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Erneuerbare KraftstoffeVerkehrssektor tritt beim Klimaschutz auf der Stelle

Autobahn voller Autos
Zukünftig muss die Zahl der Autos auf den Straßen abnehmen, damit die CO2-Emissionen im Mobilitätssektor nachhaltig sinken. (Photo by Alexander Popov on Unsplash)

Der Verkehrssektor ist das Sorgenkind beim deutschen Klimaschutz. Auch 2019 stagnierte der Anteil Erneuerbarer Energien auf niedrigem Niveau. Die CO2-Emissionen nehmen Jahr für Jahr zu, Verkehrsvermeidung und -verlagerung werden nicht angegangen.

14.07.2020 – Beim Einsatz Erneuerbarer Energien wurde im vergangenen Jahr im Verkehrssektor erneut kein Fortschritt erzielt. Der Anteil von Biodiesel, Bioethanol und Biogas stagnierte bei 5,6 Prozent, wie aus einem aktuellen Hintergrundpapier der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) hervorgeht. Dabei könnten die Kraftstoffe aus Raps, Zuckerrüben, Altspeisefett, Stroh und Co. einen wichtigen Beitrag zur Verkehrswende leisten, da sie im Durchschnitt 84 Prozent weniger Emissionen als Benzin- oder Diesel-Antriebe verursachen, so die AEE.

Der Verkehr ist und bleibt das Sorgenkind beim Klimaschutzsagt Robert Brandt, Geschäftsführer der AEE. „Der Trend zeigt seit Jahren in die falsche Richtung. Im Jahr 2019 stiegen die CO2-Emissionen in diesem Sektor um mehr als eine Million Tonnen“, so Brandt.

Mit über 163 Millionen Tonnen ausgestoßenen CO2 hat der Mobilitätssektors im Jahr 2019 mehr als ein Fünftel der gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland verursacht – Tendenz steigend. Denn: Während die CO2-Emissionen über alle Sektoren hinweg gegenüber dem Vorjahr um insgesamt 6,3 Prozent gesunken sind, stiegen sie im Verkehrsbereich um 1,2 Millionen Tonnen an. Das geht aus Daten des Umweltbundesamt hervor. Ursächlich war hierfür der gestiegene Kfz-Bestand, obwohl sogar sparsamere Fahrzeuge auf den Markt gekommen sind.

Dank dem Einsatz von Biokraftstoffen konnten im vergangenen Jahr CO2-Emissionen in Höhe von 7,8 Millionen Tonnen vermieden werden. Wenn gesetzliche Verpflichtungen zur Emissionsminderung bei der Antriebsenergie im Verkehr kontinuierlich gesteigert werden, könnte diese Bilanz zukünftig noch besser aussehen. Die EU will dafür verstärkt auf neuartige Biokraftstoffe aus Abfällen und Reststoffen, wie zum Beispiel Stroh, Algen sowie die Elektromobilität setzen.

Während die Menge der Elektroautos zukünftig deutlich gesteigert werden soll, leisten konventionelle flüssige Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse bisher den größten Beitrag zum Klimaschutz im Verkehr. Ihr Anteil betrug 2019 immerhin 86 Prozent aller im Verkehr eingesetzten Erneuerbaren Energien. Und dabei hat sich der Klimavorteil gegenüber den fossilen Kraftstoffen in den vergangenen Jahren immer weiter verbessert. Verursachten die Biokraftstoffe im Jahr 2014 im Durchschnitt nur etwa halb so viele Emissionen, waren es im Jahr 2018 bereits 84 Prozent weniger.

Dabei leisten die sogenannten Koppelprodukte Biodiesel und Bioethanol zwar auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, haben jedoch mengenmäßig einen ganz anderen Hauptzweck: Der größte Teil des geernteten Rapses wird zu proteinreichem Futtermittel verarbeitet. Nach dem Pressen in den Ölmühlen entsteht zu etwa 40 Prozent Rapsöl, das dann teilweise zu Biodiesel weiterverarbeitet wird, und zu 60 Prozent Eiweißfuttermittel, das Deutschland von den Kraftfutterimporten unabhängiger macht. So müssten ansonsten statt 3,6 Millionen Tonnen Soja rund 5,4 Millionen Tonnen importiert werden. Zudem entsteht als weiteres Nebenprodukt Glycerin, das in Tabletten, Waschmittel oder Zahnpasta Verwendung findet.

Können Biokraftstoffe nachhaltig sein?

Da die Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen immer wieder kritisiert wird, widmet die Agentur für Erneuerbare Energien diesem Thema in ihrem Hintergrundpapier einen ganzen Abschnitt. Demnach gibt es gesetzliche Standards zur Nachhaltigkeit, die die Biokraftstoffe einhalten müssen, wodurch zum Beispiel kein Regenwald abgeholzt und als Plantage umgewandelt werden darf. Laut dem IPCC-Bericht „Climate Change and Land“ sei zudem stark umstritten, dass die agrarische Rohstoffproduktion für Biokraftstoffe den Anbau von Nahrungsmittel verdränge.

Zur Verkehrswende gehören nicht nur neue Kraftstoffe und AntriebeUm die Klimaschutzziele im Verkehrssektor zu erreichen, müssen neben einem gesteigerten Einsatz von Biokraftstoffen und dem Ausbau der Elektromobilität noch weitere Maßnahmen ergriffen werden: „Zur Verkehrswende gehören nicht nur neue Kraftstoffe und Antriebe. Damit die Erneuerbaren Energien voll durchschlagen können, müssen auch Verkehrsvermeidung und Verkehrsverlagerung stärker vorangebracht werden“, fordert Brandt.

Auch die nachhaltig erzeugten Biokraftstoffe seien „kein Allheilmittel“, schreibt die AEE in ihrem Hintergrundpapier. Deshalb müsse das Mobilitätsverhalten dringend geändert werden: Auf den Straßen sollten zukünftig weniger Autos unterwegs sein – und dafür mehr Fußgänger, Radfahrer und öffentliche Verkehrsmittel. Nur so könnten die Emissionen im Mobilitätssektor wirkungsvoll und nachhaltig gesenkt und das Klima geschützt werden. jk


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