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Kollateralschäden im AnthropozänInsektenbestände weltweit reduzieren sich dramatisch

Libelle
Schau mir noch einmal in die Augen: Auch die Libelle ist vom Aussterben bedroht. Wissenschaftler warnen vor dem großen Insektensterben und mahnen dringend zur Umstellung auf eine ökologische Landwirtschaft. (Foto. Pixabay / free license)

Forscher beobachten bei Insekten weltweit das größte Aussterben seit der Perm- und Kreidezeit. Wenn sich die menschengemachte Entwicklung weiter fortsetzt, hätte das langfristig katastrophale Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem unseres Planeten.

15.02.2019 – Insekten gehören nicht zu den Lieblingstieren des Menschen, viele gelten sogar als lästig. Doch für unser Ökosystem sind sie enorm wichtig, auch die unbeliebteren. Die erste weltweite umfassende Metastudie zum Insektenbestand in der Fachzeitschrift Biological Conservation ist daher höchst beunruhigend, denn sie macht deutlich, dass rund 40 Prozent aller Insektenarten bereits in den nächsten Jahrzehnten vom Aussterben bedroht sind. Jährlich schrumpft demnach der gesamte Insektenbestand um 2,5 Prozent – bezogen auf die letzten drei Jahrzehnte. Ein Drittel aller untersuchten Insektenarten sei bereits akut gefährdet, warnen die Wissenschaftler. Zu den besonders betroffenen Insekten gehören laut Studie viele Schmetterlingsarten, auch den Bienenbestand treffe es hart, Käferarten sowie Libellen und etliche Fliegenarten.

Das Massenaussterben ist zwar kein Phänomen der Moderne. Schön fünf Mal im Laufe der Erdgeschichte wurde die Artenvielfalt vieler Lebewesen reduziert. Die Forscher gehen davon aus, dass wir uns nun in einer sechsten Phase befinden könnten und sprechen in der Studie vom – global gesehen – möglichen „größten Aussterben seit der Perm- und Kreidezeit.“ Ein paar wenige Arten könnten derzeit ihren Bestand auch vergrößern, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Doch dabei würden sich Nutznießer und Leidtragende nicht die Waage halten, es werde mehr Verlierer als Gewinner geben, erklärte Mitautor der Studie Francisco Sánchez-Bayo gegenüber dem Guardian. Auch für den Menschen wird es bereits merklich unangenehmer. Lästige Tierchen wie etwa Zecken breiten sich aus, Berner Forscher haben bspw. herausgefunden, dass sich Zecken viel besser ausbreiten, wo es weniger Waldameisen gibt.

Verantwortlich für das Massensterben ist diesmal der Mensch. Denn Hauptgründe für den Insektenkollaps sei vor allem der Verlust von Lebensraum durch die Industrialisierung der Landwirtschaft, die in diesem Zusammenhang flächendeckende Benutzung von Pestiziden und Düngemitteln, auch gebe es neue Eindringlinge in einen knapper werdenden Lebensraum die neue Erreger und Krankheiten verbreiten, und schließlich der Klimawandel – es hängt alles zusammen.

Wenn wir so weiterwirtschaften, produzieren und konsumieren, stehen die Insektenbestände weltweit bald vor einem Kollaps. Die Studienautoren raten deshalb zu einer massiven Änderung der Nahrungsproduktion, sonst wäre die Gefahr sehr groß, dass wir die Insekten innerhalb von wenigen Jahrzehnten ausrotten würden. Und es ist mehr als ein Kollateralschaden des Anthropozän. Denn sind erstmal die Insekten verschwunden, dann wird es ungemütlich auf diesem Planeten. Massenhaftes Insektensterben habe bspw. in Deutschland bereits dazu geführt, dass Wirbeltiere verhungerten. Denn Insekten bilden die Grundnahrung etlicher Wirbeltiere, etwa von Vögeln, Fledermäusen, Eidechsen, Mäusen, oder Igeln. Die Kausalkette würde sich entsprechend fortsetzen und die Auswirkungen auf das Ökosystem der gesamten Erde wären langfristig katastrophal. Wir müssen jetzt entschlossen handeln, mahnen die Forscher. Ein paar Insektenhotels im Garten reichen da nicht mehr aus. na


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