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Die Meinung
14. September 2020

Grüne Bundeswertpapiere: Die nachhaltige Anlagealternative?

Mit grünen Bundeswertpapieren will die Bundesregierung nachhaltige Finanzströme stärken und Investitionen in grüne Zukunftstechnologien fördern. Doch ob das vielschichtige Konstrukt wirklich Klima- und Umweltschutz zugutekommt, bleibt abzuwarten.

Tobias Leikam, Treasurer bei der UmweltBank

Tobias Leikam, Treasurer bei der UmweltBank
Foto: UmweltBank

14.09.2020 – Die Bundesrepublik Deutschland hat ihr erstes Rahmenwerk für „Grüne Bundeswertpapiere“ veröffentlicht. Die neuen grünen Wertpapiere des Bundes werden wie klassische Bundeswertpapiere behandelt und die gleichen Merkmale haben. So entstehen Zwillingsanleihen mit identischem Kupon – dem Abschnitt eines Wertpapieres, der zur Einlösung eines Gewinnanteils oder Zinses berechtigt –   und identischem Fälligkeitstermin. Mit grünen Bundeswertpapieren und dem damit einhergehenden Reporting will die Bundesregierung Transparenz schaffen hinsichtlich nachhaltiger Haushaltsausgaben des Bundes. Zudem soll die Wahrnehmung von Deutschland als Standort für Sustainable Finance gestärkt werden. Perspektivisch möchte der Bund einen Mehrwert für den Sustainable-Finance-Markt in Europa schaffen.

Die grünen Ausgaben dienen vielfältigen Zielen: Es sollen saubere Verkehrssysteme gefördert und CO2-Emissionen von Fahrzeugen reduziert werden. Der Übergang zu einer weitgehend mit erneuerbaren Energien arbeitenden Wirtschaft und einem effizienteren Energieverbrauch soll beschleunigt und die Forschung für eine nachhaltigere Zukunft unterstützt werden.

Positiv hervorzuheben ist dabei, dass über die ausgegebenen grünen Bundeswertpapiere ein Beitrag zum Klima- und Umweltschutz geleistet wird. Die angedachten regelmäßigen Begebungen von grünen Anleihen sowie der Aufbau einer Zinskurve (Laufzeiten von 2, 5, 10 und 30 Jahren) können dabei helfen, sich als Zinsreferenz für den Euro-Green-Finance-Markt zu etablieren. Den Marktteilnehmern will man so in naher Zukunft eine grüne und transparente Anlagealternative mit erstklassiger Bonität bieten. Zusätzlich können die Bestrebungen der Bundesrepublik Deutschland dazu führen, dass das öffentliche Interesse an grünen Wertpapieren in Zukunft weiter steigt.

Die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH verweist auf ihrer Website auf eine Kennzeichnung der grünen Haushaltsangaben des Bundes und der damit einhergehenden Transparenz. Dieser Punkt kann durchaus kritisch ausgelegt werden. Wäre es nicht wünschenswert, die hervorgehebene Transparenz auch im Bereich der konventionellen Bundeswertpapiere walten zu lassen?

Des Weiteren wird angemerkt, dass das Emissionsvolumen des konventionellen Bundeswertpapieres deutlich über dem des grünen Zwillings liegen wird. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Punkt der Liquidität konventioneller sowie grüner Bundeswertpapiere. Der Website der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH ist folgendes Statement zu entnehmen:

„Liquidität: Investoren müssen Gewissheit haben, die Papiere jederzeit auch in großen Mengen kaufen und verkaufen zu können. Das setzt große umlaufende Volumen pro Bundeswertpapier voraus, im Falle einer Bundesanleihe mit 10-jähriger Laufzeit ist das zum Beispiel ein Betrag von über 20 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund geht die Bundesrepublik Deutschland die Auflegung eines neuen Finanzierungsinstruments stets mit besonderer Sorgfalt an. Denn: Die Einführung grüner Bundeswertpapiere würde unter sonst gleichen Bedingungen das Emissionsvolumen der konventionellen Bundeswertpapiere schmälern.“

Demnach werden die konventionellen Bundeswertpapiere auch in Zukunft wahrscheinlich vom deutschen Staat bevorzugt. Es ist fraglich, wie sich diese Ansicht auf die Emissionsvolumina der grünen Zwillinge auswirken wird.

Generell ist die Ausgabe grüner Bundeswertpapiere zu begrüßen. Wie sich damit verbundene Emissionsvolumina in Zukunft gestalten werden und ob diese den Marktteilnehmern zeitnah eine grüne und transparente Anlagealternative ermöglichen, bleibt abzuwarten. Ein Mehrwert ist sicherlich die Steigerung des öffentlichen Interesses durch die Begebung der Wertpapiere.

Jedoch weist das Rahmenwerk für „Grüne Bundeswertpapiere“ auch diskussionswürdige Passagen auf. Statt auf die Transparenz grüner Bundeswertpapiere abzustellen, wäre es in unseren Augen wünschenswert, diese auch im Bereich der konventionellen Bundeswertpapiere anzustreben. Zudem kann die angesprochene Problematik hinsichtlich der Liquidität die Emissionsvolumina der grünen Zwillinge negativ beeinflussen.

Alles in allem blicken wir gespannt in die Zukunft und erhoffen uns durch die Emission grüner Bundeswertpapiere einen möglichst signifikanten und dauerhaften Beitrag zum Klima- und Umweltschutz.




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