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Uno-BerichtZwei-Grad-Ziel steht auf der Kippe

Demonstration für das 1,5-Grad-Klimaziel
Mit den aktuellen Klimaschutzplänen rückt das 1,5-Grad-Ziel immer weiter in die Ferne. (Foto: Monika Dahl / Climate Vulnerable Forum / flickr.com, CC BY 2.0)

Damit die Ziele des Pariser Klimaabkommens eingehalten werden, müssen die Mitgliedsstaaten ihre Klimaschutzpläne stark anpassen. Das geht aus einem Bericht des Uno-Klimasekretariat hervor. Selbst das Zwei-Grad-Ziel ließe sich sonst nicht einhalten.

03.03.2021 – Als sich im Jahr 2015 in Paris 196 Staaten auf ein gemeinsames Klimaabkommen einigten, galt das als Durchbruch des internationalen Klimaschutzes. Festgelegt wurde darin eine Begrenzung der Erwärmung des Weltklimas auf deutlich unter zwei Grad Celsius. Doch Kritiker bezweifelten schon damals, dass den Worten der Regierungsvertreter tatsächlich Taten folgen.

Mehr als fünf Jahre später muss man festhalten: Zurecht. Die Klimaschutzpläne der Staaten reichen bei weitem nicht aus, damit bis 2030 das Zwei-Grad-Ziel eingehalten werden kann. Das geht aus einer ersten Auswertung des Uno-Klimasekretariats im Rahmen des Syntheseberichts der Klimarahmenkonvention UNFCCC hervor.

Aufgebaut wurde dieser auf insgesamt 48 neue und aktualisierte Klimastrategien, die den Klimaschutz von 75 Ländern repräsentieren und etwa 30 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen abdecken. Enthalten ist in der Auswertung auch die Einigung der EU-Staats- und Regierungschefs auf eine Anhebung des EU-Klimaziels auf mindestens 55 Prozent bis 2030. Der CO2-Ausstoß soll demnach in der kommenden Dekade um 55 Prozent gegenüber 1990 sinken.

Emissionen sinken bis 2030 kaum

Bei Umsetzung aller vorliegenden Klimaschutzpläne erwartet das Uno-Klimasekretariat einen Höhepunkt der Treibhausgasemissionen vor dem Jahr 2030. Die gesamten Emissionen werden verglichen mit dem Referenzjahr 1990 im Durchschnitt um 0,7 Prozent sinken – gegenüber 2010 sogar nur um 0,5 Prozent.

Dabei wäre laut dem Weltklimarat IPCC zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 45 Prozent bis 2030 gegenüber dem Jahr 2010 nötig. Um zumindest noch unter einer Erderwärmung von zwei Grad Celsius zu bleiben, müsste der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen immerhin noch um 25 Prozent sinken. Davon ist man mit den derzeitigen nationalen und internationalen Klimaplänen weit entfernt.

Deshalb seien die nächsten Monate dafür entscheidend, ob bis 2050 die CO2-Emissionen auf Netto-Null reduziert werden, so die Einschätzung der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. Das Nachschärfen der Klimaschutzpläne bis 2030 sei dafür gewissermaßen der Lackmustest.

„In den bislang eingereichten Klimaplänen für 2030 spiegelt sich noch nicht die nötige Ernsthaftigkeit wider, die wir für das von vielen Staaten inzwischen verkündete Ziel der Netto-Null-Emissionen bis 2050 und das Einhalten des 1,5-Grad-Limits benötigen“, sagt Rixa Schwarz, Leiterin des Teams Internationale Klimapolitik bei Germanwatch.

Klimapläne gehen nicht weit genug

Obwohl die Klimaschutzpläne in vielen Staaten bereits nachgeschärft wurden, können sie die Emissionen gegenüber den vorherigen Klimazielen bis 2030 nur um 2,8 Prozent reduzieren. Da der Bericht immerhin 70 Prozent der weltweiten Emissionen nicht abdeckt, hat ein Großteil der Staatengemeinschaft bis Ende 2020 noch keine neuen Klimaschutzpläne fristgerecht festgelegt. Neben den USA, die ja gerade erst wieder dem Abkommen beigetreten sind, fehlen bislang Zielverschärfungen von China, Japan, Indien und Indonesien.

„Diese Staaten müssen in den kommenden Monaten ihre nachgebesserten Ziele vorlegen, wenn das 1,5-Grad-Limit nicht außer Reichweite geraten soll“, so Schwarz. „Die ambitionierten Klimapläne des neuen US-Präsidenten Joe Biden sollten für andere große Emittenten eine gute Grundlage sein, ihre Klimaziele jetzt deutlich anzuheben.“ Die verschärften Klimaziele müssten bereits mehrere Monate vor der für Anfang November 2021 geplanten UN-Klimakonferenz COP 26 in Glasgow eingereicht werden.

Enttäuscht von den Ergebnissen des UNFCCC-Syntheseberichts zeigt sich auch die Umweltorganisation Greenpeace – und sieht in den Klimaschutzplänen bereits eine Klimakatastrophe vorher. Derzeit würden die Regierungen am Pariser Klimaabkommen scheitern, kommentiert Jennifer Morgan, Geschäftsführerin von Greenpeace International, auf Anfrage von energiezukunft. Die Staaten müssten nun zusammenarbeiten und Menschen sowie Planeten den Vorrang gegenüber den Interessen fossiler Brennstoffe geben.

USA müssen Klimaschutz-Vorreiter werden

Greenpeace fordert deshalb von den USA und China die Erarbeitung von Klimastrategien, die Anlass zur Hoffnung geben. Auch Brasilien und Australien, die zuletzt besonders stark die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekommen haben, müssen nun so schnell wie möglich eine Kehrtwende ihrer Klima- und Umweltpolitik einleiten.

Bei dem Ende Februar vorgelegten „NDC Synthesis Report“ handelt es sich zunächst um eine vorläufige Version der Auswertung von Klimaschutzplänen. Aufgrund der Verschiebung der COP 26 auf November 2021 wird kurz vor dem Klimagipfel noch eine endgültige Version herausgebraucht. Darin sollen dann aktuelle Klimastrategien der Regierungen eingearbeitet werden – und hoffentlich auch endlich ambitionierte Pläne. jk

Hans Sandlaß am 04.03.2021

Da ist wohl nichts übertrieben. Leider ist dieses für die Weltbevölkerung wichtigstes Thema durch Corona absolut in den Hintergrund gedrängt.

Es ist wohl Vieles leider schon irreparabele Geschichte.

Volker Bretthauer am 04.03.2021

Wir könnten die CO2 -ziele längst erreicht haben, wenn wir seit Anfang der 90er Jahre nur noch Diesel Pkw zugelassen hätten. Die sparen gegenüber Benzinern 45% Co2 !

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