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Emissionen im GrundstoffsektorDie unterschätzten CO2-Verursacher

Die Herstellung und Nutzung von Zement verursacht weltweit enorme CO2-Emissionen. Das DIW Berlin sieht deshalb unter anderem für diesen Industriezweig dringenden Handlungsbedarf. (Foto: pixabay.com, CC0 Creative Commons)

Die Herstellung und Nutzung von Stoffen wie Zement, Eisen oder Papier verursacht ein Viertel der weltweiten CO2-Emissionen. Trotzdem steht der Grundstoffsektor kaum im Fokus der Klimapolitik. Das DIW Berlin fordert die Politik nun zum Handeln auf.

28.06.2018 – Bei der Erreichung der internationalen Klimaschutzziele kann der Grundstoffsektor eine entscheidende Rolle einnehmen. So entfallen immerhin rund ein Viertel der weltweiten CO2-Emissionen auf die Herstellung und Nutzung von Zement, Stahl, Eisen, Papier oder Chemieprodukte. Bisher schöpft man die Potentiale zur Reduzierung der Emissionen jedoch noch viel zu wenig aus, da ein entsprechender politischer Rahmen fehlt, zeigt nun eine Studie vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Sektoren wie die Stromerzeugung stehen zurzeit viel stärker im Fokus der klimapolitischen Debatte.

Dabei gebe es ein ganzes Portfolio von Optionen, durch die die Emissionen sowohl bei der Herstellung als auch bei der effizienteren Nutzung gesenkt werden können, so die Wissenschaftler. Neben CO2-ärmeren Produktionsprozessen und der Schaffung neuer Grundstoffe wie klimafreundlicherem Zement gebe es auch noch ganz andere Wege, um Emissionen einzusparen. So könne man etwa das Design von Gebäuden, Produkten und Verpackungen derartig anpassen, dass dadurch Grundstoffe eingespart und Recyclingmöglichkeiten verbessert werden.

Existierende Instrumente werden nicht konsequent eingesetzt

„Die verschiedenen Optionen der Emissionsminderungen ergänzen sich und entfalten am besten im Zusammenspiel miteinander ihre Wirkung“, so Studienautorin Olga Chiappinelli. „Setzt man zum Beispiel auf klimafreundliche Produktionsprozesse, so entsteht ein großer Energiebedarf, für den die heimischen Ressourcen an Wind- und Solarenergie kaum ausreichen werden. Wird aber parallel umfassend recycelt und mit einem besseren Design weniger Material verbraucht, reduziert sich der Energiebedarf.“ Obwohl die entsprechenden Politikinstrumente sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Eben bereits existieren, setze man diese nicht konsequent genug ein, so Chiappinelli.

Deshalb haben die Autoren der Studie gleich vier Handlungsfelder identifiziert, in denen sie einen besonders schnellen und koordinierten Handlungsbedarf sehen. „Priorität sollte haben, erstens Umfang und Qualität von Recycling zu verbessern, zweitens die Markteinführung klimafreundlicher Prozesse, drittens Marktchancen für klimafreundliche Prozesse, Materialien und Produktgestaltung zu sichern, und viertens Emissionen aus CO2-intensiven Produktionsprozessen zu reduzieren“, fasst Mitautor Karsten Neuhoff zusammen.

Dafür könnten bestehende Regulierungen erweitert oder angepasst werden und neue Instrumente eingeführt werden. In der Studie wird zum Beispiel eine europaweite Sonderabgabe auf den Verbrauch von Grundstoffen vorgeschlagen. Dafür sei es allerdings eine Voraussetzung, dass auf europäischer Ebene eine möglichst enge Koordination stattfinde.

Nicht zu handeln stellt ein großes Risiko für den Industriestandort darDabei sei es nicht in Stein gemeißelt, welche Politikoptionen nun am besten geeignet sind. Jedoch lasse sich schon ziemlich genau sagen, wo am dringendsten Handlungsbedarf bestehe. „In Deutschland wäre ein Klimaschutzgesetz der geeignete Rahmen, um vieles auf den Weg zu bringen“, so Neuhoff. Auf europäischer Ebene seien dagegen die von den Mitgliedsländern bis Ende 2019 einzureichenden nationalen Klima- und Energiepläne eine gute Gelegenheit, beim Thema des Grundstoffsektors voranzukommen. „Eines ist sicher: Nicht zu handeln stellt ein großes Risiko für den Industriestandort dar, denn so lange nicht klar ist, wo die Reise hingeht, halten sich Unternehmen mit Investitionen zurück.“ jk


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