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Gutachten: Konzerne können AKW-Rückbau meistern

Wirtschaftsminister Gabriel hat ein Gutachten zum Atomausstieg veröffentlicht. Demnach können die Atomkonzerne den AKW-Rückbau und die Müllentsorgung finanziell stemmen – allerdings in Summe. Unklar ist, wie es bei den Konzernen im Einzelnen aussieht.

13.10.2015 – Die großen Energiekonzerne können nach Einschätzung der Bundesregierung die Kosten für den Atomausstieg meistern. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte: „Die Vermögenswerte der Unternehmen decken in Summe die Finanzierung des Rückbaus der Kernkraftwerke und der Entsorgung der radioaktiven Abfälle ab.“ Der Minister hatte im Juni einen „Stresstest“ der Atomkonzerne angeordnet, der deren Belastbarkeit in Sachen Atomausstieg überprüfen sollte. Ein entsprechendes Gutachten liegt nun vor.

Erstmals wurden darin konkrete Zahlen genannt: Demnach werden der Rückbau aller Atomkraftwerke und die Endlagerung des bis dahin entstandenen Mülls bei aktuellen Preisen rund 47,5 Milliarden Euro kosten – wobei bei besonders effizienter Vorgehensweise die Kosten um geschätzte sechs Milliarden Euro gesenkt werden könnten. Pro Reaktor geht die Bundesregierung von Rückbaukosten in Höhe von durchschnittlich 857 Millionen Euro aus.

Ein Schwachpunkt des Gutachtens ist allerdings, dass sich sämtliche finanzielle Angaben aus Gründen des Betriebsgeheimnisses auf die großen Energiekonzerne und ihre Tochterunternehmen insgesamt beziehen. Somit lassen sie keine Rückschlüsse auf die Belastbarkeit einzelner Unternehmen zu. Diese könnte von Fall zu Fall sehr unterschiedlich aussehen. Zudem sind genaue Prognosen über die tatsächlichen Kosten für den Atomausstieg nicht möglich. Das Gutachten berücksichtigt deswegen verschiedene Szenarien, die auf unterschiedlichen Annahmen beruhen. Vom „Best Case“ zum „Worst Case“ beträgt die Spannbreite der erforderlichen Rückstellungen rund 29 bis 77 Milliarden Euro. Aktuell haben die Konzerne 38,3 Milliarden Euro gebildet - im schlimmsten Fall wäre also eine Verdopplung nötig.

Mit diesem Szenario rechnet Gabriel jedoch nicht. „Die Szenarien mit den hohen Rückstellungswerten halten wir für unwahrscheinlich, da sie langfristig höhere wirtschaftliche Verluste unterstellen", so der Bundeswirtschaftsminister. Die Ergebnisse der Wirtschaftsprüfergesellschaft Warth & Klein Grant Thornton AG zeigten, dass die Konzerne – in Summe – in der Lage seien, ihre Entsorgungsverpflichtungen zu erfüllen, so das Fazit des Ministeriums.

Gabriel kündigte an, in Kürze eine Kommission einsetzen zu wollen, welche die Finanzierung des Atomausstiegs überprüfen solle. Zudem solle ein Gesetz verabschiedet werden, das den Rückbau regelt. Darüber hinaus ergebe sich laut Gutachten kein weiterer Handlungsbedarf, so der Minister. rr

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