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Ein Stückchen Russland bei jedem

Putin wird Erdgas in großen Mengen nach China liefern. Seit bald 20 Jahren sind beide Länder diesbezüglich im Gespräch, doch konnte man sich nie über den Gaspreis einigen. Ausgerechnet jetzt ist das Abkommen geglückt. Und Deutschland? Ein Kommentar von Rebecca Raspe

23.05.2014 – Das Aufdrehen des Heizungsthermostats in einem kalten nordbayerischen Wohnzimmer und ein unterschriebenes Gaslieferabkommen im Reich der Mitte – was fern voneinander klingt, hängt doch zusammen.  Denn Deutschland ist bislang stark auf Erdgas aus Russland angewiesen. Wladimir Putin wiederum arbeitet aktuell aktiv daran, sein Gas jenseits Europas lukrativ verkaufen zu können. Auslöser dürften insbesondere die Differenzen mit der EU in Bezug auf den Ukraine-Konflikt sein.

Russland und China haben sich nun auf ein Gaslieferabkommen geeinigt. Das sagte der Chef des russischen Staatskonzerns Gazprom just der Nachrichtenagentur Interfax. Das Geschäftsvolumen soll sich auf 400 Milliarden US-Dollar belaufen. Gazprom soll dem chinesischen Partner CNPC von 2018 an mindestens 38 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr liefern – über einen Zeitraum von 30 Jahre.

Gespräche über dieses Thema zwischen beiden Ländern gibt es bereits seit bald 20 Jahren, jedoch konnte man sich in der Vergangenheit nie über den Gaspreis einigen. Dass ein Einvernehmen nach so langer Zeit ausgerechnet jetzt zustande kam, sollte aufhorchen lassen. Bei Putin ist der Wunsch, sich wirtschaftlich von Europa zu lösen, gestiegen. Der Bau einer großen Pipeline von Russland nach China ist besiegelt und der Energiehunger der asiatischen Wirtschaftsmacht wächst und wächst.

Und Deutschland? Kann sich ein Desinteresse an Auslandspolitik nicht leisten. Der heimische Erdgasverbrauch stieg 2013 nach Angaben der AG Energiebilanzen um 6,4 Prozent auf 956 Milliarden Kilowattstunden. Die inländische Förderung ging um knapp vier Prozent zurück, die Erdgasimporte nahmen um acht Prozent zu. Wichtigstes Lieferland blieb Russland mit einem Anteil von 38 Prozent.

Der Erdgasverbrauch der privaten Haushalte sowie der Gewerbe - und Dienstleistungsunternehmen nahm im vergangenen Jahr um fast zwölf Prozent zu. Diese Entwicklung wurde unterstützt durch eine steigende Anzahl an Erdgasheizungen. Insgesamt waren am Jahresende 2013 rund 20 Millionen Wohnungen oder gut 49 Prozent des Bestands mit einer Erdgasheizung ausgestattet. Im Neubaumarkt lag die Erdgasheizung bei einem Marktanteil von 46,5 Prozent.

Betroffen ist fast jeder. Mit der Nutzung einer Gastherme etwa fließt uns ein Stückchen Russland durchs Haus. Die Bundesregierung in Berlin sollte den Zwischentönen Putins deshalb Beachtung schenken. Politische Spannungen sind ein weiteres Argument, sich von den Energieressourcen anderer Länder endlich unabhängig zu machen – durch heimische Energieerzeugung und, ganz besonders im Wärmesektor von Bedeutung, die Steigerung der Energieeffizienz. Kommentar von Rebecca Raspe

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