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Autobahn statt NaturDannenröder Wald droht Rodung

Bild von Klimaaktivisten im Dannenröder Wald
Ca. 100 Aktivisten campieren seit einem Jahr im Dannenröder Wald, um ihn vor der drohenden Vernichtung zu schützen. (Bild: Wald statt Asphalt)

Die Vorbereitungen zur Rodung des Dannenröder Waldes in Hessen haben begonnen, die Polizei räumt bereits Barrikaden von Aktivisten. Weichen soll der Wald einer Autobahn. Umweltschützer fordern ein Moratorium und eine echte Verkehrswende.

17.09.2020 – Für viele stellt der Dannenröder Wald ein Musterbeispiel an nachhaltiger Forstwirtschaft dar, bei dem die Nutzung von Ressourcen die Stabilität und natürliche Regenerationsfähigkeit des Waldes bewahrt. Ein Teil des Waldes ist Wasserschutzgebiet, der unter anderem die Stadt Frankfurt am Main mit Trinkwasser versorgt. Doch genau durch dieses Schutzgebiet soll der letzte Teilabschnitt der Autobahn A49 verlaufen. Bereits letztes Jahr besetzten Aktivisten in Baumhäusern den Dannenröder Wald, um gegen die drohende Rodung vorzugehen. Mit Erfolg. Der Weiterbau der A49 wurde ausgesetzt.

Doch nun ist der Wald erneut bedroht. Polizisten räumten am gestrigen Mittwoch von den Aktivisten aufgestellte Barrikaden. Erinnerungen an die Räumung des Hambacher Forsts 2018 werden wach. Nach der Räumung von Barrikaden fuhr die Polizei mit Spezialeinsatzkräften in den Wald, um die Baumhäuser abzureißen und deren Bewohner festzunehmen. Das droht auch im Dannenröder Wald. Ab Oktober beginnt in Deutschland die Rodungssaison, in der prinzipiell Wälder für andere Zwecke gerodet werden dürfen. Ob der Wald rechtlich für die Autobahn gerodet werden darf, ist Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen.

Im Juni wurde eine Klage des Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Hessen vor dem Bundesverwaltungsgericht abgewiesen. Nach Meinung des BUND Hessen missachten die Planungen für die Autobahn die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union. die Richtlinie einen europäischen Rahmen für den Schutz und Bewirtschaftung von Wasser fest. Oberflächengewässer und Grundwasser müssen demnach geschützt und eine Verschlechterung unbedingt verhindert werden. Zwar bestätigte das Bundesverwaltungsgericht die Missachtung der Wasserrahmenrichtlinie bei der Planung der Autobahn, doch dass der Plan von den Behörden 2012 genehmigt wurde, wertete das Gericht höher.

Baurecht ist keine Baupflicht

Doch Baurecht sei keine Baupflicht, sagte der Landesvorsitzende des BUND Hessen Jörg Nitsch bei einer gestrigen Pressekonferenz am Rande des Dannenröder Wald. Nitsch machte darauf aufmerksam, dass die Hauptverantwortung für den Autobahnbau bei der Bundesregierung liege. Im kommenden Jahr will die Bundesregierung ihren Bundesverkehrswegeplan 2030 überarbeiten. Klimaschutz und Mobilitätswende müssten darin stärker als bislang Beachtung finden, fordert der BUND. Bis dahin müsse es ein Moratorium für alle in Planung und Bau befindlichen Autobahnen in Deutschland geben, auch für den Weiterbau der A49.

Vor allem im Angesicht des grassierenden Waldsterbens in Deutschland wirkt die geplante Rodung des Dannenröder Waldes aus der Zeit gefallen. 300 Jahre alt, handelt es sich um einen gesunden Laub- und Mischwald, der in Deutschland in Zeiten des Klimawandels als zukunftsfähig gilt. Ganz im Gegensatz zu Monokulturen aus Fichtenwäldern, die Reihenweise absterben. Umso wichtiger sei es noch gesunde Laubwälder konsequent zu schützen, sagte Nitsch und fügte hinzu: „Wer in Zeiten von Klimakrise und Artensterben noch meint, Wälder für Straßen roden zu müssen, hat den Ernst der Lage nicht erkannt.“ Dabei will die Bundesregierung in den kommenden Jahren knapp 800 Millionen Euro für Schutz und Wiederaufforstung von Wäldern ausgeben. Der Dannenröder Wald gehört bislang nicht dazu.

Im Zuge der gestrigen Räumung teilte die Polizei mit, dass es darum gehe Zufahrts- und Rettungswege zu räumen, die unter anderem für dringend anstehende Arbeiten an einem Schacht für Trinkwasserversorgung nötig seien. Es würden keine Baumhäuser geräumt und auch nicht gerodet. Zumindest nicht am gestrigen Mittwoch. Das hessische Verkehrsministerium erklärte aber bereits im Juni, in Folge des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts, dass noch in diesem Jahr der Bau der A49 fortgesetzt werde und dafür Rodungen im Wald erforderlich seien. Der Zuständige Minister Tarek Al-Wazir von den Grünen verwies  gestern gegenüber dem Hessischen Rundfunk darauf, dass es sich um ein Bundesprojekt handle und er als Landesminister nichts ändern könne. Jörg Nitsch vom BUND erhofft sich jedoch, dass die hessische Landesregierung nun Druck auf die Bundesregierung ausübt, das Projekt noch zu stoppen. mf


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