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Zu hohe SulfatbelastungBraunkohleabbau verseucht weiter die Spree

Bild der alten Spree, gesäumt von kleinen Häusern mit Bootsanlegestelle.
Idyllisch und sauber wirkt die Spree. Doch die Sulfatbelastung steigt bedenklich. (Bild von Thomas Wolter auf Pixabay)

Giftiges Sulfat aus den Braunkohletagebauen der Lausitz gefährdet die Lebensader Berlin und Brandenburgs: die Spree. Wie in den letzten Jahren werden die Grenzwerte zu häufig überschritten. Für die Trinkwasserversorgung ist das ein Problem.

28.08.2020 – Noch zwei Tage, dann ist das Brandenburger Landesbergamt in der Pflicht Maßnahmen zu ergreifen. Denn wenn der Sulfatwert an einer Messstation der Spree an mehr als 37 Tagen im Jahr den kritischen Wert von 280 Milligramm Sulfat pro Liter überschreitet, greift der sogenannte Sulfatbewirtschaftungsunterlass, wonach Maßnahmen zur Sicherung der Trinkwasserversorgung geleistet werden müssen.

Gemessen wurde die Grenzüberschreitung an bislang 35 Tagen am Pegel-Neubrück an der Spree unweit von Frankfurt (Oder). Durch eine übermäßige Sulfatbelastung ist die Trinkwasserversorgung  in Gefahr. Eine zu hohe Sulfatbelastung führt beim Menschen zu starkem Durchfall. Laut Experten wird es für Erwachsene ab 1.200 Milligramm pro Liter (mg/l) kritisch, bei Säuglingen bereits bei über 500 mg/l oder über 66 Milligramm pro Kilogramm und Tag. Auch auf Fische und Algen hat eine zu hohe Sulfatbelastung negative Auswirkungen.

Es wirkt etwas eigenartig, wenn die Brandenburger Landesregierung genau zu einem Zeitpunkt Messfehler feststellt, wenn die Werte überschritten sind

Und die zulässigen 37 Tage für eine Grenzwertüberschreitung könnten sogar schon überschritten sein. Nach einer Überprüfung des Landesamtes für Umwelt teilte das Brandenburger Umweltministerium mit, dass die Sulfatwerte im ersten Quartal 2020 überschätzt wurden. René Schuster, Braunkohleexperte der Umweltorganisation Grüne Liga, sagte dazu auf Anfrage der energiezukunft: „Es wirkt etwas eigenartig, wenn die Brandenburger Landesregierung genau zu einem Zeitpunkt Messfehler feststellt, wenn die Werte überschritten sind.“

Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel habe gegenüber der Grünen Liga jedoch persönlich zugesichert eine Vor Ort Begehung in Neubrück durchzuführen und das Verfahren zu erläutern. „Grundsätzlich ändert die Neujustierung der Messwerte aber nichts an dem Problem“, so Schuster. Sulfat bleibe ein Problem für die Trinkwasserversorgung.

In der Pflicht Maßnahmen zu ergreifen ist indes das Landesbergamt, da diese den Braunkohleabbau beaufsichtigt. Einer Studie des bundeseigenen Bergbausanierers LMBV zufolge stammen etwa 64 Prozent des Sulfats aus aktiven Braunkohletagebauen und 36 Prozent aus alten DDR-Tagebauen. Zur Gewinnung der Braunkohle in Tagebauen muss der Grundwasserspiegel abgesenkt werden. Die in den Bodenschichten enthaltenen Verbindungen Eisen und Schwefel reagieren bei der Absenkung mit Luft – es entsteht Sulfat, der mit dem restlichen Braunkohleabwasser abgeleitet wird.

Das Abwasser wird zuerst in Rückhaltebecken gesammelt und dann, mit sauberem Flusswasser vermischt, in Gewässer abgeleitet. Doch dies wird immer schwieriger wie Schuster warnt: „Die Strategie der Vermischung mit unbelastetem Wasser scheint in Zeiten der Klimakrise und langer Trockenperioden nicht aufzugehen.“ Auflagen zur Sulfatreduzierung des Abwassers aus den Tagebauen hingegen werden dem zuständigen Betreiber LEAG bislang nicht gemacht.

Das ist keine Situation, in der man die Hände in den Schoss legen darf

Die Grünen in Frankfurt (Oder) zeigen sich ebenfalls besorgt: „Das ist keine Situation, in der man die Hände in den Schoss legen darf. Ich erwarte zeitnah Lösungsvorschläge vom zuständigen Landesbergamt“, so ihre Sprecherin Alena Karaschinsk. Derweil ist auch Berlins Trinkwasserversorgung durch eine sulfatbelastete Spree gefährdet. Rund die Hälfte der Berliner Haushalte bezieht ihr Trinkwasser aus Brunnen, die mit dem Spreewasser verbunden sind. Die Spree durchfließt südöstlich von Berlin den Müggelsee. Dort liegt die Sulfatkonzentration seit Jahren beständig über 250 mg/l.

Bislang gibt es kein praxistaugliches Verfahren Sulfat aus dem Wasser zu entfernen. Wasser mit hohem Sulfatanteil wird entsprechend mit weniger belastetem Wasser gemischt. Doch davon gibt es, ebenfalls in Folge von Dürreperioden, immer weniger. Aufwendigere Verfahren zur Reinigung des Wassers werden nötig. Das würde das Trinkwasser für die Berliner teurer machen. Der BUND Berlin fordert, „die Verteuerung des Trinkwassers konsequent den Verursachern Rechnung zu stellen“ – in diesem Fall der LEAG. mf


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