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF). Der Index betrachtet die durch Extremwetter verursachten Todeszahlen und Sachschäden (um Vergleichbarkeit zu ermöglichen in Kaufkraftparitäten) - sowohl die absoluten Zahlen als auch in Relation zur Einwohnerzahl bzw. dem Bruttoinlandsprodukt. Wenngleich die Auswertungen über die steigenden Schäden und Todesopfer keine einfache Aussage darüber erlauben, welcher Anteil davon auf den Klimawandel zurückzuführen ist, so lässt sich doch ein Bild der Verwundbarkeit der Staaten zeichnen. Der Index wird seit 2005 jährlich bei den Weltklimakonferenzen vorgestellt.


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