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30 Jahre Tschernobyl: AKW-Deal zwischen Ukraine und EU

Die Blöcke 1 und 2 des AKW Chmelnitzky mit einer Bruttoleistung von 1.000 Megawatt sind seit 1988 bzw. 2005 in Betrieb. Der Bau für die Reaktoren 3 und 4 wurde 1986 und 1987 begonnen und 1990 aufgrund eines Moratoriums des ukrainischen Parlaments unterb
Die Blöcke 1 und 2 des AKW Chmelnitzky mit einer Bruttoleistung von 1.000 Megawatt sind seit 1988 bzw. 2005 in Betrieb. Der Bau für die Reaktoren 3 und 4 wurde 1986 und 1987 begonnen und 1990 aufgrund eines Moratoriums des ukrainischen Parlaments unterbrochen. Pläne des Weiterbaus scheiterten bisher. (Foto: RLuts/Wikimedia Commons, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Khnpp_2013_-_2.jpg)

Drei Jahrzehnte nach dem Super-Gau im ukrainischen AKW Tschernobyl kommt ein ungewöhnlicher Plan mit der EU ans Licht. Die Ukraine soll Atomstrom in die EU liefern und zwei in den 1980er Jahren nicht fertig gestellte Reaktorblöcke zu Ende bauen.

26.04.2016 – Die Idee mutet aus gleich mehreren Gründen bizarr an. Denn die Ukraine leidet an einer chronischen Energiearmut und benötigt selbst große Mengen Strom und Versorgungssicherheit. Gleichzeitig wendet sich die Europäische Union – oder zumindest viele Mitgliedsstaaten – von der Atomkraft ab. Werden wie in Finnland oder Frankreich neue Meiler gebaut, verursacht dies massive Probleme und explodierende Kosten. Die Atomkraft ist unwirtschaftlich, daran zweifelt längst kaum noch ein Ökonom.

Und zu guter Letzt stammen die halbfertigen Atomruinen aus den 1980er Jahren, zu der Zeit, als russische Anlagen vom Typ Tschernobyl noch als sicher galten. Der Plan der ukrainischen Regierung sieht vor, einen von zwei bestehenden Reaktorblöcken des AKW Chmelnitzky im Westen des Landes vom ukrainischen Netz zu trennen. Der Atomstrom der 1.000 Megawatt-Anlage soll ausschließlich nach Polen in die EU verkauft werden, wie tagesschau.de berichtet. Dafür wird zwischen der Ukraine und seinem westlichen Nachbarn eine „Energiebrücke“ gebaut, die den Strom von der Ukraine in die EU liefert.

EU gibt Geld und Rückendeckung

Offenbar gab es schon länger Pläne, die beiden halbfertigen Reaktoren mit russischer Hilfe fertig zu stellen, es scheiterte wie so Vieles am Geld. Nachdem die russisch-ukrainischen Beziehungen an einem Tiefpunkt angelangt sind und der Vertrag mit Russland über eine Vollendung im September 2015 aufgehoben wurde, springt die EU ein und „erklärt das ganze Projekt zum Teil des großen Plans einer transeuropäischen Energieversorgung“, so die tagesschau. Dafür gibt es Rückendeckung und Geld aus Brüssel.

Ob die Pläne aus Kiew und Brüssel tatsächlich umgesetzt werden, ist offen. Denn in der Ukraine gibt es aufgrund der Energieprobleme große Vorbehalte, einen ganzen Atomreaktor für den Stromexport abzustellen. Dennoch hat der Bau der Leitungen nach Polen bereits begonnen. Auch für den AKW-Weiterbau stehen die Baufirmen offenbar bereit, darunter das Unternehmen Electrabel, Betreiber der belgischen Pannenreaktoren Tihange und Doel. cw

Lily Smith am 16.09.2017

Nun setzt die Ukraine anstatt Kernenergie in Tschernobyl auf Erneuerbare. Insbesondere geht es um Photovoltaik in der Ukraine: zwei chinesische Unternehmen meldeten, dass sie beabsichtigen, ein Ein-Gigawatt-Solar-Projekt in der Tschernobyl-Ausschlusszone zu bauen: http://zoll-handelsrecht-ukraine.org/2017/02/17/china-beabsichtigt-investitionen-in-erneuerbare-in-hohe-von-usd-361-milliarden/

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