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SolarenergieLkws könnten bald mit Sonnenstrom vom eigenen Dach fahren

schematische Darstellung eines Lkws mit Solardach.
Eine erste schematische Darstellung zeigt, wie sich das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme, einen Lkw mit integriertem Solardach vorstellt. (Grafik: © Fraunhofer ISE)

Eine hohe Reichweite und emissionsfrei – so sollte die Zukunft von Lkws aussehen. Die Entwicklungen in diese Richtung schreiten voran. Neustes Konzept: Lkws, die mit Solarenergie vom eigenen Dach fahren.

13.04.2020 – Diesel-Lkws haben eine hohe Reichweite, verursachen jedoch erhebliche CO2-Emissionen. Elektro-Lkws hingegen sind zwar emissionsarm unterwegs, doch die Reichweite lässt in den aktuellen Modellen noch stark zu wünschen übrig. Vor allem Deutschland steckt in einem Entwicklungsstau. Während Tesla in diesem Jahr, etwas verspätet, elektrische Sattelschlepper mit einer Reichweite von fast 1.000 km auf den Markt bringen will, sind deutsche E-Lkws bislang nur für Reichweiten unter 300 km konzipiert. Damit sind sie vor allem im innerstädtischen Verkehr im Einsatz. Ein Konzept des Fraunhofer Instituts könnte helfen diesen Missstand zu beheben.

Sollte das Konzept Serienreife erlangen, könnten Lkws bald Ökostrom produzieren und nutzen, mit Solarenergie vom eigenen Dach. Harry Wirth vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) erklärt die Vorteile: „Auf LKWs findet sich viel Platz in bester Sonnenlage, bei elektrischem Antrieb sind auch große Batterien verfügbar - eine ideale Situation, um mit Photovoltaik wertvolle on-board-Energie und damit Reichweite zu gewinnen, und das 100 Prozent erneuerbar.“

Ein effizientes und kostengünstiges Produkt ist das Ziel

Gemeinsam mit mehreren Industrieunternehmen will das Fraunhofer Institut in den kommenden drei Jahren nicht nur einen Prototypen bauen, sondern auch ein Fertigungskonzept entwickeln, das eine effiziente Lieferkette ermöglicht, damit es schnell Serienreife erlangt. Die Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts stellen dabei hohe Ansprüche an die Solarmodule: Ein Flächennutzungsgrad von mehr als 90 Prozent wäre ideal. Auch sollen sie höchstens 2,6 Kilogramm zusätzliches Gewicht pro Quadratmeter aufweisen und gleichzeitig stabil sein. Die enormen Vibrationen dürfen kein Problem für die Solarmodule darstellen.

Für eine schnelle Serienreife entscheidend ist auch der Kostenfaktor, sowie die Möglichkeit einer nachträglichen Montage. Die Entwickler streben Modelle zur Montage in der Preiskategorie von Standardmodulen oder sogar günstiger an. Module mit Kosten von höchsten 0,4 Cent pro Watt oder 75 Euro pro Quadratmeter sind das Ziel. Dafür werden innovative Materialkombinationen erprobt. Eine effiziente Vollintegration der Solarmodule wird ebenso getestet, wie eine nachträgliche Aufdachmontage. Zusätzliche Kosten für Rahmung und Material sollen im besten Fall wegfallen

Mit der Technologie wollen die Entwickler zeigen, dass LKWs über fünf Prozent ihrer Antriebsenergie durch Solarenergie abdecken können, als Ergänzung zum vorhandenen Elektroantrieb. 4000-6000 Kilometer zusätzliche Reichweite seien so pro Jahr rechnerisch möglich.

Es bestehen weitere Möglichkeiten CO2 einzusparen

Ein weiteres Konzept für weniger CO2 und mehr Reichweite sind sogenannte E-Highways. Dabei handelt es sich um Spuren auf Autobahnen, die mit Oberleitungen ausgestattet sind, an die Lkws mit entsprechenden Aufbauten andocken können. Für Diesel-Lkws sind damit erhebliche CO2-Einsparungen möglich, für elektrische Lkws könnte das Konzept ein Plus an Reichweite bedeuten. Doch bislang gibt es nur Testrecken.

Um das Emissionsproblem im Güterverkehr besser in den Griff zu bekommen, gibt es auch wiederholt Forderungen nach einer stärkeren Verlagerung des Warenverkehrs auf die Schiene. Gerade einmal 17 Prozent aller Güter werden in Deutschland auf Schienen transportiert. Zum Vergleich: In der Schweiz sind es 41 Prozent. mf