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Hambacher Forst

Der Forst ist ein Wald

Grünes Blätterdach vieler Bäume.
In den Sommermonaten wartet der Hambacher Wald mit einem dichten Blätterdach auf. (Foto: Kimba Reimer / flickr.com, CC BY 2.0)

Der Name Hambacher Forst ist in aller Munde, doch der Begriff Forst suggeriert einen bewirtschafteten Wald. Eine unzureichende Bezeichnung für das rheinländische Biotop. Umweltschutzorganisationen plädieren daher für den Begriff Hambacher Wald.

22.09.2018 – Mit dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren wuchs in der Jülicher Börde ein Wald von mehr als 4.000 Hektar Größe heran. Ursprünglich als Bürgewald oder die Bürge bezeichnet, ist durch den fortschreitenden Braunkohleabbau im Hambacher Tagebau der Wald auf ca. 400 - 600 Hektar geschrumpft. In den Medien bekannt als Hambacher Forst, beheimatet der Wald neben den Klimaaktivisten auch eine vielfältige Flora und Fauna. Der Begriff Forst ist daher eine unzureichende Bezeichnung für das dortige Ökosystem.

Bei einem Forst handelt es sich per Begriffsdefinition um einen bewirtschafteten Wald, der das planmäßige Handeln des wirtschaftenden Menschen im Wald zur Folge hat. Doch dies klingt eher nach den Zielen RWEs für dieses Gebiet und nicht nach den Forderungen der Klimaaktivisten und Umweltschutzorganisationen.

Der Wald besitzt einen großen Artenreichtum

Laut dem BUND NRW und seinem Geschäftsleiter Dirk Jansen handelt es sich bei dem Waldstück um ein schützenswertes Biotop, der nie kahlschlagartig bewirtschaftet wurde. Das gibt es in anderen Wäldern nicht in diesem Maße.„Das führt dazu, dass wir, anders als in vielen anderen Waldgesellschaften, dort einen unheimlichen Artenreichtum haben“, sagt Jansen. So leben in dem Wald über 1.600 Käferarten. „Das gibt es in anderen Wäldern nicht in diesem Maße“, erklärt er.

Auch das große Fledermausvorkommen, mit der seltenen Bechstein-Fledermaus und die Baummischung aus Eichen, Buchen und Hainbuchen machen den Wald einzigartig in Europa, weswegen die Restflächen des Hambacher Waldes, nach Ansicht des BUND NRW, zwingend zu einem europäischen Naturschutzgebiet erklärt werden müssen. Vor Gericht kämpft die Umweltschutzorganisation aktuell für eine entsprechende Nachmeldung des Gebietes nach Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie.

Auch die Klimaaktivisten machen sich Sorgen um das Ökosystem des Waldes, und ihnen ist bewusst, dass ihr Aufenthalt diesen negativ beeinflusst. Dem Wald geht es hundertprozentig besser, wenn ich nicht da bin.„Dem Wald geht es hundertprozentig besser, wenn ich nicht da bin“, sagt Daim, einer der Aktivisten. „Wenn RWE jetzt sagen würde, wir stoppen das Ganze und hören auf weiter Braunkohle zu fördern, dann würde ich sofort alles abbauen, was ich hier gebaut habe und den Wald verlassen.“ Doch ohne die Aktivisten in ihren Baumhäusern würde das schützenswerte Biotop mit Sicherheit nicht mehr existieren.

Sprache ergibt sich aus der eigenen Denke

Für dessen Zerstörung sorgt seit 1978 RWE. Und es war der Braunkohlekonzern, der den Begriff „Hambacher Forst“ in die breite Öffentlichkeit trug. Vereinzelten Kartierungen entnommen, sprachen die RWE-Verantwortlichen nach der bergbaulichen Erschließung des Gebietes fortan von einem Forst. Diese Bezeichnung könnte strategische Bedeutung haben. Elisabeth Wehling, promovierte Linguistin, erklärt dazu in der Leipziger Volkszeitung: Wenn ich Natur als Ressource sehe, sage ich eher einmal „Forst“ als „Wald“.„Wenn ich Natur als Ressource sehe, sage ich eher einmal „Forst“ als „Wald“.“ Weiter führt sie aus: „Einerseits kann es Strategie sein. Andererseits ergibt sich Sprache aus der eigenen Denke: Natur erhalten oder Geld verdienen.“

Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen hingegen wollen die Natur erhalten. Daher nutzen Greenpeace, Campact, BUND und Co. konsequent den Begriff Hambacher Wald. „Es geht hier nicht darum eine Baumplantage für die Braunkohle zu fällen, sondern hier geht es um ein seltenes, wichtiges und einzigartiges Ökosystem“, so Dirk Jansen. Die meisten, die ein bisschen was von Ökologie verstehen, würden, so Jansen, auch inzwischen den Begriff übernehmen. So fragte Maybrit Illner in ihrer Sendung Anton Hofreiter nach seiner Einschätzung zum Hambacher Forst. Dieser stellte erst einmal klar: „Es wird hier ein alter Wald abgerodet, kein Forst.“ mf


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Kommentare

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Anett Müller 25.09.2018, 08:00:36

Super Sache und Einsatz für den Wald, Danke! Allerdings kurze Frage noch zu den Baumhausbesetzern, welche bestimmt Ihren Teil mit dazu beigetragen haben allerdings aufgrund der Sicherheit eine Räumung unabdingbar war und die Art und Weise der Kampfansage leider etwas ausgeufert ist, weil es ja eher um die Interessenvertretung der Antifa ging als um den Wald hatte ich das Gefühl und rein vom gesunden Ansatz her, um den Wald und den Zusammenschluss aller , welche sich für den Wald stark Macher ging. Erstens haben die sich instrumentalisieren lassen und das ganze hatte leider einen eher negativen Einfluss auf die Bewegung, da zu viel Gewaldbereitschaft aus dieser Bewegung hervortrat anstatt in die Kommunikation zu gehen bzw. Zu verhandeln, einzusehen, dass die Baumhäuseer Sicherheitsgefährdet sind und um noch schlimmeres , als wie es schon war dadurch verursacht wurde, vermieden werden musste! Ich finde, der Verunglückte Reporter hätte hier eher erwähnt werden müssen, weil er sich ja sehr für die Baumhausbewohner interessiert hat, Wie gesagt, das ganze zu sehr in die Antifa Richtung abgetriftet und durch veraltete Dogmen zum Stillstand und Respektlosigkeit gekommen. Hier hätten Sozialarbeiter oder Streetworker zum Einsatz kommen müssen, um mit dieser Bewegung einen gewaltlosen Konsenz zu finden.


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