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Hitzewelle und Starkregen

Warum schweigt die Bundesregierung zur Klimakrise?

Bundesumweltministerin Svenja Schulze während ihrer Sommerreise 2018
Sie ist die einzige, die Farbe bekennt, ihre Macht ist allerdings begrenzt: Bundesumweltministerin Svenja Schulze (in rosa-rot) während ihrer Sommerreise Mitte Juli. (Foto: © BMU/Felix Zahn)

Klimaschützer fordern in einem Weckruf endlich Maßnahmen gegen die weltweit eskalierende Klimakrise und entwickeln einen Nothilfeplan, renommierte Klimawissenschaftler warnen vor unumkehrbaren Folgen. Und die Bundesregierung? Schweigt.

10.08.2018 – Bundeskanzlerin Angela Merkel weilt im Urlaub und diesen kann man ihr ohne Einschränkungen gönnen. Wäre da nicht dieser Satz, den sie schon im Sommer 2017 kurz vor ihrer Abreise den Journalisten sagte: „Ob ich Urlaub habe oder nicht, ich werde dann, wenn es notwendig ist, für alle notwendigen Aufgaben zur Verfügung stehen.“ Doch wann tritt dieser Fall ein? Angesichts der ungewöhnlichen Hitzewelle, den damit verbundenen Problemen und insbesondere der Bedeutung für die Zukunft des Landes und des Planeten, könnte man meinen: Jetzt müsste sie sich zumindest mal melden.

Doch von Bundesregierung und Bundeskanzlerin kommt derzeit nichts. Ihr Vizekanzler Olaf Scholz bügelte sogar einen Vorschlag seiner SPD-Kollegin und Umweltministerin Svenja Schulze für strengere CO2-Grenzwerte von Autos schroff ab. Indes sprechen Wissenschaftler und Klimaschützer von einem Ausnahmezustand. Und es sind nicht irgendwelche Wissenschaftler und irgendwelche Klimaschützer, es sind die renommiertesten Klimaforscher des Landes und der Welt und die größten Umwelt-NGOs Deutschlands.

Handeln statt Sonntagsreden

Der WWF und Germanwatch appellieren in einem „Weckruf für den Klimaschutz“ die Sonntagsreden sein zu lassen und endlich etwas gegen die Erderhitzung zu unternehmen. Als Sofortmaßnahmen müssten wenigstens die im Koalitionsvertrag vereinbarten Klimaschutzpunkte eingehalten werden, wogegen sich Vizekanzler Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit Rückendeckung aus dem Kanzleramt wehren. Der Umweltverband BUND prangert die „klimapolitische Untätigkeit“ der Bundesregierung an und fordert mit einem Klima-Nothilfeplan sofortiges Handeln.

Die Temperaturanomalien nehmen zu

Meteorologen sagen voraus, dass die diesjährige Dürre kein Einzelfall bleiben wird. Eine aktuelle Analyse des Deutschen Wetterdienstes zeigt: Die Temperaturen von April bis Juli 2018 weichen stark vom Vergleichszeitraum ab, liegen aber im Trend steigender Werte.

Währenddessen warnen Klimawissenschaftler um Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), und Johan Rockström vom Stockholm Resilience Centre gemeinsam mit Kollegen aus sieben Ländern vor unumkehrbaren Folgen durch die globale Erwärmung. Sie identifizierten in einer neuen Studie sogenannte Kippelemente, die sich gegenseitig verstärken und den Planeten in eine Heißzeit führen könnten. Demnach sei selbst eine Umsetzung des Pariser Klimavertrags möglicherweise nicht ausreichend. Im schlimmsten Fall droht ein Zustand, den die Forscher „Hothouse Earth“ nennen, mit langfristig höheren Temperaturen von 4 bis 5 Grad Celsius und einem Meeresspiegelanstieg von 10 bis 60 Metern. Das Überleben der Menschheit stünde dann infrage.

Bundesregierung zeigt trotz Hitze die kalte Schulter

Ein furchterregendes Szenario, das die Bundesregierung aber offenbar kalt lässt. Allein das Bundesumweltministerium mahnt, hat aber seit Jahren ersichtlich keine Macht für Veränderungen. Die im Raum stehende Frage lautet: Was braucht es noch, damit die Bundesregierung handelt? cw


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Kommentare

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Rudolf Koenig 14.08.2018, 16:12:55

... in gerade Mal drei Jahren sind Bundestagswahlen und das Machtbewußtsein der von uns gewählten Politiker ist stärker als die Verantwortung, auf die wir sie verpflichtet haben.

 

Nun aber Polemik beiseite - neulich im Moor fielen mit großflächig Stellen auf, auf denen das Moor bis zu 30cm abgesackt ist. Diese 30cm sind für immer als Moor verloren. Die Gräben, auch die tiefsten, sind trockengefallen. Der Grundwasserspiegel ist sicher um 1m gefallen.

 

Und was machen die von uns gewählten Volksvertreter? Sie schützen Industrien, die sich überlebt haben. Ich kann nur hoffen, daß das Erinnerungsvermögen der Wähler bis 2021 anhält oder daß wir vor der nächsten Wahl wieder eine Extremwetterperiode haben werden und der Denkzettel dann ausgefüllt wird!

Freundliche Grüße

Rudolf Koenig


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