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BUND-GewässerreportFlüsse und Seen in alarmierendem Zustand

Ganz so schlimm sehen die meisten Seen in Deutschland wohl zum Glück nicht aus. Trotzdem bereitet die Wasserqualität deutscher Gewässer zurzeit Grund zur Sorge. (Foto: © Michael Meiters / flickr.com, CC BY-SA 2.0)

Ein Großteil der deutschen Gewässer sind in einem beängstigenden Zustand, zeigt ein BUND-Report. Verantwortlich ist dafür vor allem der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden. In der EU droht nun sogar eine weitere Aufweichung des Gewässerschutzes.

18.05.2018 – In Deutschland gibt es nicht nur über 12.200 Seen, sondern mit tausenden Flüssen auch über 7.000 Kilometer befahrbare Wasserstraßen. 92 Prozent davon sind jedoch in einem beklagenswerten Zustand, zeigt der aktuelle Gewässerreport vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND), der auf Daten vom Umweltbundesamt beruht. Schuld an dieser Entwicklung sei in erster Linie die Agrarindustrie, durch die Unmengen an Dünger und Pestiziden in die Flüsse und Seen gelangen. Aber auch die Schifffahrt trage mit Vertiefungen oder Begradigungen von Flussläufen ihren Teil zur schlechten Wasserqualität bei. Außerdem gelangen durch den Bergbau immer wieder Schadstoffe in die Gewässer, die den alarmierenden Zustand ebenfalls mit verschulden.

„Wasser ist unsere Lebensgrundlage“, sagt der Vorsitzende des BUND Hubert Weiger bei der Vorstellung des Gewässerreports. Daher kämpfe der BUND seit seiner Gründung für naturnahe Gewässer in Deutschland. „Der BUND-Gewässerreport macht klar, dass sich die Politik endlich bewegen muss, damit unser Wasser noch zu retten ist“, so Weiger weiter.

Zunehmendes Wachstum von Blaualgen

Analysiert hat der BUND dabei für zehn unterschiedliche Themenfelder, wo die Probleme für den schlechten Zustand der Gewässer liegen und welche Lösungen es dafür geben könnte. Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft sind etwa trübes Wasser, stinkende Algenteppiche sowie besonders schlammige Böden. Durch die Flüsse gelangen die künstlichen Düngemittel und Pestizide nicht nur in Seen, sondern auch in die Nord- und Ostsee, wo zunehmend ein Wachstum von Blaualgen zu beobachten ist.

Diesen negativen Beispielen werden aber auch absichtlich positive Fälle gegenübergestellt. „Ziel ist zu zeigen, dass sich Engagement lohnt und, wie beim Kalibergbau wenigstens Teilerfolge zu erringen, um Flüsse, Seen und Grundwasser zu bewahren oder sogar wieder in einen naturnahen Zustand zu bringen“, erläutert Weiger.

Aufweichung der Wasserrahmenrichtlinie befürchtet

Im Jahr 2000 hatte sich Deutschland dazu verpflichtet, die Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen und alle Gewässer bis 2015, allerspätestens bis 2027 in einen „guten Zustand“ zu bringen. Davon sei die Bundesrepublik zurzeit aber weit entfernt, bemängelt der BUND. Umso größer ist daher die Sorge, dass die Regierung den bald anstehenden Überprüfungsprozess der EU dafür nutzen könnte, die Ziele weiter nach hinten zu verschieben oder sogar die Standards zu lockern.

Ende September findet zu diesem Thema die EU-Wasserkonferenz statt. Deutschland dürfe dabei nicht zu den Ländern gehören, die für eine Aufweichung der Richtlinie stimmen, fordert der BUND. Stattdessen müsse man sich klar für die Einhaltung der Frist bis 2027 aussprechen. Durch die Kampagne „Rette unser Wasser“ soll dieses Thema nun weiter in den Fokus der Öffentlichkeit gelangen. Nur so sieht der Bund für Umwelt und Naturschutz eine Chance, dass sich Bundesumweltministerin Svenja Schulze auch tatsächlich für die Qualität des deutschen Wassers einsetzt. jk


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