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Klimaschutz-Index: Deutschland setzt Abwärtstrend fort

Beim diesjährigen Klimaschutz-Ranking von Germanwatch landet Deutschland nur auf Platz 29 und damit hinter Ländern wie Indien, Mexiko oder Indonesien. Laut den Umweltaktivisten fehle vor allem ein verbindliches Datum für den Kohleausstieg. (Foto: <a hr
Beim diesjährigen Klimaschutz-Ranking von Germanwatch landet Deutschland nur auf Platz 29 und damit hinter Ländern wie Indien, Mexiko oder Indonesien. Laut den Umweltaktivisten fehle vor allem ein verbindliches Datum für den Kohleausstieg. (Foto: juergen_4064 / flickr.com, CC BY-SA 2.0)

Beim diesjährigen Klimaschutz-Ranking von Germanwatch landet Deutschland nur auf Platz 29 und damit hinter Ländern wie Indien, Mexiko oder Indonesien. Laut den Umweltaktivisten fehle vor allem ein verbindliches Datum für den Kohleausstieg.

18.11.2016 – Die auf dem UN-Klimagipfel in Paris gefassten Beschlüsse haben der globalen Energiewende einen deutlichen Aufwind verschafft. So gibt es auch in diesem Jahr einen stabilen Aufwärtstrend, zeigt der von Germanwatch vorgestellte Klimaschutz-Index 2017. Dieser geht vor allem auf die positive Entwicklung großer Schwellenländer wie Indien, Argentinien oder Basilien zurück. Trotzdem sei der Fortschritt aber noch zu langsam, um einen echten Beitrag zu den Klimaschutzzielen von Paris leisten zu können.

Der frühere Vorreiter des Klimaschutz-Index Deutschland setzt seinen Abwärtstrend dagegen kontinuierlich fort und rutscht auf Platz 29 von 61 ab. Länder wie das Vereinigte Königreich, Indien oder Indonesien liegen vor der Bundesrepublik. Die ersten drei Plätze des Rankings bleiben allerdings erneut unbelegt, da Germanwatch zufolge kein Land vorbildlich genug sei, um einen Platz auf dem Treppchen zu verdienen.

„Die Voraussetzungen für eine globale Energiewende waren nie besser als derzeit. Das liegt vor allem an den weiter sinkenden Kosten der Erneuerbaren Energien und der Effizienztechnologien“, sagt Jan Burck von Germanwatch, Hauptautor des Index. Weiterhin in fossile Energien zu investieren werde dadurch immer riskanter. „Es gibt keine nachvollziehbaren Entschuldigungen mehr für Regierungen, bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens zu zögern. Ein Teil der Staaten hat das erkannt, andere sind noch nicht auf der Höhe der Zeit angekommen“, so Burck.

Deutschland muss aus der Kohleverstromung aussteigen

Im diesjährigen Klimaschutz-Index wird die Bundesrepublik stark dafür kritisiert, bei den Zielen zur Emissionsreduzierung bis 2020 nicht auf dem richtigen Weg zu sein. Die Verhandlungen um eine langfristige Klimastrategie seien von Vertretern der Kohleindustrie sowie anderen energieintensiven Industrien dominiert worden. Daher müsse nun ein angemessener Plan zum Ausstieg aus der Kohle vorgelegt werden, um sich zukünftig im Ranking verbessern zu können.

Trotz eines relativ hohen Anteils Erneuerbarer Energien am deutschen Strommix sind Länder wie Frankreich, Portugal oder Italien deutlich vor der Bundesrepublik im Klimaschutz-Index platziert. Ein näherer Blick auf die Gewichtung zeigt, dass der Anteil von Erneuerbaren am gesamten Primärenergieverbrauch in den Index nur mit zwei Prozent eingeht. Die Entwicklung regenerativer Energiequellen spielt mit acht Prozent schon eine größere Rolle.

Frankreich führt Klimaschutz-Index an

Aufgrund der nach wie vor sehr hohen Pro-Kopf-CO2-Emissionen wird das deutsche Emissionslevel, das immerhin mit einer Gewichtung von 30 Prozent in den Index einfließt, als eher negativ eingeschätzt. Ein bevölkerungsreiches Land wie Indien, in dem hunderte Millionen Menschen überhaupt gar keinen Zugang zu Elektrizität haben, bekommen dadurch in ihrer Beurteilung für den Index einen Vorteil eingeräumt. Obwohl Indien weltweit der drittgrößte CO2-Emittent ist und die Emissionen zurzeit sogar noch rapide ansteigen, erreicht das Land aufgrund der guten Klimapolitikbewertung eine deutlich höhere Bewertung als Deutschland.

Frankreich führt mit seinem vierten Platz das Länderranking an – trotz eines Kernenergieanteils im Jahr 2015 von über 76 Prozent. Die Stromproduktion mit Atomkraftwerken verursacht zwar keine CO2-Emissionen, jedoch genug andere umweltschutzrelevante Probleme, die anscheinend keine weitere Beachtung in dem Index finden. Daher könnte nicht nur die Planung neuer AKWs, sondern auch die Nutzung alter Kernkraftwerke deutlich negativer bei der Berechnung des Klimaschutz-Index ins Gewicht fallen. Germanwatch zufolge hat sich das Land vor allem deswegen auf die Spitzenposition geschoben, da es Gastgeber vom letztjährigen UN-Klimagipfel war und dort außergewöhnliche diplomatische Erfolge verzeichnen konnte. jk

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