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Erneuerbare EnergienCosta Rica macht Tempo beim Klimaschutz

Bild von der Küste Costa Ricas mit anbrandenden Wellen.
Costa Rica will an seinen 1,234 Kilometer langen Küstenstreifen künftig auch auf die Kraft des Meeres bauen. (Bild: henguido / pixabay, Public Domain)

Im fünften Jahr in Folge fast 100 Prozent Erneuerbare Energien – im Stromsektor zeigt Costa Rica bereits wie es geht und will künftig verstärkt auf Energie aus dem Meer setzen. Sorgen bereitet bislang der Verkehrssektor.

10.02.2020 – Erneuerbare Energien steuerten im letzten Jahr 99,62 Prozent des Stroms für Costa Rica bei. 300 Tage bezogen die Einwohner des Landes 2019 reinen Ökostrom, wie die staatliche Energiebehörde, das Instituto Costarricense de Electricidad (ICE), mitteilt. Damit war der Anteil von Ökostrom im fünften Jahr in Folge bei über 98 Prozent. In diesem Jahr will Costa Rica erstmals ganz auf fossile Energien im Stromsektor verzichten. Zugpferd der Erneuerbaren Energien ist dabei die Wasserkraft.

Aus Staudämmen gewonnene Wasserkraft trug im letzten Jahr 78 Prozent der landesweiten Stromerzeugung bei. Doch an den riesigen Staudämmen gibt es immer wieder Kritik, da tausende Hektar Land geflutet werden müssen und dies zu sozialen Spannungen und ökologischen Problemen führt. Auch könnte der Klimawandel künftig zu geringeren Wasserressourcen und damit eine verminderte Stromproduktion führen.

Energie soll vermehrt vom Meer kommen

Daher wollen die Verantwortlichen vom Bau weiterer Staudämme im Landesinneren abstand nehmen. Der Energiehunger für die wachsende Bevölkerung soll in Zukunft vermehrt durch Offshore-Windkraft und die Kraft des Meeres gewonnen werden. Für die Stromproduktion aus der Wasserkraft des Meeres gibt es verschiedene Ansätze. So gibt es bereits größere Gezeitenkraftwerke, etwa in Frankreich und Kanada, die ihre Energie aus den Gezeiten der Meere – Flut und Ebbe – speisen. Das Wasser wird dabei in den riesigen Anlagen gestaut und dadurch Energie gewonnen.

Roland Castro, Minister für Umwelt und Energie in Costa Rica, warnt jedoch, dass die Energiegewinnung aus dem Meer zwar technisch möglich sei, aber aus finanzieller Sicht schwierig umsetzbar. Statt teurer Gezeitenkraftwerke könnten indes auch kleinere Meereströmungskraftwerke zum Einsatz kommen. Weltweit existieren dafür bereits Prototypen, bei denen Turbinen – ähnlich wie Windräder – frei im Wasser hängen oder am Meeresboden befestigt sind und durch die Meeresbewegung Energie erzeugen. Darüber hinaus wird aktuell an Wellenkraftwerken geforscht, die die Energie der Wellen an der Meeresoberfläche in Strom umsetzen.

Das Problem ist der Autoverkehr

Doch es ist nicht die Stromproduktion, die dem Land hinsichtlich ihrer CO2-Emissionen Sorgen bereitet. Der Autoverkehr wächst mit steigendem Wohlstand Costa Ricas rasant an und ist inzwischen für 40 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Auf fünf Millionen Einwohner kommen inzwischen eine Millionen Autos – und davon sind nur 300 E-Autos. In diesem Zuge klingen die Pläne der Regierung ambitioniert. 2035 soll ein Viertel der Fahrzeugflotte elektrisch sein. Um den Verkauf anzukurbeln, wird es Steueranreize und weitere Vergünstigungen geben. Bei öffentlichen Bussen und Taxis werden sogar 70 Prozent elektrisch betriebener Modelle angestrebt. Im Großraum von San José, der Hauptstadt des Landes, werden zudem elektrisch betriebene Bahnstrecken ausgebaut, die den Autoverkehr im urbanen Raum um die Hälfte reduzieren sollen.

Bis spätestens 2050 will Costa Rica klimaneutral sein, gerne auch früher, wie der Präsident des Landes, Carlos Alvardo betont. Dafür soll auch der Raubbau an den Wäldern Costa Ricas entschieden angegangen werden und die Waldfläche des Staates von derzeit 52 auf 60 Prozent anwachsen. Im Gebäudebereich streben die Verantwortlichen mehr Energieeffizienz an. Neue Gebäude müssen ab 2030 entsprechenden Standards genügen. Auch eine „grüne Steuerreform“ kündigt das Land an. Bislang machen die Steuereinahmen aus Benzin und Diesel 12 Prozent der öffentlichen Einnahmen des Staates aus. mf