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Zerstörung von RegenwaldBanken in Südostasien befeuern die Klimakrise

Bild eines Hügels, auf dem noch zwei Bäume stehen. Zu erkennen ist ansonsten verbrannte Erde, wo einstmals ein dichter Regenwald stand.
Hier stand einst dichter Regenwald. Doch für Palmöl und kurzfristigen Profit rodeten die Menschen den Wald. (Foto: T. R. Shankar Raman / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Investitionen vieler südostasiatischer Banken tragen zur Rodung von Regenwald bei, wie eine Analyse des WWF zeigt. Statt Indikatoren nachhaltigen Handelns zu erfüllen, finanzieren Banken Kunden wie die Palmölindustrie. Besserung ist aber in Sicht.

23.08.2019 – Im Verband Südostasiatischer Nationen, kurz ASEAN, befinden sich von Myanmar bis Indonesien 2,4 Millionen Quadratkilometer Regenwald, das sind 18 Prozent aller tropischen Regenwaldregionen weltweit. Doch wie im brasilianischen Amazonasgebiet sind diese Regionen stark gefährdet. Vor allem für Palmöl, aber auch für Holz, Papier und die Landwirtschaft roden Unternehmen im großen Stil Tausende Hektar Wald im Jahr. Und diese Unternehmen sind zumeist Kunden der 35 größten Banken in den ASEAN-Staaten. Banken, die über Kredite und Investitionen eine Mitschuld an der Zerstörung von Regenwald tragen.

Dabei legen sich einige Banken in Vietnam, Singapur, Indonesien, Malaysia, Kambodscha, Thailand und den Philippinen inzwischen Nachhaltigkeitsprinzipien bei Finanzierungen auf. Doch auch die meisten dieser Banken erfüllten die Nachhaltigkeitskriterien des World Wide Fund For Nature (WWF) nicht, wie die Naturschutzorganisation in einer Analyse ermittelt hat.

Die Kriterien beruhen dabei auf Regularien der Europäischen Kommission, den sogenannten ESGs, den environmental, social and governance risks. Darin geht es vor allem darum, wie die Finanzwirtschaft ihren Beitrag zu mehr nachhaltigem Wirtschaften leisten kann. Soziale und ökologische Risiken für Mensch und Natur sollen mit neuen nachhaltigen Investitionen möglichst nicht entstehen.

Es mangelt an konkretem Fortschritt

Und laut WWF ist es für die meisten Banken in Südostasien noch ein weiter Weg, diese Kriterien zu erfüllen. Darauf weist auch Jonas Aechtner, Projektmanager Sustainable Finance beim WWF hin. „Der Finanzsektor ist einer der wichtigsten Akteure, um eine nachhaltige Rohstoffproduktion zu steuern. Banken fangen an, diese wichtige Steuerungsrolle zu erkennen, die Bankenbewertung zeigt jedoch, dass es noch an konkretem Fortschritt mangelt“, so Aechtner.

Denn die Analyse zeigt, dass aktuell nur vier Banken mindestens die Hälfte der 70 Indikatoren nachhaltigen Handelns erfüllt, die der WWF auf Grundlage der ESGs untersucht hat. Diese Banken stammen alle aus Singapur und Thailand. 18 Banken hingegen erfüllen weniger als ein Viertel der Kriterien. Besonders eklatant: Nur neun Prozent der Banken besitzen überhaupt eine Richtlinie zur Abholzung von Regenwäldern.

Auch bei Kohle und Wasser besteht großer Nachholbedarf

Und nicht nur bei der Zerstörung der Regenwälder tut sich in der Finanzwirtschaft Südostasiens zu wenig, auch Bei Kohle- und Wasserrisiken besteht großer Nachholbedarf. Ebenfalls nur neun Prozent haben demnach explizite Leitlinien gegen die Finanzierung neuer Kohlekraftwerke und nur sechs Banken erkennen überhaupt Risiken an, die durch wasserbedingte Katastrophen in Folge der Klimakrise entstehen.

Gleichzeitig stimmt zumindest die Entwicklung positiv. Immerhin 26 Banken haben sich im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert. Vor allem singapurische Banken seien hier Vorreiter, so der WWF, da sie sich zu strengeren Vorgaben hinsichtlich der Entwaldung verpflichteten und inzwischen die Finanzierung von Kohlekraftwerken ausschließen. Besonders negativ hingegen zeigt sich die Entwicklung auf den Philippinen und in Vietnam. Dabei zeigte sich die State Bank of Vietnam noch im März 2015 als Vorreiter, mit einer Direktive und dem Versprechen „Grüne Kredite“ zu fördern. Bislang blieb es jedoch bei einem Versprechen. mf