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Koalas bremsen Kohletagebau

Australische Umweltschützer haben Klage gegen einen geplanten Kohletagebau eingereicht. Sie befürchten, das Projekt könne die dortige Koala-Population zum Aussterben bringen. Klagen von Aktivisten könnten künftig von der Regierung eingeschränkt werden.

26.09.2015 – Das 1,5-Milliarden-Projekt eines chinesischen Konzerns in Australien gerät wegen eines possierlichen Beuteltierchens ins Wanken: Umweltschützer der Upper Mooki Landcare Group haben gegen die Anfang Juli von Umweltminister Greg Hunt erteilte Genehmigung für den Kohletagebau Watermark Klage eingereicht. Ihre Begründung: Es sei nicht geprüft worden, ob der geplante Kohleabbau die dort ansässige Koala-Population zum Aussterben bringe. Die Anhörungen haben bereits begonnen, und wie der britische Guardian unter Berufung auf australische Regierungskreise berichtet, könnte die Klage durchaus Erfolg haben. Das Ergebnis wird im Oktober erwartet.

Das Projekt der Shenhua Group soll im Bundesstaat New South Wales umgesetzt werden. Aktuellen Schätzungen zufolge leben 262 Koalabären in dem betroffenen Gebiet, in dem der Kohleabbau stattfinden soll. Die Watermark-Klage kommt nur wenige Tage nachdem Umweltschützer die geplante und hochumstrittene Carmichael-Mine in Queensland gestoppt haben. Für den bisherigen australischen Ministerpräsidenten Tony Abbott war das ein Graus. Er wollte Umweltschützer daran hindern, Großprojekte wie Bergwerke zu „sabotieren“.  Seine liberal-konservative Regierung kündigte an, dass künftig nur noch jene Umweltschützer gegen Großprojekte klagen dürfen, die direkt von ihnen betroffen sind. Bislang kann jeder vor Gericht ziehen, der seit mindestens zwei Jahren im Umweltschutz aktiv ist. Seit September allerdings ist Malcolm Turnbull neuer Premierminister Australiens. Ob und wann die Regierung die geplante Gesetzesänderung ins Parlament bringt, ist unklar.

Heather Ranclaud, Sprecherin der Upper Mooki Landcare Group, erklärte zum Thema Watermark: „Es ist falsch, diese für die Region so wichtige Koala-Population aussterben zu lassen – nur für einen Tagebau. Ebenso ist es unklug, die Wassersicherheit zu gefährden und landwirtschaftlich wichtige Flächen zu zerstören.“ In dem Gebiet sollen pro Jahr zehn Millionen Tonnen Kohle gefördert werden, der Tagebau soll 30 Jahre betrieben werden.

Ausgerechnet in Queensland und New South Wales, den für den Kohleabbau relevanten Bundesstaaten, schrumpfen die Koala-Populationen. Grund ist die zunehmende Zerstörung ihres Lebensraums. Während Touristen die possierlichen Tierchen lieben, gelten sie in Australien oft als Schädlinge, ähnlich wie Termiten. Nur im Südwesten des Landes sind die Bestände stabil, werden dort allerdings als eine Art Plage betrachtet. In der Region Cape Otway wurden in den vergangenen zwei Jahren bereits etwa 700 Koalas getötet. Auch aktuell werden wieder Tiere eingefangen und eingeschläfert. Die Weibchen erhalten Verhütungsmittel. Nichtsdestotrotz, die Koalas haben das Watermark-Projekt erst einmal ausgebremst. Und so mancher Australier mag die Tiere eben doch – und hat sie jüngst als Maskottchen für den Widerstand entdeckt. Umweltschützer legten jüngst Eukalyptuszweige und Stoffbären vor dem Gericht in Sydney ab, um gegen das Kohleprojekt in ihrer Region zu protestieren. rr

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