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Neue dena-Leitstudie

Ein Technologiemix für die Klimaziele

Wasserstofftankstellen – wie hier in Hamburg – gibt es in Deutschland derzeit noch zu selten. Der Anreiz für Autofahrer auf klimaschonende Antriebe umzusteigen wird dadurch erschwert. (Foto: Wikiuka / WikimediaCommons, CC BY-SA 3.0)

Die dena empfiehlt der Bundesregierung sich am 95 Prozent Ziel des Pariser Klimaabkommens zu orientieren, um ernsthafte Auswirkungen der Erderwärmung zu verhindern. Ein Technologiemix – auch mit synthetischen Brennstoffen – sei dabei zielführend.

05.06.2018 – Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der staatlichen Deutschen Energieagentur, warnte bei der Vorstellung der neuen dena-Leitstudie „Integrierte Energiewende“ eindrücklich davor, dass Klimaschutz und Energiewende „dramatisch scheitern“ könnten, wenn die Regierung nicht in dieser Legislaturperiode wichtige Entscheidungen treffe. Gemeinsam mit über 60 Partnern aus der Energiewirtschaft erarbeitete die dena vier praxisnahe Szenarien, die Reduktionsziele von entweder 80 oder 95 Prozent Treibhausgasemissionen bis 2050 erreichen. Neben zwei Elektrifizierungsszenarien wurden auch zwei Technologiemixszenarien erstellt.

Das Ergebnis: Die Technologiemixszenarien erweisen sich im Vergleich als robuster, weil sie stärker auf bestehende Infrastrukturen aufbauen und auf mehr gesellschaftliche Akzeptanz stoßen. Darüber hinaus seien diese flexibler und könnten neue Technologieentwicklungen besser integrieren. Anstatt den Wegfall von fossilen Energieträgern rein mit Ökostrom zu ersetzen, könnten gasförmige und flüssige Kraft- und Brennstoffe – die mithilfe von erneuerbaren Energien synthetisch erzeugt werden – helfen, die Energiewende zielführend zu gestalten.

PowerFuels für die Energiewende

Synthetische Kraft- und Brennstoffe – sogenannte PowerFuels – werden erzeugt, indem zum Beispiel Wasser im Elektrolyseverfahren mithilfe von erneuerbarem Strom in Wasserstoff und Sauerstoff aufgeteilt wird. Dieser gasförmige Wasserstoff kann dann in weiteren Syntheseschritten zum gasförmigen Energieträger Methan oder zu flüssigen Kraft- und Brennstoffen wie Flüssigerdgas sowie synthetischem Benzin, Diesel und Kerosin verarbeitet werden. PowerFuels können dann erneuerbaren Strom speichern – für mögliche Dunkelflauten und um den Strom international für den Handel verfügbar zu machen.

Eine alleinige Fokussierung hingegen auf den Ausbau von Wind- und Solarenergie würde in erheblichem Maße zusätzliche Flächen in Anspruch nehmen. Bereits jetzt führt der Bau neuer Windparks und Solarfelder zu Protesten. Doch auch beim Ausbau benötigter Flächen müssten politische Hürden abgebaut werden, empfehlen die Analysten der Studie. Denn für alle Szenarien gelte: Die Steigerung der Energieeffizienz und der Ausbau der erneuerbaren Energien sind Grundvoraussetzungen für den Erfolg.

Ein weiter wie bisher darf es nicht geben

Doch bei einem weiter wie bisher Szenario – dass die aktuellen Rahmenbedingungen ambitioniert fortschreibt – würden sich die Emissionen nur um 62 Prozent reduzieren. „Für Minus 95 Prozent müssen jedes Jahr 26 Millionen Tonnen CO2 gespart werden – derzeit sind es nur 8 Millionen Tonnen pro Jahr“, sagt der wissenschaftliche Hauptgutachter der Studie Harald Hecking, von der Beratungsfirma ewi Energy Research. Zwar werde in Energieeffizienz und den Ausbau der Erneuerbaren Energien investiert, aber längst nicht genug. Denn der Energiehunger in Deutschland wächst.

Neben immer neuer technologischer Produkte für Haushalt, Beruf und Freizeit, wird auch der Verkehrssektor in Zukunft verstärkt auf Alternativen zum Öl zurückgreifen, sollte der Sektor einen relevanten Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen leisten. Auch hier seien laut der dena-Studie – neben der Elektromobilität und Antriebseffizienz – synthetische Kraftstoffe von erheblicher Bedeutung für die Klimaziele.

Die dena schlägt vor synthetische Kraft- und Brennstoffe vor allem aus dem Ausland zu importieren, zum Beispiel aus Nordafrika, weil dort die Produktionskosten geringer und die verfügbaren Flächen größer sind. Aber auch Deutschland solle bis 2030 unter anderem Kapazitäten für die Herstellung von erneuerbarem Wasserstoff von 15 Gigawatt aufbauen.

Massiver Ausbau und Investitionen nötig

„Die Regierung muss sofort ein ehrgeiziges Programm starten, um Energiesparen und Energieeffizienz voranzubringen und gleichzeitig den Ausbau der Erneuerbaren Energien massiv beschleunigen. Nur so können wir den Umstieg auf eine klimaschonende Energieversorgung schaffen und die Klimaschutzziele von Paris erreichen. Deutlicher kann die Botschaft, die von der dena-Studie ausgeht, kaum sein“, findet Julia Verlinden energiepolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag.

Nach Einschätzung von Andreas Kuhlmann müsse sich die die Große Koalition dabei am 95-Prozent-Ziel des Pariser Klimaabkommens orientieren, da in der Wissenschaft immer klarer werde, dass 95 Prozent notwendig sind, um ernsthafte Auswirkungen der Erderwärmung zu verhindern. Dieses Ziel habe auch den Vorteil, dass dessen Verfolgung zu einem breiteren Fokus an technischen Möglichkeiten führe. mf


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