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Weltweiter Kohleverbrauch sinkt überraschend deutlich

In vielen chinesischen Großstädten ist die Luftverschmutzung durch Kohlekraftwerke und den Verkehr lebensbedrohlich. Nun versucht die Hauptstadt Peking gegenzusteuern und will ab 2020 alle Kohlekraftwerke in der Stadt verbieten. (Foto: Han Jun Zeng, fli
In vielen chinesischen Großstädten ist die Luftverschmutzung durch Kohlekraftwerke und den Verkehr lebensbedrohlich. Nun versucht die Hauptstadt Peking gegenzusteuern und will ab 2020 alle Kohlekraftwerke in der Stadt verbieten. (Foto: Han Jun Zeng, flickr.com, CC BY-SA 2.0)

Der weltweite Verbrauch von Kohle wird laut Berechnungen der Großbank UBS in 2015 um zehn Prozent geringer ausfallen. Grund ist der Rückgang der Kohlenutzung gerade in China. Der Scheitelpunkt des Kohleverbrauchs könnte überschritten sein.

17.09.2015 – Diese Zahlen bestätigte der Chef-Rohstoffstratege Lachlan Shaw der Großbank UBS vor wenigen Tagen. Der Peak des globalen Kohleverbrauchs fand demzufolge  mit 1.000 Millionen Tonnen in den Jahren 2012 und 2013 statt. Seitdem sinkt der Verbrauch und steht nun bei 900 Millionen Tonnen – ein Rückgang um zehn Prozent. Umso verwunderlich ist die Entwicklung, wenn man den Kohlepreis betrachtet. Denn dieser sank den Angaben zufolge in den vergangenen drei bis vier Jahren ebenfalls um 25-30 Prozent.

Die Gründe für den sinkenden Kohleverbrauch sind noch nicht eindeutig belegt, haben aber sicherlich mit der Rolle Chinas zu tun. Die größte Volkswirtschaft der Welt senkte den Kohleverbrauch 2014 erstmals und es gibt Anzeichen, dass dies auch 2015 der Fall sein wird. Gründe sind das langsamere Wachstum der chinesischen Realwirtschaft und Maßnahmen der Regierung in Peking. Denn diese steht unter massivem Druck seitens der Bevölkerung. In fast allen Großstädten und vielen Regionen des Landes ist die Luftverschmutzung enorm und lässt sich nicht mehr kontrollieren. Ein Großteil davon geht auf Kohlekraftwerke zurück.

Peking verbannt Kohle, Divestment-Kampagnen greifen

Die Regierung versucht nun gezwungener Maßen die starken Umwelt- und Klimaverschmutzungen einzudämmen, in Peking sind bereits ab 2020 Kohlekraftwerke verboten. Die Machthaber haben offenbar den Ernst der Lage erkannt, viele qualifizierte Arbeiter und Experten wandern bereits aufgrund der lebensfeindlichen Bedingungen in den Ständen aus und gefährden Chinas Wirtschaftswachstum. Dennoch erwarten die Analysten der UBS in den kommenden Jahren noch ein marginales Wachstum der chinesischen und indischen Kohleimporte, bevor ab ca. 2020 der Verbrauch wieder abnimmt.

Viele Industriestaaten werden dagegen langfristig aufgrund des enormen Treibhausgasausstoßes ihren Kohleverbrauch senken. Einen Beitrag leisten dazu sicher auch Divestment-Kampagnen, die große Investoren aufrufen, ihre Beteiligungen an Kohlefirmen zu beenden. Erst kürzlich verkündete der größte Finanzfonds der Welt, der staatliche norwegische Pensionsfonds, sich von Kohlebeteiligungen zu trennen, was u.a. auch den deutschen Kohlekonzern RWE trifft.

Es könnte ein ermutigendes und wichtiges Signal für die Klimaverhandlungen in Paris Ende des Jahres sein. Denn die Daten zum Kohleverbrauch zeigen: Eine Reduzierung der Nutzung fossiler Energien ist möglich, ehrgeizige Klimaziele sollten das Ziel sein. Der Kohleverbrauch als einer der Hauptverursacher des Klimawandels muss in den kommenden Jahren rasch sinken. cw

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