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30 Jahre Tschernobyl: Die Gefahr besteht weiter

Chernobylreaktor
(Foto: Carl Montgomery, CC BY 2.0 via Wikimedia Commons)

Inzwischen sind seit der Atomkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl 30 Jahre vergangen und noch immer geht von dem havarierten Reaktor eine große Gefahr aus. Die Bewältigung der Folgen könnte hunderte von Jahren dauern, wenn sie überhaupt gelingt.

14.04.2016 – Auch Jahrzehnte nach der Katastrophe ist der Boden in den betroffenen Gebieten der Ukraine, Weißrussland und Russland radioaktiv verseucht. Trotzdem leben dort rund fünf Millionen Menschen, ergab nun ein durch Greenpeace beauftragter Statusreport der Physikerin Oda Becker. Damals explodierte aufgrund eines Bedienfehlers der Reaktor 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl, wodurch weite Teile Europas durch die enorme radioaktive Freisetzung verseucht wurden. Tausende Menschen starben, hunderte Millionen leiden immer noch an den Spätfolgen. Frühestens Ende 2017 soll die neue Schutzhülle der Atomruine fertiggestellt werden. Sie wird dann dreimal so groß wie die Hamburger Bahnhofshalle sein. Die Kosten dafür liegen bei etwa 2,15 Milliarden Euro.

„Die Tschernobyl-Katastrophe zu bewältigen, ist Sisyphos-Arbeit. Sie muss geleistet werden, aber sie wird Hunderte von Jahren dauern – falls sie überhaupt jemals gelingt“, sagt Tobias Münchmeyer, Atom-Experte von Greenpeace. „Derzeit existiert weder die erforderliche Technik noch ist die Finanzierung gesichert. Die internationale Staatengemeinschaft trägt eine große Verantwortung“, mahnt Münchmeyer.

Kann es eine langfristige Lösung geben?

Es wird geschätzt, dass unter der alten Schutzhülle 440.000 Kubikmeter langlebige Atomabfälle liegen – fünfzehnmal so viel wie die gesamten radioaktiven Abfälle deutscher Atomkraftwerke. Noch ist völlig unklar, wie diese geborgen werden können und wer dafür die Kosten übernimmt. In dem durch Greenpeace beauftragten Report wird deutlich, dass zurzeit gar nicht erst an einer langfristigen Lösung gearbeitet wird. Ein Pilotprojekt für die Bergung der Atomabfälle wurde inzwischen wieder eingestellt. Es wird daher befürchtet, dass die Ukraine mit dem Problem alleine gelassen werden könnte. Der havarierte Reaktor ist weit von der Überführung in ein ökologisch sicheres System entfernt. Die Langzeitschäden auf die betroffenen Ökosysteme sind zwar noch nicht ausreichend geklärt, sie werden aber für viele Jahrhunderte verheerend sein. jk

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