TOP-THEMA
Europawahl




EURATOM nukleare Altlast der EU

Das Kernkraftwerk Cruas liegt im Departement Ardèche im Südosten Frankreichs. Erst kürzlich feierte die Europäische Atomgemeinschaft ihr 60-jähriges Jubiläum. (Foto: <a href="https://pixabay.com/de/kernkraftwerk-cruas-ard%C3%A8che-177183/" target="_
Das Kernkraftwerk Cruas liegt im Departement Ardèche im Südosten Frankreichs. Erst kürzlich feierte die Europäische Atomgemeinschaft ihr 60-jähriges Jubiläum. (Foto: ResoneTIC / pixabay.com, CC0 Public Domain)

Bei der Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft im Jahr 1957 wurde die Kernenergie noch euphorisch gefeiert. Obwohl ihre Popularität bereits stark abgenommen hat, sind Veränderungen bei der mächtigen Atominstitution immer noch nicht gerne gesehen.

29.03.2017 – Mit dem 60. Jahrestag der Römischen Verträge, der von der Europäischen Union in unterschiedlichen Ländern mit zahlreichen Veranstaltungen zelebriert wird, könnte auch ein weiteres Kapitel bei der Grundsteinlegung von Europa gefeiert werden. Am 25. März 1957 wurde die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM) gegründet. Sie gilt zwar als eine eigenständige Internationale Organisation und damit nicht als Teil der Europäischen Union, teilt sich aber dennoch sämtliche Organe mit ihr. Trotzdem ist der EU inzwischen wohl nicht mehr zum Feiern zumute.

Bei der EURATOM-Gründung wurde die Stromproduktion mit Kernenergie noch als günstig, risikolos und sauber beworben. Heutzutage wird aber immer deutlicher, dass sich fast alle der Versprechen in Luft aufgelöst haben. Abgesehen von großen Reaktorkatastrophen sorgen heutzutage immer wieder neue Schreckensmeldungen bei vielen Bürgern für eine stetig wachsende Ablehnung. So sind es beispielsweise Explosionen in einem französischem AKW oder erhebliche Mängeln im einem Not- und Nachkühlsystem, die das damals vermittelte Gefühl der Sicherheit allmählich bröckeln lassen.

Mit Blick auf die nach wie vor ungelöste Problematik der Endlagerung hochradioaktiven Mülls und jahrzehntelangen Rückbauprozessen alter Kernkraftwerke scheint Atomstrom außerdem keine saubere Form der Energiegewinnung zu sein. Zudem gilt sie heutzutage schon längst nicht mehr als günstig. So sind es vor allem die versteckten Kosten – entstehend durch Endlagerung des Atommülls, Rückbau alter Meiler, Umweltschäden, Steuervergünstigungen oder Subventionen – die die Atomenergie deutlich teurer werden lassen, als noch vor 60 Jahren erwartet. Bereits seit Jahren gelten die Erneuerbaren Energien deshalb als deutlich günstiger.

Großbritannien steigt aus EURATOM-Vertrag aus

Gleichzeitig hat die britische Regierung im Zuge ihres Austritts aus der EU verkündet, dass sie auch aus der Europäischen Atomgemeinschaft austreten möchte. Dabei hätte gerade Großbritannien von den Fördergeldern der EU stark profitiert. So wird der Bau des umstrittenen AKW Hinkley Point C für die britischen Steuerzahler noch deutlich teurer als geplant und EURATOM verliert einen großen Bündnispartner.

Zurzeit finanzieren aber auch die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, die selbst überhaupt gar keine Kernkraftwerke besitzen, EURATOM fleißig mit. Wenn die Regeln der Atomgemeinschaft auch in den nächsten Jahren nicht geändert werden, würde Deutschland ab 2022 ebenfalls Geld in eine Institution stecken, die ihrer eigenen politischen Überzeugung widerspricht.

Gemeinsamer Strahlenschutz durch EURATOM

Wozu braucht es heutzutage dann überhaupt noch eine europäische Atomgemeinschaft? Seit Jahrzehnten argumentieren die Fürsprecher von EURATOM gebetsmühlenartig, dass nicht nur ein gemeinsamer Strahlenschutz und die Entwicklung einheitlicher Sicherheitsstandards unabdingbar für die EU seien. Auch müsse weiterhin zum Thema der Endlagerung geforscht sowie eine überwachende Funktion ausgeübt werden.

Allerdings fließen von den Mitgliedsländern auch heutzutage immer noch große Summen in die weitere Erforschung der Kernenergie. Ein Thema, das für die Bundesrepublik aufgrund ihres beschlossenen Atomausstiegs schon jetzt eigentlich nicht mehr relevant ist. Gegner der Europäischen Atomgemeinschaft halten diese daher nicht mehr für zeitgemäß und argumentieren, dass das Geld viel sinnvoller für die Energiewende eingesetzt werden könnte. jk

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen