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VerkehrswendeFür Klimaschutz fahren E-Scooter an den falschen Orten

E-Scooter auf einem Bahnhofsplatz inmitten tausender abgestellter Fahrräder.
Die Klimabilanz von E-Scootern fällt gegenüber dem Fahrrad weitaus schlechter aus. Für echten Klimaschutz müssten die elektrisch betriebenen Roller Autos ersetzen. (Foto: Thomas Wolter /pixabay, CC0 Public Domain)

E-Scooter helfen Umwelt und Klima – wenn die Menschen sie statt dem Auto nutzen. Doch in den Städten ersetzen sie vor allem klimafreundlicheren Fuß- und Radverkehr sowie den ÖPNV. Ganz anders könnte das außerhalb der urbanen Zentren aussehen.

06.09.2019 – Eine Umfrage unter 4.000 E-Scooter-Nutzern in Paris zeigt: Ohne Roller, wäre mit 47 Prozent fast die Hälfte der Befragten zu Fuß gegangen. 29 Prozent hätten den öffentlichen Nahverkehr genutzt und 9 Prozent wären mit dem Fahrrad gefahren. Lediglich 8 Prozent der Befragten haben mit dem E-Scooter eine Auto- oder Taxifahrt ersetzt. Und nur bei diesen 8 Prozent weisen die Pariser E-Scooter einen positiven Nutzen für Umwelt und Klima auf.

Denn die elektrisch betriebenen Roller sind bei weitem nicht klimaneutral, wie das Umweltbundesamt warnt. Schon bei der Herstellung der Roller entstehen Emissionen, vor allem bei der Produktion der Akkus, deren Bestandteile wie Kobalt und Lithium oftmals auch unter umweltschädlichen und menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut werden. Gleichzeitig wird vielerorts daran gearbeitet, die Umweltauswirkungen zu reduzieren, wie zum Beispiel mit Wasserrückgewinnungstechnologien, die bessere Produktionskreisläufe ermöglichen.

Doch Zu den schlechten Umwelt- und Klimaauswirkungen trägt ebenfalls die Aufladung der E-Roller bei. Und selbst wenn der Strom dafür aus Erneuerbaren Energien stammt, werden die E-Roller aktuell noch mit Kleintransportern an verschiedenen Punkten abgeholt und zu Aufladestationen gebracht, von wo aus sie wieder in der Stadt verteilt werden. Daher planen Verleiher inzwischen ihre Roller mit austauschbaren Akkus auszustatten. Als weiteres Manko führt das Umweltbundesamt indes die geringe Lebensdauer der E-Scooter auf. Verschiedene Quellen gehen hier von ein bis drei Monaten aus, bis die Roller kaputt sind.

Bringt die E-Scooter in die Außenbezirke

Bei allen Problemen, an deren Lösungen gearbeitet werden muss, ist der E-Scooter auf jeden Kilometer natürlich weitaus umweltfreundlicher als private Pkws oder Motorräder mit Verbrenner. Doch auch in Berlin lassen erste Zahlen zur Nutzung der E-Roller vermuten, dass diese Autofahrten nicht ersetzen. So zeigen Daten, die dem rbb vorliegen, dass mehr als zwei Drittel der Roller in den touristischen Zentren Berlins stehen und dort wohl von Touristen am häufigsten genutzt werden.

In sechs Außenbezirken der Hauptstadt hingegen sind gerade einmal 300 der insgesamt über 9.000 E-Roller zu finden. Doch gerade dort, wo der Weg zur nächsten Bahnhaltestelle etwas weiter ist, könnten E-Scooter einen echten klimafreundlichen Nutzen gegenüber dem Auto haben, meint das Umweltbundesamt und dessen Präsidentin Maria Krautzberger. „Verleiher sollten E-Scooter statt in Innenstädten in den Außenbezirken aufstellen. Hier kann es durchaus sinnvoll sein, die zu lange Strecke zur Bahn schnell mit dem E-Scooter anstatt mit dem Auto zu überbrücken“, so Krautzberger.

Auch müsste insgesamt die Infrastruktur für Fußgänger, dem ÖPNV, Fahrradfahrer und damit auch für E-Roller besser ausgebaut und gleichzeitig der Raum für Privat-Pkws zurückgedrängt werden. „Hier müssen die Städte ansetzen und die Zahl der Autos und deren Parkplätze deutlich reduzieren. Dann haben wir auch mehr Platz in den Innenstädten für sichere Fuß- und Radwege“, sagt Krautzberger. mf