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Schweden erlaubt bis zu zehn neue Atomreaktoren

Die schwedische rot-grüne Regierung hat sich mit der Opposition auf bis zu zehn neue Atomreaktoren geeinigt. Sie könnten alte Meiler ersetzen, zudem fällt eine Atomsteuer weg. Bis 2045 will Schweden mit Hilfe der Atomkraft klimaneutral sein.

14.06.2016 – Eigentlich besiegelten die regierenden Sozialdemokraten und das Parlament bereits in den 1980er Jahren den schwedischen Atomausstieg. Es sollten keine neuen Reaktoren mehr gebaut und die bestehenden mit zunehmendem Alter, spätestens 2010, abgeschaltet werden. 2009 beschloss dann allerdings die konservative Regierung einen Stopp dieses Atomausstiegs, danach blieb es zunächst ruhig. Nun hat sich die rot-grüne Minderheitsregierung in einem für Schweden durchaus üblichen Kompromiss mit der konservativen Opposition auf bis zu zehn neue Atomreaktoren geeinigt.

Das beschlossene Energie- und Klimaabkommen sieht vor, dass die Meiler als Ersatz für bestehende Reaktoren gebaut werden können. Derzeit sind in Schweden an den Standorten Forsmark und Oskarshamn an der Ostküste und Ringhals an der Westküste neun Reaktoren in Betrieb. Diese produzierten 2015 gut 34 des schwedischen Stroms und sind nach der Wasserkraft (47 Prozent) wichtigste Stromlieferanten des Landes. Allein das Atomkraftwerk Ringhals deckt ca. 18 Prozent des schwedischen Bedarfs.

Atomkraftindustrie wirbt für Kompromiss

Entsprechend abhängig sind die Skandinavier noch immer von der Atomkraft und der Atomkraftindustrie, die Medienberichten zufolge im Hintergrund stark für den Kompromiss geworben hatte. Darunter sind offenbar der staatliche Energieversorger und größter AKW-Betreiber Vattenfall, die E.ON-Tochter Uniper, Volvo und das Stahlunternehmen SSAB.

Das Energie- und Klimaabkommen sieht bis 2040 eine Stromversorgung mit 100 Prozent Erneuerbaren Energien und bis 2045 ein klimaneutrales Land vor. Dabei ist die Atomkraft offenbar den Erneuerbaren Energien gleichgestellt, es soll auch kein neues Atomausstiegsdatum geben, wie die taz berichtet. Zudem wird die 2000 eingeführte „Effektsteuer“ auf die technische Leistung der Atomreaktoren 2017 wieder abgeschafft, was den Atomstrom deutlich billiger machen wird.

Dennoch ist es derzeit recht unwahrscheinlich, dass in Schweden neue Atomreaktoren gebaut werden. Insbesondere Vattenfall scheut die hohen finanziellen Risiken. Vielmehr geht es um die Nachrüstung bestehender Meiler. Für den Weiterbetrieb nach 2020 müssen diese unter anderem mit einem unabhängigen Kühlsystem ausgestattet werden, insgesamt sind mehrere hundert Millionen Euro an Investitionen in jede Anlage notwendig. Dank der Abschaffung der Effektsteuer, dürften die Betreiber nun genügend Geld dafür zur Verfügung haben. cw

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