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Europäische UmweltagenturCO2-Emissionen der EU sinken, aber zu wenig für Klimaziele

Energiewirtschaft und Industrie in der EU haben ihre Emissionen seit 1990 deutlich verringert, für das Pariser Klimaabkommen reicht das aber noch nicht.
Energiewirtschaft und Industrie in der EU haben ihre Emissionen seit 1990 deutlich verringert, für das Pariser Klimaabkommen reicht das aber noch nicht. (Foto: Chris Liverani on Unsplash)

Licht und Schatten beim Klimaschutz in der EU: Die CO2-Emissionen sind um zwei Prozent gesunken, für die Klimaziele 2030 aber nicht genug – selbst wenn die Politik ihre Versprechen umsetzt. Die gemischte Bilanz lässt sich mit zwei Gründen erklären.

05.11.2019 – Darin unterscheiden sich Deutschland und der Rest Europas kaum: Während im Energiesektor die Emissionen deutlich sinken – dank mehr Erneuerbarer Energien und weniger Kohlekraftwerken – bleibt der Verkehrssektor das stiefmütterlich behandelte Sorgenkind. Politiker tun sich schwer damit, ihren Bürgern Veränderungen zu erklären und umzusetzen.

So stiegen die Verkehrs-Emissionen seit 1990 um über 20 Prozent an, während alle anderen Sektoren ihren Ausstoß verringerten. Ohne den Verkehr geht Klimaschutz in der EU aber nicht, denn fast 30 Prozent der gesamten CO2-Emissionen der EU stammen aus diesem Bereich. 72 Prozent davon entfallen auf den Straßenverkehr.

Klimaziel für 2020 erreicht und für 2030 weit entfernt

Mit dem Verkehr lässt sich auch die gemischte Bilanz der Europäischen Umweltagentur (EEA) anlässlich der aktuellen Klimaschutzzahlen erklären. Die gute Nachricht: Trotz des Verkehrssektors hat die EU ihr Klimaziel für 2020 bereits erreicht – 20 Prozent weniger Treibhausgase gegenüber 1990. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 23,2 Prozent. Zwei Prozent weniger also noch 2017.

Ganz anders sieht es bei der Vorhersage für das 2030er Ziel aus. 40 Prozent weniger Treibhausgase will die EU ausstoßen. Mit der bisherigen Politik der Mitgliedsstaaten dürften es aber nur 30 Prozent werden und selbst wenn die Politik alle versprochenen Klimaschutz-Maßnahmen tatsächlich umsetzt, werden es nur maximal 36 Prozent weniger CO2-Emissionen sein, warnt die EEA.

Für dieses heterogene Bild gibt es Erklärungen:

  • Das Klimaziel für 2020 war einfach gewählt: Gerade Osteuropa und Deutschland haben mit der Abschaltung alter Industrien und schmutziger Braunkohlekraftwerke nach dem Zusammenbruch des Ostblocks gewaltige Mengen CO2 eingespart. Zudem haben die reichen Industriestaaten Westeuropas im Zuge der Globalisierung ihre Industrieproduktion teilweise nach China oder andere Entwicklungsländer verlagert. Das Referenzjahr 1990 kommt uns also entgegen.
  • Bisher wurden die einfachen Emissionsquellen angegangen: Kohlekraftwerke durch Windräder und Solaranlagen ersetzen ist relativ simpel, für den normalen Bürger ändert sich kaum etwas. Im Verkehrsbereich werden die Veränderungen sehr viel deutlicher zu spüren sein, hier liegen größere, gesellschaftliche Herausforderungen vor uns. In einer immer mobileren Welt wird die Dekarbonisierung dieser Mobilität entscheidend sein.

Europas Klimaziele sind zu gering

Wenig Mut macht, dass sogar das Ziel von 40 Prozent weniger Treibhausgase bis 2030 nicht ausreicht, um die Erderwärmung einzudämmen. 55 Prozent weniger fordert das Europäische Parlament und die neue EU-Kommission könnte dem folgen. Damit würde sich Europa aufmachen, das Pariser Klimaabkommen auch tatsächlich umzusetzen, denn die bisherigen Ziele reichen bei weitem nicht aus, um die Erderwärmung „deutlich unter zwei Grad Celsius“ zu begrenzen.

Zu erreichen sind die Klimaziele, ob 40 oder 55 Prozent, nur mit deutlich mehr Erneuerbaren Energien im Verkehrssektor. Während die EU als Gesamtes ihr Ziel von 20 Prozent Erneuerbare am Bruttoenergieverbrauch bis 2020 noch erreichen kann, bislang sind es 18 Prozent, dürfte der Verkehr sein Ziel verfehlen. Zehn Prozent soll der Erneuerbaren-Anteil im Transportsektor betragen, derzeit sind es 8,1. cw


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Kommentare

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Denkender Bürger 06.11.2019, 07:55:11

Das beschriebene Problem ist hausgemacht und war absehbar:

Durch den EU-Binnenmarkt ist die gesamtet industrielle Produktion in Europa neu verteilt worden.

Ansich ist das ja nicht schlimm, es hat nur innerhalb der EU zu einer rapiden Zunahme des Güterverkehrs geführt.

Und da es für den Güterverkehr an einem umweltschonenden Verkehrskonzept magelte, findet dieser zu einem Großteil auf der Straße statt. Der Straßengüterverkehr innerhalb Europas hat sich dadurch seit 1990 mehr als verdreifacht. Und genau das fällt der EU jetzt auf die Füße - sowohl in Sachen Logistik und Verkehr als solches (das EU-Straßennetz ist teilweise überlastet) als auch in Sachen Energie und Umwelt.

Wenn es gelingen würde, mit einem durchdachten Verkehrskonzept im Güterverkehr nur jeden 3. LKW von der Straße zurück auf die Schiene (oder wo es möglich ist aufs Binnenschiff) zu holen:

- Wie viele Staus und Unfälle ließen sich dadurch vermeiden?

- Wie viele Straßenbau-Projekte würden obsolet oder könnten zeitlich aufgeschoben werden?

- Wie positiv würde sich das auf die Umwelt-Billanz auswirken?

Vor allem:

Die Invrastruktur dafür wäre vorhanden und müßte nur entsprechend ertüchtigt werden, was sich aber in einer überschaubaren Zeit mit einem überschaubaren Aufwand bewerkstelligen ließe.

Und die Schiene bzw. das Binnenschiff als Alternative zum LKW auxh finanziell lukrativ zu machen wäre auch kein Problem - ausgedehntere Fahrzeit-Beschränkungen für LKW-Fahrer, strengere Tempolimits und Überholverbote für LKW, ausgedehntere LKW-Fahrverbote und eine höhere Maut für LKW würden genügen, die Speditionen zu animieren, ihre Güter wieder auf Bahn und Binnen-Schiff zu transportieren.

Ein solcher Schritt wäre in jedem Fall einfacher, schneller und effektiver als der Versuch, jetzt auf Krampf die Mobilität auf alternative Energiequelle umzustellen, was sich allein wegen der Vielzahl der in der EU zugelassene Fahrzeuge sowieso bis 2030 nicht bewerkstelligen läßt.


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