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Luxemburg bietet Frankreich Geld für Reaktorabschaltung

BU: Luxemburgs Ministerpräsident Bettel hat seinem französischen Amtskollegen Geld für die Abschaltung des grenznahen Atomkraftwerks Cattenom geboten. (Foto: © jahbalaha, flickr.com/photos/jahbalaha/15183987640, CC BY 2.0)
BU: Luxemburgs Ministerpräsident Bettel hat seinem französischen Amtskollegen Geld für die Abschaltung des grenznahen Atomkraftwerks Cattenom geboten. (Foto: © jahbalaha, flickr.com/photos/jahbalaha/15183987640, CC BY 2.0)

Die Sicherheit von französischen Kernkraftwerken ist bereits seit Jahren stark umstritten. Nun hat Luxemburgs Ministerpräsident Bettel seinem französischen Amtskollegen sogar Geld für die Abschaltung des grenznahen Atomkraftwerks Cattenom geboten.

14.04.2016 – Das französische Atomkraftwerk Cattenom liegt in unmittelbarer Nähe von Luxemburg und gilt unter Experten schon seit Jahren als unsicher. Daher hat das Großherzogtum seinem Nachbarn nun einen eher ungewöhnlichen Vorschlag unterbreitet. Luxemburgs Ministerpräsident Xavier Bettel bot seinem französischen Kollegen Manuel Valls Geld für die Abschaltung des altersschwachen Atommeilers an. Sollte es dort zu ernsten Problemen kommen, drohe das Großherzogtum „von der Landkarte gewischt zu werden“, sagt Bettel laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung. Sein Land wäre daher bereit, einen finanziellen Beitrag zur Abschaltung des Meilers beizutragen.

Hierbei handelt es sich jedoch nicht um die erste Aufforderung, das Kraftwerk endlich vom Netz zu nehmen. Cattenom befindet sich unweit der luxemburgischen sowie der deutschen Grenze und könnte im Ernstfall für beide Länder eine große Gefahr darstellen. Ein im Jahr 2011 durchgeführter Stresstest förderte erhebliche Mängel des Kraftwerks zutage. Unterschiedliche Szenarien wurden schlichtweg nicht untersucht, da sie als zu unwahrscheinlich eingeschätzt wurden. Bei derartigen Tests sollte allerdings auch das Unwahrscheinlichste angenommen und untersucht werden. Daher hatte die Bundesrepublik Deutschland bereits vor Jahren eine Abschaltung gefordert.

Cattenom ist kein Einzelfall in Frankreich

Bei Cattenom handelt es sich allerdings nicht um das einzige französische Kernkraftwerk, dessen Sicherheit angezweifelt wird. So ist erst kürzlich bekannt geworden, dass es im April 2014 im französischen AKW Fessenheim nahe der deutschen Grenze zu einem Störfall gekommen war. Durch Überschwemmungen fiel damals das Steuersystem aus, sodass sich der gesamte Reaktor vorrübergehend nicht steuern ließ. Es kam zu einer Notabschaltung.

Das Angebot des luxemburgischen Ministerpräsidenten ist daher durchaus nachvollziehbar. In den 1970er Jahren wollte das Großherzogtum noch selbst in die Atomenergie einstiegen. Aufgrund eines massiven Widerstands wurde die Planung eines Kernkraftwerks in Remerschen am Dreiländereck von Luxemburg, Frankreich und Deutschland jedoch verworfen. Luxemburg deckt zurzeit den Großteil seines Energiebedarfs aus Importen und setzt sich seit der Katastrophe in Fukushima verstärkt für einen europäischen Atomausstieg ein. jk

Kommentare

Anne am 14.04.2016

+101 Gut Antworten

Habs hier unter http://www.heise.de/newsticker/meldung/Atomkraft-Luxemburg-bietet-Frankreich-Geld-fuer-Abschaltung-des-AKW-Cattenom-3168208.html

und war ein wenig überrascht, dass das kleine Luxemburg den Franzosen Geld bietet.

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