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Klimakiller BitcoinKryptowährung hält fossile Kraftwerke am Leben

Kohlekraftwerk
Bitcoin-Mining hält Kohlekraftwerke am Netz. (Bild: 1238720 /pixabay)

Krypto-Mining verbraucht enorme Mengen Strom. In den USA werden inzwischen alte Kohlekraftwerke wiederbelebt, um Computernetzwerke Tag und Nacht „schürfen“ zu lassen. Klimaschützer warnen vor steigenden CO2-Emissionen der Krypto-Industrie.

22.02.2022 – Bitcoin entwickelt sich zum Klimakiller. Der jährliche Stromverbrauch der Kryptowährung ist bereits jetzt höher als der von ganz Norwegen. In den USA halten Bitcoin-Mining-Companies inzwischen fossile Kraftwerke am Leben. Nachhaltig ist das nicht.

Digitaler Bergbau

Bitcoin ist die bekannteste und derzeit erfolgreichste Kryptowährung. Eine Kryptowährung ist ein digitaler Vermögenswert, der in dezentralen Rechennetzwerken erzeugt wird. Bitcoins werden dadurch erzeugt, dass Rechner komplexe Puzzle lösen. Dieser Vorgang wird „Schürfen“ genannt und ist auch unter der englischen Bezeichnung Mining bekannt. Dieser Erzeugungsmechanismus verbraucht enorme Mengen Strom.

Kryptowährungen brauchen zwar immer Rechenleistung und damit Strom, doch kaum eine verbraucht so viel Energie wie Bitcoin. Denn je erfolgreicher Bitcoin ist, desto mehr Energie wird benötigt, um neue Bitcoins zu erzeugen. Anfangs konnten Bitcoins sogar mit einzelnen Computern erzeugt werden, doch inzwischen werden enorme Rechenkapazitäten dazu benötigt. Wissenschaftler der Universität Cambridge begannen in den letzten Jahren, den Strom- und Energieverbrauch der erfolgreichsten Kryptowährung im Bitcoin Electricity Consumption Index festzuhalten. Demnach macht Bitcoin allein zurzeit 0,6 Prozent des globalen Strombedarfs aus.

Zombie-Kohlekraftwerk wiederbelebt

Kosten und Verfügbarkeit von großen Mengen an Strom sind für viele Mining-Companies deshalb der entscheidende Standortfaktor. In den USA kaufen Krypto-Mining-Companies alte fossile Kraftwerke auf, oder sorgen für deren Renaissance. Die Bitcoin-Mining-Company Marathon wurde 2020 einziger Kunde eines 115-Megawatt-Kohlekraftwerks im Süden von Montana, wie der Guardian berichtet. Kohlestrom befeuert dort nun auf 20 Hektar 30.000 Computer, die auf das Mining von Bitcoin spezialisiert sind. Seitdem ist das Kohlekraftwerk, das zuvor vor dem Aus stand, wieder fast vollständig ausgelastet. In Folge stieg der CO2-Ausstoß des Kohlekraftwerks im zweiten Quartal 2021 im Vorjahresvergleich um mehr als 5000 Prozent.

Die Gewinnspannen des Krypto-Mining sind dabei erheblich. Der Marktwert eines Bitcoins liegt bei etwa 42.000 US-Dollar. Einige US-Staaten bieten Krypto-Mining-Unternehmen sogar Steuererleichterungen an mit der Begründung, die Industrie würde Arbeitsplätze schaffen. Mining-Companies siedeln sich zurzeit auch in Pennsylvania und Kentucky an, um Strom von alten Kohlekraftwerken zu beziehen. Klimaschützer sind entsetzt und warnen vor den explodierenden CO2-Emissionen, die durch die Wiederbelebung der fossilen Kraftwerke entstehen.

Die entgegengesetzte Tendenz ist zwar ebenfalls zu finden. Mitte letzten Jahres verschärfte China seine Regulierungen der Bitcoin-Industrie, weshalb viele Bitcoin-Miners nach alternativen Standorten suchten. China galt zuvor als Zentrum des Krypto-Mining. Und auch in anderen Ländern reagiert die Politik nun auf Unternehmen, die sich auf das Schürfen von Bitcoin spezialisiert haben. Kasachstan, Kosovo und Iran sind weitere ehemalige Epizentren, die inzwischen gegen die Krypto-Mining-Industrie vorgehen. Im Kosovo war es nach exzessiven Mining-Aktionen zu Stromausfällen gekommen. In Europa wollen Schweden und Norwegen das Thema Mining-Verbot nach Medienberichten auf die Agenda der Europäischen Union bringen. Eine Reihe von Unternehmen wie Mozilla nehmen zudem inzwischen mit Blick auf dessen Klimabilanz keine Spenden mehr in Form von Bitcoin an. jb


Kommentare

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Andres 15.03.2022, 19:03:03

Bitcoin schürfen lohnt sich nur bei niedrigen Strompreisen, deswegen sind die meisten europäischen Länder für Bitcoinminer gänzlich uninteressant. Hierzulande würde sich allenfalls das Verwenden von sonst nicht abführbarer Stromüberproduktion lohnen, und Betreibern von erneuerbaren Anlagen ggfls. ein zusätzliches Einnahmenplus generieren, was das Instandhalten und den Ausbau erneuerbarer Anlagen ökonomischer gestalten kann. Anlagen müssten z.B. seltener abgeschaltet werden, wenn zuviel Wind/Sonne da ist.

 

Die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien ist zumindest rein praktisch (nahezu) unbegrenzt, bzw. wird von der ausgebauten Kapazität der erneuerbare Kraftwerke begrenzt. Ein ökonmischere Art des Betreibens kann es vor allem auch für denzentrale Bürgerenergie oder Einzelpersonen ökonmisch interessanter machen, diese mit Gewinn zu betreiben, was den Ausbau massiv befördern könnte.

 

Wie der Artikel richtig schreibt, kann derselbe Effekt natürlich nicht nur den erneuerbaren Energien nützen, sondern auch fossilen Altanlagen prinzipiell ein längeres Leben einhauchen.

 

Hierzulande ist das neu Inbetriebnehmen solcher Anlagen aber mit politisch steuerbaren Genehmigungen verbunden. Auf Dauer werden wir keine neuen Kohlekraftwerke mehr zulassen, wenn wir das mit der Klimaneutralität ernst nehmen. Wir werden das als Gesellschaft sicher auch nicht machen, um unseren Staatshaushalt mit Kryptogeld aufzubessern. Insofern droht da gerade überhaupt keine Gefahr.

 

Wie die Beispiele China und Iran gut gezeigt haben, ist das Betreiben von Mining mit fossilen Anlagen auch in anders gestrickten Gesellschaften als unserer westlichen auf Dauer nicht gut durchsetzbar.

 

Es gibt einige ernsthaft ökologisch denkende Menschen, die sich mit Bitcoin auseinandersetzen, und auch Bitcoiner, die sich ernsthaft - nicht nur des Greenwashings wegen - mit erneuerbaren Energien auseinandersetzen.


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