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Mobilitätswende ohne Antrieb

Geht doch! Umweltbundesamt will Fußgänger stärken

Straßenschild vor Baustelle auf dem Gehweg mit der Aufschrift: Fußgänger bitte andere Straßenseite benutzen
Fußgänger haben es schwer in den Städten. Foto: (Grzegorz W. Tężycki, Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0)

Während sich die Mobilitätswende v. a. mit elektrisch angetriebenen Verkehrsmitteln beschäftigt, fristen die klima­freundlichsten Verkehrsteilnehmer ein Schattendasein. Das Umweltbundesamt will daher das Vorrecht der Fußgänger in Städten stärken.

20.10.2018 – Wer in der Stadt mit Rad oder gar zu Fuß unterwegs ist, hat es nicht leicht. Unsere Städte sind autogerecht geplant. Nicht nur das Überqueren von Straßen ist oft mühsam, Gehwege werden zudem oft ihrer eigentlichen Bestimmung beraubt, wenn bspw. Lieferwagen oder motorisierte Zweiräder den Gehweg versperren. Hohe Bordsteine, kaum überquerbare Straßen oder fehlende Übergänge machen es dem Fußgänger schwer. Dazu kommen Lärm, gesundheitsgefährdender Feinstaub und Stickoxide. Viele Ampeln sind schlecht geregelt, in Berlin werden bspw. häufig Radler oder Fußgänger bei Grün von abbiegenden Autos angefahren oder gar getötet. Es fehlen Zebrastreifen oder sie werden nicht berücksichtigt. Die Beantragung eines Zebrastreifens bis zur Genehmigung dauert in Berlin denn auch nur rund schlappe zwei Jahre. Viele Städte werden immer fußgängerfeindlicher, die Fußweganteile gehen zurück – zugunsten des motorisierten Verkehrs, auch Bus und Straßenbahn.

Auf dem Weg zur fußgängergerechten Stadt

Den Wert der Fußgänger hat nun das Umweltbundesamt (UBA) neu entdeckt – sie sind leise, brauchen weniger Platz und funktionieren abgasfrei. Breitere Gehwege, mehr Zebrastreifen und höhere Bußgelder für Falschparker sollten für mehr Fußgänger in deutschen Städten sorgen, so ein Fazit der Fußverkehrsstrategie, die das Umweltbundesamt veröffentlicht hat.

Jede zehnte Autofahrt ist kürzer als ein KilometerLaut Studien ist jede zehnte Autofahrt kürzer als ein Kilometer. Städter in Deutschland legen der UBA-Studie zufolge derzeit rund 27 Prozent ihrer Wege zu Fuß zurück. Bis 2030 sollte dieser Anteil in den Städten auf 41 Prozent steigen, so das Ziel, auf dem Land von 23 auf 35 Prozent. Das spart Geld, ist förderlich für die Gesundheit (wenn es dann dementsprechend weniger Autoabgase geben würde), schont Umwelt und Klima, fördert die Kommunikation und würde so das Leben in den Städten insgesamt schöner machen.

Wie in Paris zum Beispiel: In der alten Stadt der Flaneure sind vergleichsweise fast die Hälfte aller Verkehrsteilnehmer Fußgänger. Dort werden bspw. Schnellstraßen stillgelegt und Fußgängerbereiche auch mitten in der Altstadt geschaffen. Je weniger Störungen und Gefährdungen es gibt, umso attraktiver wird das Zufußgehen werden.

Mehr Raum für Radler und Fußgänger

Fußverkehr und Radverkehr brauchen beide mehr Platz – unabhängig voneinander und zu Lasten des Autos, fordert der Allgemeine Deutsche Fahrradclub. Es müsse gelingen, so die Präsidentin des Umweltbundesamtes Maria Krautzberger, den öffentlichen Raum zurückzuerobern. Entsprechende Vorschläge des UBA: Wartezeiten an Ampeln verkürzen, 2,50 Meter breite Gehwege als Standard und mehr Zebrastreifen anlegen. Die „fußläufige Erreichbarkeit“ könnte zudem im Baurecht als Entwurfs- oder Erschließungskriterium verankert werden. na


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