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Sorge um AKW in der Ukraine

Brennelemente sollen sich im laufenden Betrieb eines ukrainischen AKW verbogen haben. Das könnte die Notabschaltung eines Reaktors unmöglich machen. Nach der aktuellen Zwischenfallmeldung mehren sich die Sorgen um die Sicherheit der AKW in der Ukraine.

04.12.2014 – Ukrainische Atomkraftwerke sind von russischer Bauweise. Der aktuelle Zwischenfall in einem von ihnen löst Bedenken aus – und in manchen Redaktionen konkrete Nachforschungen. Um sich von der Abhängigkeit des Nachbarlandes zu lösen, habe man verstärkt Brennelemente der US-Firma Westinghouse genutzt, welche im Design die russische Variante nachahmten. Das berichtet Jürgen Döschner, Energieexperte des WDR, auf tagesschau.de. Doch mit dem nachgebauten Produkt gebe es immer wieder Probleme. Unter anderem hätten sich im Jahr 2012 zahlreiche der von Westinghouse gelieferten Brennelemente im laufenden Betrieb verbogen. Laut Döschner eine große Gefahr, denn im Ernstfall hätte dies eine Notabschaltung des Reaktors verzögern oder gar unmöglich machen können.

Diese Woche wurde bekannt, dass es einem Zwischenfall im größten Atomkraftwerk Europas im Südosten der Ukraine gegeben hat. Der Regierung in Kiew zufolge geht von der Panne jedoch keine Gefahr aus. Der Betreiber Energoatom erklärte,  es habe keinen Unfall gegeben. Ein Kurzschluss in einem Generator habe die Panne verursacht, die Reaktoren seien  nicht beschädigt. Aufgrund eines technischen Defekts musste jedoch ein Atomreaktor ausgeschaltet bleiben. Da zudem Kämpfe und Unruhen den Kohleabbau im Osten des Landes unterbrochen haben, werden Stromengpässe befürchtet.

Nach den schrecklichen Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima löste der Vorfall besorgte Reaktionen aus. In der Ukraine war es im April 1986 zu einem Super-GAU gekommen. Bei einer Simulation eines vollständigen Stromausfalls kam es aufgrund schwerwiegender Verstöße gegen die geltenden Sicherheitsvorschriften sowie der bauartbedingten Eigenschaften des mit Graphit moderierten Kernreaktors zu einem unkontrollierten Leistungsanstieg. Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl flog in die Luft. Die Explosion wirbelte radioaktive Teilchen in die Atmosphäre.

Die gemessene Strahlung war 400-mal stärker als beim US-Atombombenabwurf auf Hiroshima 1945. Rund 600.000 Menschen wurden einer starken Strahlenbelastung ausgesetzt, von den Helfern sind nach Informationen der WHO heute 125.000 schwer erkrankt. Mindestens 10.000 Menschen starben an den Folgen des Reaktorunglücks. Im Umfeld des AKW wurden menschliche Babys und Tiere mit starken Deformationen geboren. Von der Ukraine breitete sich die radioaktive Wolke über weite Teile Europas aus. In Deutschland wurde man viele Jahre angehalten, keine Wildpilze zu ernten, da diese ebenfalls stark belastet waren. Derzeit wird eine neue Schutzhülle, auch Sarkophag genannt, über den Tschernobyl-Meiler gebaut. rr

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