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EU-Importe fördern Abholzung des Regenwalds

Die EU befeuert mit ihren Importen von u.a. Soja, Palmöl und Rindfleisch die illegale Abholzung von Regenwald für den Anbau von Lebensmitteln und Produkten. Die EU muss ihre Marktmacht nutzen und Druck auf Länder wie Brasilien und Indonesien ausüben.

19.03.2015 – Der Rohstoffhunger der Europäischen Union führt zur Abholzung riesiger Regenwälder in den Tropen. Die Nachfrage in Europa ist zu einem der größten Treiber illegaler Abholzung in Südamerika und Asien geworden, berichtet die Brüsseler Umweltorganisation FERN (Forests and the European Union Resource Network) bei der Vorstellung einer neuen Studie, die vom britischen Ministerium für Internationale Entwicklung gefördert wurde.

In Europa begehrte Rohstoffe, für die Regenwald zerstört wird, sind u.a. Soja, Palmöl, Rindfleisch und Leder. Jedes Jahr führt die EU große Mengen dieser Rohstoffe ein, für deren Erzeugung illegal Wald gerodet wurde. Im Jahr 2012 hatten die illegal angebauten und importierten Rohstoffe ein Volumen von sechs Milliarden Euro – fast ein Viertel der weltweit gehandelten Menge.

Hauptlieferländer sind Brasilien und Indonesien

In den Jahren zwischen 2000 und 2012 wurde alle zwei Minuten eine Fläche so groß wie ein Fußballfeld abgeholzt. Deutschland gehört zu einen der Hauptzielländer und importiert pro Jahr für etwa 800 Millionen Euro solche Güter. Hierzulande werden besonders Palmöl und Soja eingeführt. Andere Großabnehmer in Europa sind Großbritannien, die Niederlande, Italien und Frankreich.

Die EU importiert der Studie zufolge insgesamt 25 Prozent des gesamten Sojas, 18 Prozent des gesamten Palmöls, 15 Prozent des gesamten Rindfleisches und 31 Prozent des gesamten Leders im internationalen Handel, die aus illegaler Zerstörung tropischer Wälder stammen. Insbesondere aus Brasilien und Indonesien stammen die Produkte – aus dem südamerikanischen Land schätzungsweise die Hälfte aller illegalen landwirtschaftlichen Grunderzeugnisse. Aber auch Malaysia, Argentinien, Paraguay und Uruguay sind betroffen. In Brasilien findet die Entwaldung Schätzungen zufolge zu 90 Prozent illegal statt, in Indonesien sind es etwa 80 Prozent.

EU muss Marktposition für Veränderung nutzen

„Der EU-Verbrauch zerstört nicht nur die Umwelt und trägt zum Klimawandel bei“, berichtet Sam Lawson, Autor der Studie. „Da die Entwaldung illegal ist, befeuert sie auch Korruption und führt zu Einkommensverlusten, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen.“ In dem Bericht werden auch Möglichkeiten und Maßnahmen für die EU aufgezeigt, um die Förderung der illegalen Abholzung zu beenden. Der Schlüssel hierzu ist laut FERN, die Zusagen zu einem EU-Aktionsplan gegen Entwaldung und Walddegradation endlich umzusetzen.

Die EU könnte außerdem ihre starke Marktposition dazu einsetzen, in den Lieferländern die Produktionsbedingungen zu ändern. Der EU-Aktionsplan gegen illegalen Holzeinschlag ist dafür ein positives Beispiel. „Die EU kann Gesetzesreformen in Lieferländern anregen, indem sie die betreffenden Regierungen, Industrien und zivilen Gesellschaftsgruppen dazu bringt, nicht nur Entwaldung zu reduzieren, sondern auch verantwortungsbewusstes Handeln zu verbessern und die Besitzansprüche der eingeborenen und heimischen Völker zu stärken“, fordert Saskia Ozinga, Aktionskoordinatorin bei FERN. cw

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