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Globale ErwärmungDer Klimawandel befeuert Konflikte

Bombeneinschlag in Kobane.
Bis zu 300.000 Menschen flohen aus der Stadt Kobane in Syrien in Folge der kriegerischen Auseinandersetzungen. (Foto: Jordi Bernabeu Farrús / flickr.com, CC BY 2.0)

Eine neue Studie belegt erstmals den vielfach vermuteten Zusammenhang klimawandelbedingter Ausbrüche von Konflikten und daraus resultierender Migration. So tragen vor allem Dürren zu Konflikten bei, die in Zukunft noch häufiger auftreten könnten.

30.01.2019 – Im März 2011 brach der Syrien-Konflikt aus, der zu einem bis heute andauernden Bürgerkrieg und millionenfacher Flucht aus umkämpften Gebieten führte. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks haben bis Anfang des Jahres 5,7 Millionen Menschen das Land verlassen. Die Ursachen dafür sind – so die Annahme – auch in der Flucht bäuerlicher Familien vom Land in die Städte Syriens bis 2010 zu finden. Eine ungewöhnliche Trockenheit in Syrien zwischen 2007 und 2010 zwang die ländliche Bevölkerung zur Flucht in urbane Gebiete. Die daraus resultierende Überbevölkerung der Städte trug zu den entstehenden Spannungen bei, die schließlich im Bürgerkrieg mündeten.

Diese Annahme kursiert unter Konfliktforschern seit langem, doch nun konnten Wissenschaftler aus China, Österreich und Großbritannien zumindest für den syrischen Bürgerkrieg und weiteren Konflikten in Libyen, Ägypten und Südsudan empirische Belege dafür finden. Alle Konflikte brachen zwischen 2010 und 2012 aus. Zuvor gab es in den Regionen lange und intensive Dürreperioden. Mit dem Vergleich eines weltweiten Dürre-Index, sowie Listen des UN-Flüchtlingshilfswerks über weltweite Asylanträge und Daten über Tote bei gewaltsamen Konflikten, konnten die Forscher bestätigen, dass nach Dürren die Wahrscheinlichkeit von Konflikten und dadurch bedingte Migrationsströmen deutlich anstiegen.

Entscheidend ist die Verbindung von Dürreperioden und politischen Verhältnissen

Dieses Bild zeigte sich jedoch nur in Perioden seit 2010 und in den erwähnten Gebieten. Für andere Regionen und Zeiträume hingegen sei die Lage nicht so eindeutig, erklärt Raya Muttarak von der University of East Anglia und Co-Autorin der Studie, gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Laut Muttarak müsse viel zusammenkommen, damit aus einer Klimakrise ein schwerer Konflikt und anschließende Fluchtbewegung wird. Entscheidend dafür seien die politischen Verhältnisse. Gerade Transformationsländer, die weder perfekt demokratisch noch strikt autokratisch regiert werden, sind der perfekte Nährboden für kriegerische Konflikte, da sie dort aufgrund undemokratischer Verhältnisse entstehen können aber gleichzeitig nicht sofort unterdrückt werden.

Wie das Beispiel von Syrien jedoch auch zeigt, führten Flüchtlingsströme innerhalb des Landes erst zu Konflikten in urbanen Gebieten. Und diese Binnenmigration aufgrund abnehmender Wasserressourcen und landwirtschaftlicher Erträge könnte bis 2050 über 100 Millionen Menschen weltweit treffen, wie das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung und die Weltbank bereits letztes Jahr errechneten. In Verbindung mit unsicheren politischen Verhältnissen wären daher in Zukunft viele Staaten dieser Erde von gewaltsamen Konflikten bedroht, sollte nicht entschieden den klimawandelbedingten Ursachen entgegengewirkt werden. mf


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