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Globale KlimaerwärmungSteuert unser Planet auf eine Heißzeit zu?

Baum in einer ausgetrockneten Landschaft
Eine Heißzeit könnte laut den Forschern zu einem Temperaturanstieg von vier bis fünf Grad Celsius sowie einem Anstieg des Meeresspiegels von zehn bis 60 Metern führen. (Foto: Wilco Van Meppelen, Unsplash)

In einer Studie warnen Forscher vor den unumkehrbaren Folgen einer möglichen Heißzeit. Sobald die Erderwärmung eine kritische Schwelle überschreitet, können sich Faktoren wie tauender Permafrost oder das Regenwaldsterben unkontrolliert verstärken.

08.08.2018 – Anscheinend könnte es noch deutlich schwieriger werden, die globale Erderwärmung langfristig auf 1,5 bis 2 Grad Celsius zu begrenzen, als bisher angenommen. Denn selbst wenn das Pariser Klimaabkommen umgesetzt und dementsprechend die Treibhausgasemissionen reduziert werden, besteht trotzdem das Risiko einer sogenannten Heißzeit. Das zeigt eine am Montag im amerikanischen Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Scienes“ (PNAS) veröffentlichte Studie eines internationalen Teams von Wissenschaftlern. Demnach könnten verschiedene Rückkopplungsprozesse zu einem Temperaturanstieg von vier bis fünf Grad Celsius sowie einem Anstieg des Meeresspiegels von zehn bis 60 Metern führen.

„Industrielle Treibhausgasemissionen sind nicht der einzige Faktor, der die Temperatur auf der Erde beeinflusst“, sagt Leitautor Will Steffen von der Australian National University (ANU) und dem Stockholm Resilience Centre (SRC). So weist ihre Studie darauf hin, dass eine globale Erwärmung von zwei Grad Celsius andere Prozesse des Erdsystems anstoßen könnte. Diese auch als Rückkopplungen bezeichneten Veränderungen könnten die Erwärmung ebenfalls weiter vorantreiben – selbst wenn es gelingen würde, den Treibhausgasausstoß auf null zu reduzieren. „Um dieses Szenario zu vermeiden, ist es notwendig, das menschliche Handeln in eine neue Richtung zu lenken, von der Ausbeutung zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Erdsystem“, fordert Steffen.

Forscher betrachten zehn Rückkopplungsprozesse

In der Studie werden zehn unterschiedliche natürliche Rückkopplungsprozesse betrachtet, die teilweise mit sogenannten Kippelementen im Erdsystem verknüpft sind. Diese können durch das Überschreiten kritischer Schwellenwerte „in fundamental andersartige Zustände“ übergehen. So können die Aspekte von bisher neutral oder sogar hilfreich für das globale Klima zu schädlich umkippen. Das Ergebnis: Es würde mehr CO2 und Methan freigesetzt, als durch menschliche Aktivitäten insgesamt.

So könnten sich etwa Kohlenstoffspeicher zu Kohlenstoffquellen umwandeln und unkontrolliert Emissionen freisetzen. Besonders kritische Prozesse seien neben dem tauenden Permafrost oder dem Verlust von Methanhydraten vom Meeresboden auch eine Schwächung von Kohlenstoffsenken an Land und in den Ozeanen. Weitere Rückkopplungsprozesse könnten laut den Forschern auch durch die zunehmende bakterielle Atmung in den Ozeanen, einem Absterben von Regenwäldern sowie einer Verringerung der Schneedecke auf der Nordhalbkugel entstehen. Ebenfalls kritisch seien der Verlust von arktischem und antarktischem Meereis sowie das Schrumpfen der großen Eisschilde.

Diese Kippelemente könnten sich wie eine Reihe von Dominosteinen verhalten „Diese Kippelemente könnten sich wie eine Reihe von Dominosteinen verhalten. Wird einer von ihnen gekippt, schiebt dieses Element die Erde auf einen weiteren Kipppunkt zu“, sagt Johan Rockström, Direktor des Stockholm Resilience Centre und designierter Ko-Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Dadurch könne es sehr schwierig oder sogar unmöglich werden, die komplette Reihe von Dominosteinen am Umkippen zu hindern. „Manche Orte auf der Erde könnten unbewohnbar werden, wenn die ‚Heißzeit‘ Realität würde“, ergänzt Rockström.

Noch ist es nicht zu spät„Noch ist es nicht zu spät, das Ruder herumzureißen, um die Erhitzung unserer Welt auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen“, erklärt Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen, angesichts der kürzlich veröffentlichten Erkenntnisse der renommierten Klimaforscher. „Die Klimakrise bedroht nicht nur ferne Inselstaaten sondern auch unsere Heimat. Sie verändert unser Land und den Planeten und zerstört schon heute zunehmend Lebensräume.“ Hofreiter fordert deshalb neben einem funktionierenden Klimaschutzgesetz auch einen raschen Kohleausstieg, eine ökologische Verkehrswende sowie einen wirksamen CO2-Preis. jk


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