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Transportsektor

Flüssig- und Erdgas sind unwirksam beim Klimaschutz

LNG Tanker
 LNG Tanker Galea (Foto: Wmeinhart  / wikimedia.org, CC BY-SA 3.0)

Weder Erdgas noch Flüssigerdgas können den Klimaschutz im Verkehrssektor entscheidend voranbringen, zeigt eine Analyse der Organisation Transport & Environment. Die Bundesregierung will die Gas-Infrastruktur dennoch mit 500 Mio. Euro ausbauen.

31.10.2018 – Bis zum Jahr 2050 sollen die Treibhausgasemissionen in der EU um mindestens 80 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 gesenkt werden. Dafür will man im Verkehrssektor den CO2-Ausstoß um 60 Prozent reduzieren. Die Europäische Kommission setzt hierfür kurzfristig auf eine Verbesserung der Kraftstoffeffizienz herkömmlicher Verbrennungsmotoren und mittel- bis langfristig auf die Elektrifizierung des Verkehrssektors. Im Luft- und Straßengüterverkehr sollen verstärkt Biokraftstoffe wie Biodiesel, -ethanol oder -methan zum Einsatz kommen.

Welche Rolle Erdgas für die Dekarbonisierung des Verkehrssektors spielen kann, wird zurzeit in ganz Europa von Regulierungsbehörden und Regierungen diskutiert. Trotzdem wird die Verwendung von Methan durch Verordnungen, Steuervergünstigungen und Subventionen bereits tatkräftig unterstützt. Befürworter vertreten dabei die Meinung, dass Verbraucher mit dem Kraftstoff Erdgas gegenüber herkömmlichen Verbrennungsmotoren bis zu 50 Prozent der Kraftstoffkosten und 25 Prozent des CO2-Ausstoßes einsparen.

Keine Lösung für den Lkw- und Schiffsverkehr

Ein aktueller Bericht widerspricht dieser Darstellung jedoch vehement. Erdgas (CNG) und Flüssigerdgas (LNG) würden den Klimaschutz vor allem im Lkw- und Schiffsverkehr nicht wirklich voranbringen, so eine Studie der Umweltschutzorganisation Transport & Environment. In diesen Sektoren könnten die Treibhausgasemissionen durch die Verwendung von CNG oder LNG sogar noch steigen.

Methan gilt schließlich nicht ohne Grund als ein besonders starkes Treibhausgas, das über einen Zeitraum von 100 Jahren rund 28 Mal stärker wirkt als CO2. So hatte Methan im Jahr 2010 einen Anteil von 20 Prozent an den weltweiten Treibhausgasemissionen – Tendenz steigend. Rund 17 Millionen Tonnen der Emissionen seien dabei allein auf die Förderung der fossilen Brennstoffe zurückzuführen, so die Autoren der Studie. Während der gesamten Lieferkette – also sowohl bei der Förderung, dem Transport als auch der Betankung – würde demnach unverbranntes Methan in die Atmosphäre entweichen

Flüssig- und Erdgas führen technologisch in eine Sackgasse

„Die Studie macht endgültig Schluss mit dem Ammenmärchen vom klimafreundlichen Gasantrieb“, sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Fossiles Gas sei keineswegs die Antwort auf das Klimaproblem des Verkehrssektors, da es die CO2-Emissionen nur minimal reduziere – wenn überhaupt. Schluss mit dem Ammenmärchen vom klimafreundlichen GasantriebAußerdem würden Erdgas und Flüssigerdgas auch technologisch in eine Sackgasse führen. „Die Bundesregierung muss daher sämtliche Steuervorteile für beide Kraftstoffe schnellstmöglich abschaffen und auch die öffentliche Förderung für weitere LNG- und CNG-Infrastruktur stoppen“, fordert Daniel Rieger, NABU-Verkehrsexperte.

Erst kürzlich hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin darüber gesprochen, mindestens 500 Millionen Euro in den Aufbau eines ersten deutschen LNG-Importterminals in Norddeutschland zu investieren, um verstärkt Gas aus den USA beziehen zu können. Das geht aus einem Bericht des Wall Street Journal hervor.

