Menü öffnen

Ernährung

Fleisch und Milchprodukte sind die größten Klimakiller

Viele Kühe stehen nebeneinander aufgereit an einem langen Futtertrog.
Eingepfercht, an langen Futtertrögen aufgereiht, nehmen Kühe Nahrung zu sich, um wiederum Nahrung für den Menschen zu produzieren. (Foto: Jeff Vanuga / USDA Natural Resources Conservation Service, Public Domain)

Der Verzehr tierischer Produkte hat den größten Einfluss auf unseren ökologischen Fußabdruck und nimmt weltweit riesige Agrarflächen in Anspruch. Dabei liefern deren Nährstoffe nur einen vergleichsweise geringen Anteil der benötigten Kalorien.

17.07.2018 – Mit dem Verzehr von Fleisch und Milchprodukten nimmt der Mensch im Durchschnitt nur 18 Prozent aller benötigten Kalorien auf. Deren Produktion jedoch nimmt 83 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Anspruch. Diese Diskrepanz zeigt eine Studie der Oxford University auf, deren Autoren 38.700 Agrarbetriebe in 119 Ländern weltweit analysierten, sowie 40 Produkte, die 90 Prozent unseres Kalorien- und Proteinkonsums ausmachen. Der gesamte Prozess – von der Produktion bis zum Verzehr – war dabei Teil der Analyse.

Und die Forscher der Oxford University belegen, dass die überwiegend auf Massenproduktion angelegte Landwirtschaft für Fleisch und Milchprodukte, die Flächen ganzer Staaten einnimmt, um die Weltbevölkerung mit vergleichsweise nährstoffarmen Produkten zu ernähren. Die Autoren der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass der Wegfall dieser energie- und ressourcenintensiven Landwirtschaft 75 Prozent der weltweiten Ackerflächen freimachen würde. Dies entspricht einer Fläche von Europa, den USA, China und Australien zusammen.

Die Weltbevölkerung muss nicht gleich vegan leben

Laut den Forschern könnte jedoch schon viel erreicht werden, ohne dass die Weltbevölkerung gleich vegan leben müsste. „Die großen Unterschiede beim Umwelteinfluss verschiedener Farmen zeigen die vielen Möglichkeiten den Schaden zu reduzieren“, sagt Joseph Poore, Leiter der Studie, gegenüber dem Guardian. So seien Rinder – auf gerodeten Flächen gezüchtet – für 12 Mal mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich, als solche die auf natürlichen Weiden grasen. Auch benötigen Rinder auf abgeholzten Flächen 50 Mal mehr Land.

Die Umwandlung von Gras hin zu Fleisch, ist wie die Verarbeitung von Kohle zu EnergieDoch selbst ein auf der Naturweide grasendes Rind, mit dem geringsten Einfluss auf den ökologischen Fußabdruck, verursacht der Studie folgend 6 Mal mehr Treibhausgase und 36 Mal mehr Land, als besonders landwirtschaftsintensives und industriell produziertes Gemüse und Getreide. „Die Umwandlung von Gras hin zu Fleisch, ist wie die Verarbeitung von Kohle zu Energie – es geht mit immensen Emissionskosten einher“, so Poore.

Emissionslabel und höhere Steuern gefordert

Mit Erstaunen stellten die Autoren der Studie fest, dass auch viele der bislang für umweltfreundlich gehaltenen Fischfarmen einen erheblichen Teil, zu den von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen beitragen. „Du hast all diese Fische, die ihre Exkremente und nicht konsumiertes Essen am Meeresgrund ablagern, wo kaum Sauerstoff vorhanden ist, was es zu einem perfekten Platz zur Produktion von klimaschädlichem Methan macht“, erklärt Poore.

Insgesamt zeigt die Studie, dass die gesamte Lebensmittelversorgungskette 13,7 Milliarden Tonnen CO2 kreiert, was 26 Prozent der vom Menschen verursachten Treibhausgase entspricht. Um diese Zahlen einzudämmen, fordert Joseph Poore unter anderem ein Label, dass den verursachten Emissions-Schaden des jeweiligen Produkts anzeigt, damit die Menschen nach Möglichkeit die umweltfreundlichere Alternative wählen. Auch höhere Steuern auf Fleisch und Milchprodukte stellt Poore zur Debatte. mf


Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Antonietta 19.07.2018, 07:05:07

Die Tierhaltung, und damit der Konsum tierischer Produkte, ist einer der Hauptverursacher für die größten Probleme unserer Zeit: vom Klimawandel über die Rodung der Wälder, bis hin zur Ressourcenverschwendung und Trinkwasserproblematik. Wenn Ihnen etwas an unserem Planeten liegt, leben Sie vegan.

Christiane Kirst 20.07.2018, 09:43:24

Leider wird der Konsum von Tierprodukten selbst von den öffentlich-rechtlichen Sendern auch noch befeuert, ganz zu schweigen von Wirtschaft und Politik. Dabei ist die Produktion tierischer Produkte auch verantwortlich für die Zerstörung der Biosphäre, der Artenvielfalt, verantwortlich für Todeszonen in den Meeren durch Sauerstoffzehrung infolge des hohen Nährstoffeintrags uvm. Es ist mir völlig rätselhaft, wie ein so großes und folgenschweres Problem derart unter den Teppich gekehrt werden kann.

Sabine 07.12.2018, 19:13:55

+4 Gut

Sie könnten mir nicht tiefer aus dem Herzen sprechen. Diese komplette Ignoranz, auch von den Medien ist nicht zu fassen. Fleisch braucht man nicht für die Ernährung...und jeder kann es umsetzen. Es wird lieber über Kohleausstieg etc. gesprochen. Auch wichtig - aber weit weg von der unmittelbaren eigenen Handlungsmöglichkeit.

Hans Jürgen Hauf 22.07.2018, 14:31:41

Wahrheit ist eine wertvolle Erkenntnis, die in Gehalt und Wirkung unterschiedlichste Reaktionen bezüglich Handlungen und Emotionen auszulösen vermag.

Gerade beim Thema Klimawandel und Massentierhaltung haben wir diesen schwierigen Umgang mit der Wahrheit, zu sehr sind wir alle unmittel- wie mittelbar davon betroffen, zu oft geraten hier individuelle Bedürfnisse in Konflikt mit gesellschaftlicher Verantwortung und eigenem Wissen zur Faktenlage.

 

Wenn Wahrheit aber zur existenziellen Frage unserer Spezies wird, wenn Hoffnung oder Zweifel als trügerisches Element die logisch notwendigen Konsequenzen aus dem Erkenntnisgewinn zu marginalisieren versuchen, spätestens dann muss der Gemeinsinn über dem Individuum stehen, dann haben wir alle – Politiker, Medien, Bürger – hier eine Pflicht der Aufklärung und des Gegensteuerns.

 

Wir in Nürnberg halten am 28.7.2018 eine Kundgebung zum Thema "Klimawandel durch Massentierhaltung: So essen wir die Welt kaputt!"(s. Facebook) - Nachahmung in allen Städten empfohlen!!!


Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

(wird nicht veröffentlicht)
max 2.000 Zeichen



energiezukunft