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Alternative KraftstoffeUmstrittene Mautbefreiung für Erdgas-Lkw

Erdgas-Lkw
Unterm Strich gleicht die Klimabilanz eines Erdgas-Lkw der eines herkömmlichen Lkw mit Dieselantrieb. (Foto: Spielvogel / wikipedia.org, CC0 1.0)

Jüngst beschloss der Bundestag die Verlängerung der Mautbefreiung von Erdgas-Lkw bis Ende 2023. Dem Klimaschutz bringt dies allerdings nichts, wie eine Studie des Öko-Instituts im Auftrag des Umweltbundesamtes aufzeigt. Nun ist der Bundesrat am Zug.

21.05.2020 – Eigentlich wäre die Mautbefreiung für Erdgas-Lkw Ende dieses Jahres ausgelaufen. Vergangene Woche wurde sie von der Mehrheit des Deutschen Bundestags um drei Jahre bis Ende 2023 verlängert. „Unser Ziel ist es, den Markthochlauf der klimafreundlichen Alternative zum Diesel weiter zu unterstützen. Gleichzeitig schaffen wir mit dieser Maßnahme die dringend benötigte Planungssicherheit für die Unternehmen. Erste Reaktionen aus der Transportbranche zeigen, dass wir damit den richtigen Schritt gehen“, erklärte Alois Rainer, verkehrspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Lob für die Entscheidung kam von der Branchenvereinigung Zukunft Erdgas. „Damit wurde ein wich­ti­ger Impuls gegeben, um nach jahr­zehn­te­langem Stillstand endlich praxisnahe Klima­schutz­maß­nahmen im Güterverkehr um­zu­setzen. Und nicht nur das Klima profitiert. Auch Bürger können sich über die deutlich nied­ri­ge­ren Lärm­emis­sio­nen der Erdgas-Lkw freuen“, so deren Vorstand Tim Kehler.

Ersatz von Diesel-Lkw durch erdgasbetriebene Lkw leistet praktisch keinen Beitrag zur CO2-Minderung

„Eine jüngst vorgestellte Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes belegt eindeutig, dass ein Ersatz von Diesel-Lkw durch erdgasbetriebene Lkw praktisch keinen Beitrag zur CO2-Minderung leistet. Deshalb muss die Mautbefreiung für Erdgas-Lkw wie geplant Ende des Jahres auslaufen“, fordern dagegen Stephan Kühn, Sprecher für Verkehrspolitik, und Matthias Gastel, Sprecher für Bahnpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion.

Klimabilanz von Gas-Lkw gleicht Dieselantrieb

Die Untersuchung des Öko-Instituts berücksichtigt die direkten CO2-Emissionen bei der Verbrennung sowie das bei der Produktion, beim Transport und im Betrieb entweichende Methan. Das Treibhausgas Methan wirkt noch deutlich stärker auf das Klima als CO2. Unterm Strich fällt die Klimabilanz des Gas-Lkw ebenso aus wie die eines herkömmlichen Lkw mit Dieselantrieb. Die Wissenschaftler schlussfolgern, dass der vielzitierte Klimavorteil von Gas-Lkw und deren Förderung damit nicht mehr haltbar sind.

Die Grünen weisen darauf hin, dass Gas-Lkw in Deutschland gleich dreifach gefördert werden. Neben der Anschaffung unterstützt der Staat die Speditionen auch mit Steuererleichterungen für das Gas und einer vollständigen Mautbefreiung. Das Öko-Institut beziffert die bestehenden Subventionen auf 74.000 Euro pro Fahrzeug in fünf Jahren. Würde die Befreiung von der Lkw-Maut bis Ende 2023 verlängert werden, kommen nochmal 60.000 Euro hinzu. „Der Bund wirft aber nicht nur Steuergeld zum Fenster raus, er sorgt auch dafür, dass Lkw-Transporte noch billiger werden und Verkehre von der Schiene zurück auf die Straße wandern“, kritisieren Kühn und Gastel.

Gleichzeitig summierten sich die Ausfälle bei der Lkw-Maut bis 2023 auf rund 850 Millionen Euro, wenn die Zulassungszahlen von Erdgas-Lkw wie erwartet ansteigen. „Eine Förderpolitik, die nichts für den Klimaschutz bringt und zusätzliche Löcher in den Haushalt reißt, muss umgehend beendet werden“, fordern die beiden grünen Abgeordneten.

Im Juni muss nun der Bundesrat der umstrittenen Entscheidung des Bundestags noch zustimmen. hcn


Kommentare

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Denkender Bürger 21.05.2020, 08:17:39

Wie wäre es denn, statt gedden über ein vernünftiges Verkehrskonzept nachzudenken, um den Güterverkehr verstärkt auf die Schiene (oder wo es möglich ist aufs Binnenschiff) zu verlagern und dieses entsprechend umzusetzen?

 

Wenn es auf diese Weise gelingen würde, nur jeden 3. LKW von der Straße zu holen:

Wie viele Staus und Unfälle würden dadurch vermieden werden?

Wie viele Straßenbau-Projekte würden dadurch obsolet oder könnten zeitlich aufgeschoben werden?

Wie positv würde sich das auf die Umwelt-Billanz auswirken?

 

Vor allem:

De Invrastruktur dafür ist weitgehend vorhanden und müßte nur entsprechend ertüchtigt werden - was aber in einem überschaubaren Zeitraum mit einem überschaubaren Aufwand möglich wäre.

 

Und für alle Zweifler:

In der Schweiz funktioniert das - was natürlich nicht heißt, daß man es nicht noch besser und effizienter machen könnte.

Lokführer 26.05.2020, 09:52:28

Diesel wird subventioniert ( 20 Cent pro Liter Steuergeld), Strom ist im Verhältnis dazu zu teuer.

Die Schienennutzungsgebühr ist im Verhältnis zur LKW-Maut zu hoch.

Aufgaben der Politik. Die CSU hat sein Jahren das Verkehrsresort, aber kein Interesse an Veränderung. Augen auf bei der nächsten Wahl.

Denkender Bürger 27.05.2020, 20:57:01

+15 Gut

Man muß nur die Erweiterung des Schienennetzes in vergangenen jahr (6 (!!!) Kilometer) der Erweiterung des Straßennetzes (über 300 Kilometer) gegenüber stellen - das sagt eigentlich alles!


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