„Die Bundesregierung sollte lieber klare Perspektiven für Energiewende und Power-to-Gas-Technologien in Deutschland schaffen statt darüber nachzudenken, ob sie Steuergelder in LNG-Terminals versenken will“, sagt Julia Verlinden, Sprecherin für Energiepolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen „Aus Ökostrom hergestelltes synthetisches Methan oder Wasserstoff werden künftig einen Teil des fossilen Erdgases ablösen.“ Für eine solche Technologieentwicklung bräuchte es aber passende politische Rahmenbedingungen. Da die erneuerbaren Gase genau wie Biogas nur in einem begrenzten Umfang benötigt werden, reiche die bestehende Gas-Infrastruktur in Europa aus.

„Zusätzliche Infrastruktur für LNG wird sich angesichts der notwendigen Abkehr von fossilen Energieträgern nicht rechnen, zumal insbesondere LNG-Terminals in Europa ohnehin bei Weitem nicht ausgelastet sind.“

Biomethan-Mengen sind begrenzt

Die Autoren der Studie gehen zwar davon aus, dass Biomethan und Power-to-Methan deutlich geringere Emissionen verursachen als fossiles Gas, trotzdem jedoch nur sehr begrenzt sind und nicht nachhaltig skaliert werden können. So könnten die höchstmöglich nachhaltig erzeugbaren Mengen Biomethan nur 6,2 bis 9,5 Prozent des Energiebedarfs im Verkehrssektor decken. Dafür müssten diese allerdings komplett dem Verkehrssektor zugewiesen werden, was unrealistisch ist.

Insgesamt gehen die Forscher deshalb davon aus, dass der Beitrag von erneuerbaren Methan für den Verkehrssektor auch zukünftig eher begrenzt sein wird. Viel eher sollte das vorhanden Potenzial dafür genutzt werden, andere Sektoren vollständig zu dekarbonisieren, die derzeit von Erdgas abhängen. Biomethan könne jedoch trotzdem für lokale Projekte auch im Verkehr eine Rolle spielen. jk


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Florian 31.10.2018, 20:26:43

Erdgas bringt uns im Vergleich zu Kohle und Diesel / Benzin sowohl bei der Stromerzeugung / Heizung als auch im Verkehr bei der Verminderung von Feinstaub und anderer Luftschadstoffe voran. Erdgas für die Stromerzeugung durch Einsatz in flexibel regelbaren Gaskraftwerken bringt uns bei der Integration von mehr erneuerbaren Energiequellen voran. Die Studie beziffert das begrenzte Potential von Biomethan, das will ich nicht bezweifeln, Biomasse ist begrenzt verfügbar und zumal sollten vorwiegend biogene Reststoffe verwendet werden, auch das gibt die Studie richtig wieder. Warum aber sollte langfristig eine gut ausgebaute Gas Infrastruktur nicht langfristig zur Verteilung von synthetischem Methangas dienen? Klar beziffert die Studie die geringere Effizienz die durch die Wandlungsverluste entstehen. Warum sollte das in Zukunft durch höhere Kapazitäten erneuerbarer Energien, durch Nutzung der bei der Umwandlung entstehenden Abwärme und durch Verbesserung der Prozesse eine geringere Bedeutung haben als angenommen? Bietet ein Gas Fernleitungsnetz nicht auch künftig die Möglichkeit dann synthetische Gase je nach Bedarf mit den Nachbarländern auszutauschen und die Versorgungssicherheit zu erhöhen und natürlich auch Energie für viele Wochen zu speichern? Zur Absicherung von Blackouts spielt der Wirkungsgrad und die Effizienz eine sekundäre Rolle. Wer garantiert letztlich das Mitteleuropa künftig Energie autark sein wird oder ist bei gegebenem Grad der Industriealisierung nicht auch künftig der Import von dann erneuerbaren Energieträgern nötig? Den übermäßigen Ausbau der Gas Infrastruktur sowie den Bau der Milliarden teuren LNG Flüssiggasterminals kritisiere ich durchaus. Ausdrücklich gut finde ich Gas als kurzfristigen Ersatz für Diesel und Benzin sowie für die Kohle. Ein Umstieg auf 100% erneuerbar wird in ein paar Schritten und hoffentlich möglichst bald geschehen, die Batterie wird nicht das Allheilmittel darstellen außer es kommen noch deutliche Innovationen.


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