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Spaniens prekäre Photovoltaik-Hypotheken

In Spanien ist Photovoltaik beliebt, es gibt auch schöne Beispiele, hier das Solarhaus der Universidad Politecnica de Madrid für den Solar Decathlon 2007 – doch die spanische Politik macht den Energiebürgern leider einen Strich durch die Rechnung ( F
In Spanien ist Photovoltaik beliebt, es gibt auch schöne Beispiele, hier das Solarhaus der Universidad Politecnica de Madrid für den Solar Decathlon 2007 – doch die spanische Politik macht den Energiebürgern leider einen Strich durch die Rechnung ( Foto: © Jeff Kubins from Columbia, Maryland / CC BY 2.0 / Wikimedia Commons)

In Spanien in Photovoltaik zu investieren, klingt vernünftig, vor allem wenn der Staat dazu ermuntert. Doch seit Jahren sorgen diese Investitionen für Prekarität, weil der Staat seine Vergütungsgarantie zurücknahm. Nun soll es größere Proteste geben.

20.04.2015 – In Spanien haben in den vergangenen Jahren bekanntlich Hunderttausende Menschen ihre Wohnungen verloren, weil sie auf Grund von Einkommensverlusten ihre Hypothekenraten nicht mehr bezahlen konnten. Zehntausende weitere mit Hypotheken Belastete bringt nun ANPIER, der Verband der Photovoltaik-Anlagenbetreiber, ins Spiel – allerdings mit einem anderen wirtschaftlichen Hintergrund: Es geht um Menschen, die sich wegen Investitionen in Photovoltaik-Anlagen verschuldet haben.

Seit Jahren kürzt die spanische Regierung gesetzliche Einspeisevergütungen für erneuerbare Energiequellen. Schon 2013 warnte ANPIER vor den Folgen für Menschen, die ihre Ersparnisse in die Photovoltaik gesteckt oder sich gar dafür verschuldet hatten. Nun kündigt der Verband im Vorfeld seiner am 25. April stattfinden Mitgliederversammlung landesweite Proteste an. Auch eine gemeinsame juristische Vorgehensweise soll bei dem Treffen koordiniert werden.

Laut ANPIER sind 300.000 Menschen in 62.000 Familien von den Kürzungen bei der Photovoltaik betroffen. Die Mehrzahl habe Bankkredite für ihre Investitionen mit Wohnungshypotheken abgesichert. Der Staat habe empfohlen, bis zu 80 Prozent einer Investition über einen Kredit zu finanzieren, kritisiert der Verband. Nun müssen diese Leute ihre Raten ohne das geplante Einkommen aus dem Stromverkauf bedienen. 15 Prozent aller Anlagenbetreiber sind damit laut ANPIER im Rückstand. Sogar 36 Prozent machten demnach Verluste, während nur drei Prozent die von der Regierung zugesicherte Rendite von 7,4 Prozent erreichten.

Wer in Schwierigkeiten ist, müsse bei der Bank mehr persönliche Garantien abgeben und höhere Zinsen zahlen und laufe Gefahr, die Photovoltaik-Anlage zum Spottpreis an Spekulanten verkaufen zu müssen, klagt ANPIER. Im Lauf des Jahres sollen große Mobilisierungen dieser „vom Staat Verratenen“ folgen. Vor Gericht sind kürzlich zwei betroffene Firmen mit Klagen gegen die Rücknahme der Vergütungsgarantie gescheitert.

Unmut gibt es bei diversen Akteuren im In- und Ausland. Die Windkraft-Industrie ist sauer, weil sie sich um das sehr große Potenzial Spaniens geprellt sieht. Konzerne aus mehreren Ländern klagen seit langem wegen niedrigerer Renditen als geplant gegen die spanische Regierung.

Auch deutsche Unternehmen sind darunter. Selbst die EU sowie spanische Regionalregierungen und Behörden haben die Kürzungspolitik schon stark kritisiert. Die Regierung beruft sich auf die allgemeine Krise, wird aber der Interessenpolitik für die traditionellen Energiekonzerne beschuldigt. Das scheint insoweit plausibel, als Spanien ein gewaltiges Potenzial an Wind- und Sonnenenergie hat – eine eigentlich bitter nötige Wertschöpfungsquelle. Auch Italien kürzte seine Vergütungsgarantien rückwirkend. Ralf Hutter

Kommentare

Bernd Winter am 20.04.2015

+136 Gut Antworten

Das (Strom-)Imperium schlägt zurück!

Wer glaubt, dass sich die Energiekonzerne so einfach die Butter vom Brot nehmen lässt, irrt sich gewaltig. Bei uns wird das EEG radikal verändert und für den Weiterbetrieb veralteter Braunkohledreckschleudern die Kohlekumpel zum Demonstrieren auf die Straße geschickt.

In Südeuropa geht das noch einfacher, indem die Besitzer privater PV-Anlagen in den Ruin getrieben werden und die Anlagen dann billig von kapitalkräftigen Investoren übernommen werden können. Oder sie werden einfach stillgelegt.

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