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KlimawandelDutzenden UNESCO-Welterbestätten droht der Untergang

Die Lagune von Venedig
Die Lagune von Venedig mit ihren 118 Inseln ist vom Meeresspiegelanstieg bedroht wie kaum eine andere Stadt. (Foto: pixabay, CC0 1.0)

Klimawandel und Meeresspiegelanstieg sind eine gefährliche Kombination für Dutzende UNESCO-Welterbestätten. Venedig wird auf lange Sicht nicht zu halten sein, die Altstadt von Dubrovnik und die Ruinen von Karthago sind bedroht.

19.10.2018 – Die Natur holt sich Land zurück, das der Mensch vor Jahrhunderten sich genommen und bebaut hat. So kann man die Nachricht vom drohenden Untergang zahlreicher UNSECO-Welterbestätten im Mittelmeerraum lesen. Nur, dass der Mensch auch dafür verantwortlich ist, durch den Klimawandel und den daraus resultierenden Anstieg des Meeresspiegels. Und, dass es nicht irgendwelche Bauten sind, sondern zu den wichtigsten unserer Zivilisation gehören.

„Es besteht unmittelbarer Handlungs- und Anpassungsbedarf“, sagt Lena Reimann vom Geographischen Institut der Universität Kiel. Sie hat mit internationalen Partnern eine Studie über die Gefahr für 49 Welterbestätten im Mittelmeerraum verfasst. Das Fazit: Nahezu alle Stätten sind bedroht, entweder durch Sturmfluten oder Küstenerosion – beides wird im Zuge des Meeresspiegelanstiegs zunehmen.

„Bis zu 37 dieser Stätten sind durch eine sogenannte Jahrhundertsturmflut bedroht, die mit jährlich 1 Prozent Wahrscheinlichkeit stattfindet. 42 der 49 Stätten sind durch Küstenerosion gefährdet.“

Nimmt der Anstieg des Meeresspiegels bis Ende des 21. Jahrhunderts weiter zu – was Klimamodelle vorhersagen – steigt auch die Gefährdung durch Sturmfluten im Mittelmeerraum durchschnittlich bis zu 50 Prozent und durch Küstenerosion bis zu 13 Prozent. Einzelne Welterbestätten befinden sich zudem in einer exponierten Lage und sind entsprechend besonders gefährdet.

Venedig wird untergehen

Als Paradebeispiel dient Venedig. Die Lagunenstadt mit ihrer einzigartigen Geschichte und Architektur ist dem Untergang geweiht, darin sind sich viele Forscher einig. Es könne Jahrhunderte dauern, aber es werde geschehen. Die Frage ist nur noch, wann das Meer sich die 118 Inseln einverleiben wird. Der Kampf gegen die Fluten wird mit großem Geschütz geführt: Absenkbare Flutwehre an den Öffnungen der Lagune sollen Hafen und Stadt in Zukunft vor Sturmfluten schützen. Projekt MOSE heißt das Vorhaben, das unter massivem Korruptionsverdacht steht. Umweltschützer beteuern, es gebe günstigere, umweltschonendere und wirksamere Alternativen.

Andere historische und kulturell bedeutende Stätten könnten zunächst weniger glimpflich davonkommen. Auch die Altstadt von Dubrovnik oder die Ruinen von Karthago stehen auf der Liste, sie liegen ebenfalls in tiefliegenden Küstengebieten.

Noch sei aber nichts verloren, betont Studienautorin Reimann. Die Studie identifiziere, wo dringender Bedarf für Anpassungen besteht. Jetzt müssten an jenen Stätten lokale Studien initiiert werden, die jede einzelne gefährdete Stätte des Weltkulturerbes näher untersuchen. „Ohne geeignete Anpassungsmaßnahmen kombiniert mit einem weltweit ambitionierten Klimaschutz könnte unser Weltkulturerbe durch den Meeresspiegelanstieg erheblichen Schaden nehmen.“ cw


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Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

annette wolter 20.10.2018, 18:31:58

+159 Gut Antworten

das projekt mose läuft schon seit 11 jahren und zwar auf eis. dumm, das die autorin sich nicht informiert hat. auch solche projekt dienen eher dem kapital, denn der umwelt. mose ist bislang ein fass ohne boden.

Clemens Weiß 22.10.2018, 09:30:56

+160 Gut Antworten

Hallo Frau Wolter,

 

danke für den Hinweis. Sie haben Recht, das Projekt Mose steht unter massivem Korruptionsverdacht, Milliarden sind "versickert". Das Projekt ist aber noch nicht abgewickelt. Ich habe die Passage im Text genauer formuliert.

 

Viele Grüße

Clemens Weiß / Redaktion


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