Menü öffnen

Brasiliens neuer Präsident Bolsonaro

Der Albtraum für Klima- und Naturschutz

Rassistisch, rechtsextrem und rücksichtslos gegenüber Menschen, Tieren, der Natur: Brasiliens neuer Präsident Jair Bolsonaro
Rassistisch, rechtsextrem und rücksichtslos gegenüber Menschen, Tieren, der Natur: Brasiliens neuer Präsident Jair Bolsonaro. (Foto: © Fábio Rodrigues Pozzebom/Agência Brasil, flickr.com, CC BY 2.0)

Regenwald: lästig. Pariser Klimavertrag: überflüssig. Nationalparks: müssen weg. Brasiliens neuer Präsident Jair Bolsonaro ist der wahr gewordene Albtraum für Mensch, Tier und Natur. Mit dem Amazonas-Urwald ist die grüne Lunge der Erde in Gefahr.

01.11.2018 – Er trägt den Spitznamen „Tropen-Trump“ nicht umsonst, obwohl er deutlich radikaler daher kommt und die Tropen bald kaum noch zu erkennen sein könnten. Geht es nach Jair Bolsonaro und seinen Freunden, wird sich Brasilien radikal ändern. Nicht nur seine Abneigung gegenüber dem Pariser Klimaabkommen teilt er mit Donald Trump, auch seinen Hass auf Umweltschützer und seine Offenheit gegenüber Großindustriellen. Das gefährdet einen wertvollen Schatz Brasiliens: das Amazonas-Gebiet mit seinen unberührten Regenwäldern.

Entscheidend für den weltweiten Klimaschutz

Die grüne Lunge der Erde wird das größte zusammenhängende Regenwaldgebiet genannt, eine Fläche so groß wie Deutschland steht unter Schutz. Keine Region der Welt beherbergt ein artenreicheres Ökosystem und kein Gebiet ist so entscheidend für den weltweiten Klimaschutz wie der Amazonas-Regenwald. Die tropischen Urwälder nehmen große Mengen CO2 aus der Luft auf und geben Sauerstoff ab. Die Urwald-Region ist somit ein wichtiger Filter für das globale Klimasystem.

„Die Zerstörung des Waldes hätte einen CO2-Ausstoß zur Folge, der etwa dem 400-Fachen der jährlichen CO2 Emissionen Deutschlands entspräche. Ein Absterben des Amazonas wäre in vielerlei Hinsicht fatal.“ Greenpeace

Umweltschutz wird der Agrarlobby geopfert

Geschätzte 80 bis 120 Milliarden Tonnen Kohlenstoff speichert der Amazonas-Regenwald. Fakten, die Jair Bolsonaro und seine treuesten Unterstützer nicht interessieren: Rohstoff- und Holzkonzerne, sowie das mächtige Agrobusiness. Sie holzen täglich den Regenwald ab, verkaufen das wertvolle Holz und widmen das Land für Viehzucht oder Landwirtschaft um. So wurde Brasilien zu einem der größten Agrarexporteure der Welt. Während die Abholzung oft illegal geschieht, wollen die Konzerne mit Bolsonaros Hilfe legal und vor allem in viel größerem Maßstab roden, wie damals zu Zeiten der Militärdiktatur. Nicht zufällig verherrlicht Bolsonaro jenes dunkle Kapitel des Landes.

Beschlossen ist nun auch die Zusammenlegung des Umwelt- und Agrarministeriums, mit wohl gravierenden Folgen für den Umweltbereich. Experten fürchten, dass Natur- und Klimaschutz zu Gunsten der mächtigen Agrarkonzerne geopfert werden. Bislang unverkäufliche Regenwald-Flächen in Staatshand zum Schutz von Urwald und indigener Bevölkerung könnten an Gemeinden übergeben werden und anschließend an große Konzerne verkauft werden. Das beträfe bis zu 14 Prozent der Landesfläche. Ohnehin steht die indigene Bevölkerung im Zuge der rassistischen und rechtsextremen Äußerungen Bolsonaros im Fokus. Viele fürchten um ihre Existenz.

Pariser Klimaabkommen in Gefahr

Nicht nur das schreckt landesweit und international Politiker und Klimaschützer auf. Brasiliens neuer Präsident hatte im Wahlkampf den Ausstieg aus dem Pariser Klimavertrag angekündigt. Diese Aussage nahm er zwar aus Furcht vor Konsequenzen seitens der EU zurück, die Gefahr besteht dennoch. Ein Ausstieg würde das gesamte Vertragswerk in Frage stellen. Denn Brasilien hat sich in der Vergangenheit stets stark gemacht für ehrgeizigen Klimaschutz und besitzt als sechsgrößter Emittent von Treibhausgasen einiges an Gewicht.

Das Land steuere auf eine sehr dunkle Periode in seiner Geschichte zu, so dramatisch schätzt der Klimawissenschaftler Paulo Artaxo von der Universität São Paulo die Lage ein. „Man sollte das nicht beschönigen. Bolsonaro ist das Schlimmste, was der Umwelt passieren konnte“, sagte er dem Wissenschaftsmagazin Science kürzlich. Selbst die optimistischsten Beobachter müssten zugeben: „Es sieht schlimm aus.“ cw


Mehr zum Thema


Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

(wird nicht veröffentlicht)
max 2.000 Zeichen



energiezukunft