03.04.2017 – Bill Ford, Vorstandsvorsitzender der Ford Motor Company, sagt, wir steuern auf einen globalen „Verkehrsinfarkt“ zu. Und mit seiner Warnung, dass wir nicht einfach immer mehr Autos auf unsere Straßen bringen können, ist er nicht allein.
Während wir aktuell mehr Autos als je zuvor besitzen, nutzen wir sie weniger als je zuvor – eine enorme Verschwendung von Ressourcen und Infrastrukturen – von der Herstellung über die Verwaltung bis hin zur Instandhaltung.
Autos sind darüber hinaus extrem ineffizient, um eine Person von A nach B zu bringen. Im Schnitt werden nur 20 Prozent der Energie aus Benzin oder Diesel in Bewegung umgewandelt. Wenn wir davon ausgehen, dass das durchschnittliche Auto etwa 20 Mal mehr wiegt als sein Fahrer, sinkt bei einer Autofahrt mit einer Person – die typische urbane Autofahrt – die tatsächliche Kraftstoffeffizienz auf 1 Prozent.
Wir denken, dass Autos schnell und bequem sind. In der Stadt ist das allerdings nicht der Fall. Die effektive Geschwindigkeit von Autos in Städten beträgt in der Regel deutlich weniger als 13 km/h – mit dem Fahrrad leicht zu schlagen, ohne dabei groß ins Schwitzen zu geraten.
Peak Car – Neue Mobilitätslösungen und Konzepte sind gefragt
Diese Erkenntnisse und Entwicklungen sollten wir als Chance begreifen, um unseren Fahrzeugbesitz und unsere Mobilitätsmuster an unsere tatsächlichen Bedürfnisse anzupassen. Die Zukunft der urbanen Mobilität sollte sich mehr um den Menschen drehen. Es gibt Situationen, in denen Autos nützlich sind, aber für das allgemeine städtische Pendeln, ist es, als ob man mit einer Kettensäge Butter schneiden würde.
Zum Umwelt- und Klimaschutz leistet die Umstellung auf Elektromobilität einen wesentlichen Beitrag. Auch der Trend zum Car-Sharing und die Umwandlung von normalen Parkplätzen in reine Car-Sharing-Buchten ist ein Schritt in die richtige Richtung. Autonomes Fahren kann darüber hinaus für weniger Stau und Unfälle sorgen. Doch für eine lebenswerte Verkehrsinfrastruktur braucht es darüber hinaus auch alternative Mobilitätslösungen – weniger Straßen für Autos, bessere Infrastruktur für den öffentlichen Nahverkehr und mehr Wege für die individuelle Mobilität der Menschen.
Hierzu gibt es in vielen Städten bereits positive Entwicklungen:
- Es gibt immer mehr Städte und Stadtteile, die als autofrei deklariert werden.
- Alte Straßen oder Schienennetze werden begrünt oder in Fahrradwege umgewandelt.
- Die Zahl der Städte mit Bike-Sharing-Programmen ist von 68 im Jahr 2007 auf 850 im Jahr 2015 gestiegen.
- Einzelne Wohngegenden werden von Anfang an autofrei oder fast autofrei entwickelt und optimal in das öffentliche Verkehrsnetz integriert.
- Mobilitätskonzepte für die individuelle Fortbewegung diversifizieren und verbreiten sich immer mehr – vom E-Bike und Segway über Elektrotretroller bis zum Elektroskateboard.
Auf das Jahr hochgerechnet stehen wir aktuell noch 216 Stunden im Stau – die urbane Mobilität der Zukunft sieht hoffentlich anders aus, mit einer Infrastruktur, bei der nicht mehr das Auto im Zentrum steht, sondern eine Vielfalt an nachhaltigen Mobilitätslösungen, die die Lebensqualität in Städten erheblich verbessert.
Kathrin Hoffmann engagiert sich als Bloggerin und auf Twitter für die Energiewende. Darüber hinaus ist sie PR Managerin beim Startup Mellow Boards, das den ersten Elektroantrieb für Skateboards „Made in Germany“ anbietet.