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Nitratbelastung im GrundwasserEuGH verurteilt Deutschland wegen hoher Nitratwerte

Das stinkt doch zum Himmel: In Deutschland wird weiterhin übermäßig mit Gülle gedüngt, die Nitratwerte im Grundwasser sind bedenklich hoch. Dafür wurde Deutschland nun vom Europäischen Gerichtshof verklagt. Agrarlobby und Bundesregierung mauern. (Foto: PixabayCC0 Creative Commons)

Deutschland ist vom Europäischen Gerichtshof wegen extremer Nitratbelastung im Grundwasser verurteilt worden. Trotz Mahnungen hat die Bundesregierung nicht angemessen reagiert. Zu hohen Nitratwerten trägt v. a. das Düngen in der Landwirtschaft bei.

22.06.2018 – Nun ist es so weit gekommen:Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg (EuGH) hat Deutschland verurteilt, denn die Bundesregierung hat – trotz mehrmaliger Aufforderung – keine wirksamen Maßnahmen gegen die massive Nitratbelastung im Grundwasser unternommen. Im Urteil des EuGH heißt es, die Bundesrepublik habe mit ihrem Versäumnis gegen die europäische Nitratrichtlinie verstoßen. Es hätten verstärkte Maßnahmen getroffen werden müssen, um die Gewässer zu schützen. Die EU-Kommission hatte die Klage 2016 erhoben.

Für die hohe Nitratbelastung im Grundwasser wird vor allem das intensive Düngen mit Gülle in der konventionellen Landwirtschaft verantwortlich gemacht. In Deutschland gilt seit 2017 ein neues Düngerecht – dieses war nicht Gegenstand der Klage: Ob dieses den Anforderungen des EU-Rechts entspricht, hat der EuGH in seinem Urteil denn auch nicht entschieden. Es wurde leidglich festgestellt, dass die Bundesregierung auch dann nicht nachjustiert hätte als klar wurde, dass das Dünge-Aktionsprogramm offensichtlich nicht ausreiche.

Weniger Mist auf den Acker!

Seit langem fordern Umweltverbände eine wirksame Änderung der Düngeverordnung, konnten sich bislang jedoch nicht gegen die Agrarlobby und das Landwirtschaftsministerium durchsetzen. Quantitativ gesehen liegt Deutschland mit seinen Nitrat-Werten europaweit gesehen mit an der unrühmlichen Spitze. Im Nitratbericht von 2016 gab die Bundesregierung bekannt, dass über 25 Prozent der deutschen Grundwasser-Messstellen der EU-Grenzwert von 50 Milligramm je Liter nicht eingehalten werde. Grenzüberschreitungen der Nitratwerte treten in Deutschland v.a. in Gegenden auf, in denen intensive Landwirtschaft mit Massentierhaltung betrieben wird.

Es kann teuer werden

Das Umweltbundesamt beschwichtigt zwar immer wieder, dass durch die hohe Nitratbelastung des Grundwassers die Qualität des Trinkwassers nicht beeinträchtigt wäre, stellt dabei aber auch klar, dass Zahlen nur deshalb noch im Rahmen seien, weil die lokalen Wasserversorger stark belastetes Grundwasser vor der Einspeisung in das Trinkwassernetz mit Rohwasser vermischten: Ein hoher technischer Aufwand, mit dem die Kosten für Trinkwasser in Zukunft steigen werden, wenn sich am Nitratgehalt im Grundwasser nichts ändert. Nitrat gefährdet auch das ökologische Gleichgewicht in Gewässern, führt zu starkem Algenwachstum, der Sauerstoffgehalt im Wasser sinkt und die Gewässer können „kippen“, das schadet Flora und Fauna.

Deutschland muss nun die Kosten des Verfahrens tragen. Die EU-Kommission kann in einem weiteren Schritt Strafzahlungen erstreiten. Der Hebel, den die Bundesregierung endlich ansetzen muss, liegt in der Düngeverordnung – hier müssten die belohnt werden, die so wenig wie möglich oder gar keinen nitrathaltigen Dünger verwenden – das fordern seit langem Bio-Landwirte. Auch der Verbraucher sollte daran interessiert sein – in Hinblick auf Trinkwasser, Gesundheit und eine intakte Umwelt. na


Kommentare

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Florian 23.06.2018, 11:25:13

+115 Gut Antworten

Im SWR2 Radio kam ein guter Beitrag zum Thema. Einerseits gibt es in Deutschland einen Gülleüberschuss, besonders in Landkreisen mit viel Massentierhaltung. Andererseits wird in großen Mengen zusätzlich zur Gülle mineralisch oder synthetisch hergestellter Dünger ausgebracht so das im allgemeinen mehr Stickstoff ausgebracht wird als die Pflanzen verwerten können. Der überschüssige Stickstoff landet im Grundwasser als Nitrat. Laut dem Radio Bericht werden rund 5% der weltweiten Erdgasföderung genutzt um Stickstoff Dünger herzustellen. Bei mineralischen Düngern die vor allem in Nordafrika abgebaut werden gibt es Probleme mit der Endlichkeit der Lagerstätten und mit Verunreinigungen durch andere Mineralien. Zum Beispiel gab es in vielen Gegenden mit intensiver Landwirtschaft Uran Verunreinigungen im Grundwasser, das Uran wurde beim Abbau des Düngers mit klein gemahlen und aus Kostengründen nicht separiert, so gelangte dieses in Dünger, Boden und Grundwasser. Was tun? Weniger oder besser kein Fleisch aus Massentierhaltung essen, lokal und möglichst Bio einkaufen kann der Verbraucher tun. Die Politik scheint unter der aktuellen Ministerin nicht besonders interessiert zu sein mehr als das nötigste zu tun. Strengere Vorschriften zur Ausbringung von Gülle wären hilfreich: größere Betriebe sollten keine unbehandelte Gülle ausbringen dürfen, entweder vorvergären in Biogas Anlagen oder mit Hilfe effektiver Mikroorganismen die man in die Gülle rührt (machen eine Käserei und deren Lieferanten in den Alpen). Feste Gärreste mit Überschusswäreme von Biogas Anlagen trocknen und als Ersatz für Mineraldünger verkaufen (machen einzelne Landwirte in der Stuttgarter Gegend schon). Subventionen für Massentierhaltung runter, weniger und dezentralere Tierhaltung, mehr ökologischer Landbau würden der Natur den Tieren und Menschen helfen. Mehr Anreize nicht nur Mais sondern mehr Gülle und Reststoffe in Biogas Anlagen zu vergären. Ich hoffe die Öffentlichkeit und die Regierung wachen nun auf!


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