Menü öffnen

KipppunktAmazonas-Regenwald droht Savanne zu werden

Gerodetes Gebiet mit gefällten Baumstämen im Amazonas.
Illegale Rodungen haben seit dem Amtsantritt von Brasiliens amtierenden Präsidenten Jair Bolsonaro radikal zugenommen. (Foto: quapan / flickr.com, CC BY 2.0)    

Der Kipppunkt ist nah: Teile des Amazonas-Gebietes in Brasilien drohen zur Savanne zu verkommen. Fehlender Regen, Brände und Rodungen setzen dem Regenwald immer weiter zu. Ein Prozess der Jahrzehnte dauert, aber schwierig umzukehren ist.

12.10.2020 – In Regenwäldern herrscht normalerweise fast das ganze Jahr über ein humides Klima. Bei diesen klimatischen Bedingungen sind die jährlichen Niederschläge größer als die mögliche Verdunstung, bei gleichzeitig warmen Temperaturen. Hohe Luftfeuchtigkeit ist die Folge und sowie üppige Vegetation und Biodiversität. Gleichzeitig sind Regenwälder die wichtigsten Kohlenstoffspeicher unserer Erde. Das Amazonas-Gebiet wird auch als Grüne Lunge dieser Erde bezeichnet. Doch 40 Prozent des Amazonas-Regenwaldes könnten zur Savanne verkommen, warnt ein renommiertes Team von Wissenschaftlern in einer neuen Studie.

Demnach passt auf eben diesen 40 Prozent Waldfläche das Niederschlagsmuster zu savannenartigen Gegenden. Als Savannen werden Landschaften mit eher offenen Vegetationen bezeichnet. Charakteristisch dafür sind Graslandschaften mit vereinzelten Bäumen oder Baumgruppen. Während es in tropischen Regenwäldern jährlich 2.000 bis 4.000 Millimeter Niederschlag gibt, liegt der Jahresniederschlag in Savannen nur noch bei 500 bis 1.500 mm.

Warum nehmen die Niederschläge ab?

Normalerweise produzieren Regenwälder ihre eigenen Niederschläge. Im Laufe des Tages erhitzt sich der Regenwald, Feuchte Böden und Wasser auf Blättern transpirieren – werden zu Wasserdampf – und feucht warme Luft steigt auf, die sich am Himmel zunehmend zu Wolken zusammenballt. Zum Abend hin regnen diese Wolken dann wieder aus. Ein fortwährender Kreislauf.

Doch Brände und Rodungen nehmen weiter zu. Schon letztes Jahr gab es über 72.000 Brände im Amazonas-Gebiet. In diesem Jahr nahmen die Feuerhotspots noch einmal um 60 Prozent zu. Wo Regenwald niedergebrannt ist, wird der Regen-Kreislauf unterbrochen. Dabei wirken sich Brände und Rodungen an vielen Orten auf ganze Regionen aus.

Arie Staal von der Utrecht University und Hauptautor der Studie zeigt sich besorgt. „Trockenere Konditionen machen es für die Wälder schwieriger sich zu erholen“, so Staal gegenüber dem Guardian. Neben vielen anderen Faktoren, sorgen auch die verheerenden Brände im Amazonas-Gebiet für steigende CO2-Emissionen, was zu höheren Temperaturen und Dürreperioden führt.

Die Forscher ermittelten, dass die steigenden Emissionswerte die Erholung der Wälder zusätzlich erschweren. Ingo Fetzer vom Stockholm Resilience Centre und Co-Autor ergänzt: „Wir verstehen nun, dass Regenwälder auf allen Kontinenten sehr sensitiv auf globale Veränderungen reagieren und ihre Adaptionsfähigkeiten rapide verlieren.

Brandbeschleuniger Bolsonaro

Das Teile des Amazonas-Regenwaldes unwiederbringlich zerstört seien könnten scheint Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro jedoch nicht zu kümmern. Erst Anfang September bezeichnete er Umweltschutzorganisationen als „Krebs“, die potenzielle Investoren dazu aufrufen ihr Engagement in Brasilien von einer Verpflichtung des Staates zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes abhängig zu machen. Für den Klimaleugner Bolsonaro ist das Amazonas-Gebiet lediglich ein wirtschaftlicher Faktor und öffnet das Land immer weiter für Landwirtschaft und Bergbau.

Dafür streicht er Mittel im Kampf gegen illegale Rodungen im Regenwald. Gleichzeitig öffnet er ehemalige Schutzgebiete für die wirtschaftliche Vereinnahmung. Darüber hinaus will er illegale Abholzung und unrechtmäßige Besetzung von öffentlichem Land nachträglich legalisieren. Dabei würde das geplante Freihandelsabkommen Mercosur, zwischen Europa, Brasilien und weiteren südamerikanischen Ländern, Bolsonaras Wirtschaftspolitik den Rücken stärken.

Als „Brandbeschleuniger, der die Zerstörung des Regenwaldes weiter vorantreibt“, bezeichnete etwa Martin Kaiser von Greenpeace den Handelsdeal. Die EU müsse sich stattdessen für eine sozial-ökologische Neuausrichtung von Handelsabkommen einsetzen, so Kaiser. Damit könnte der Druck auf Bolsonaro zur Rettung des Regenwaldes erhöht werden. mf


Mehr zum Thema


Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

(wird nicht veröffentlicht)
max 2.000 Zeichen



energiezukunft