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AKW Grafenrheinfeld wird abgeschaltet

Das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld
Das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld. (Bild: © Avda / CC BY-SA 3.0 / via wikimedia commons)

Seit 1981 hat das unterfränkische Atomkraftwerk Grafenrheinfeld Strom geliefert. Diese Woche soll es für immer von Netz gehen. Während der Atomausstieg Schritt für Schritt weiter geht, tobt Streit zwischen Bayern und dem Bund um die Atommülllagerung.

24.06.2015 – Atomkraftgegner werden sich wohl freuen und ein kleines Fest feiern, denn: Das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld wird am kommenden Wochenende abgeschaltet. Seit 1981 hat der alte Meiler Strom geliefert, zuletzt etwa ein Sechstel der in Bayern benötigten Strommenge. Nun soll er für immer von Netz gehen und zurückgebaut werden. Ein Stromengpass ist auch nach Stilllegung des unterfränkischen Kernreaktors nicht zu befürchten, so die Einschätzung des bayerischen Wirtschaftsministeriums.  

Die wegfallende Strommenge könne laut Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) durch Erneuerbare-Energien-Anlagen und konventionelle Kraftwerke in Deutschland und Europa problemlos ersetzt werden. Zudem seien zur Netzstabilisierung bereits „umfangreiche technische Maßnahmen“ ergriffen worden. Sie äußerte sich in jeder Hinsicht optimistisch. Weniger positive Worte kamen von Bertram Brossardt, dem Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft. Er klagte, ein umfassender Energiewende-Plan sei dringend notwendig. Es fehle ein Plan, der besage, was bis wann passieren müsse, um eine sichere Stromversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen auch nach 2022 zu garantieren. Fakt ist: Fallen Atomkraftwerke weg, muss Bayern mehr eigene Erzeugungsanlagen anderer Technologien bauen. Andernfalls gerät das Bundesland zunehmend in die Abhängigkeit von Stromimporten. Grafenrheinfeld ist nach Isar I nun der zweite bayerische Reaktor, der stillgelegt wird. In Betrieb befinden sich weiterhin Gundremmingen B und C sowie Isar II. Diese Anlagen sollen erst 2017 bis 2022 vom Netz gehen.

Konflikte mit der bayerischen Landesregierung gibt es nicht nur beim Stromtrassenbau oder der Abschaltung von AKW, sondern auch bei der Frage, wo der in Bayern hergestellte Atommüll künftig gelagert werden soll. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) möchte, dass der deutsche Atommüll, der im Ausland aufbereitet wurde, in 26 Castor-Behältern wieder in sein Verursacherland zurückkehrt. Sie plant, den radioaktiven Müll auf die vier Bundesländer aufzuteilen. Fünf Behälter mit mittelradioaktivem Abfall aus dem französischen La Hague sollen ab 2017 im baden-württembergischen Philippsburg zwischengelagert werden. 21 Behälter mit hoch radioaktivem Müll, die sich aktuell in Sellafield in Großbritannien befinden, will die Umweltministerin bis 2020 möglichst gleichmäßig auf Lager bei den Atomkraftwerken Isar (Bayern), Biblis (Hessen) und Brokdorf (Schleswig-Holstein) verteilen.

Obwohl Bayern einen großen Teil des deutschen Atommülls produziert, reagierte die CSU empört über Hendricks Pläne. Staatskanzleichef Marcel Huber drohte gar damit, das Vorankommen der Energiewende blockieren zu wollen. Andere Bundesländer wie Hessen und Schleswig-Holstein reagierten mit Unverständnis auf die Reaktion und mahnten die bayerische Landesregierung, Verantwortung zu übernehmen. „Wir ducken uns nicht weg“, erklärte beispielsweise Hessens grüne Umweltministerin Priska Hinz. Bayern ist das einzige von vier Bundeländern, das die Aufnahme der Castor-Behälter ablehnt.

„Wir halten es für unzulässig, wenn die bayerische Staatsregierung ein Pokerspiel um die Energiewende startet und die Verantwortung für den Atommüll Bayerns mit der Umsetzung der Energiewende in Bayern zu verknüpfen beginnt. Bayern darf sich nicht aus seiner Verantwortung für seinen Atommüll stehlen“, ärgerte sich Richard Mergner, Landesbeauftragter des BUND Naturschutz in Bayern. rr

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