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UmweltverschmutzungÖl-Leck bei Shell-Raffinerie verseucht Kölner Grundwasser

Luftaufnahme Rheinland Raffinerie in Köln-Godorf
Luftaufnahme der von Shell betriebenen Rheinland Raffinerie in Köln-Godorf (Foto: Wolkenkratzer / commons.wikimedia.org, CC BY-SA 4.0)

Bei einer Shell-Raffinerie in Köln-Godorf sind bis zu 390 Tonnen Öl durch eine kaputte Leitung ausgetreten und ins Grundwasser gesickert. Die Behörden sind informiert, der Konzern betreibt Schadensbegrenzung. Örtliche Umweltverbände sind empört.

24.07.2020 – Bereits Anfang April 2020 hatte Shell bei seiner Raffinerie in Köln-Godorf entdeckt, dass durch eine kaputte Leitung Öl ausgetreten und ins Grundwasser gesickert ist. Und zwar in erheblichen Mengen. Die Bezirksregierung sei darüber „unverzüglich“ informiert worden – die Öffentlichkeit jedoch erst über einen Monat später. So verkündete der Konzern die Hiobsbotschaft erst Mitte Mai in einer Unternehmensmitteilung. Darin hieß es, dass der Schaden an der Leitung durch Korrosion entstanden sei.

Gleichzeitig bemühte sich Shell so schnell wie möglich um Schadensbegrenzung. Sowohl was die Panne selbst angeht als auch den eigenen Ruf. So wurden sofort Maßnahmen gestartet, um das Öl an einer weiteren Ausbreitung im Erdreich und im Grundwasser zu hindern. Außerdem ergaben von Shell durchgeführte Messungen und Bodenproben – die durchaus mit Vorsicht zu genießen sind, wie die Vergangenheit gezeigt hat – dass der verunreinigte Bereich eindeutig auf das Werksgelände beschränkt ist. Immerhin. Denn: Die Rheinland Raffinerie Werk Nord liegt ganz in der Nähe vom Rhein. Wenige Kilometer flussabwärts gehen die Kölner bei Rodenkirchen baden.

Ausgetreten ist bei dem Leck der Raffinerie sogenanntes „leichtes Gasöl“ (LGO), ein Zwischenprodukt bei der Verarbeitung von Rohöl das für die Herstellung von Diesel oder leichtem Heizöl verwendet wird. Es ist vergleichsweise dickflüssig, weswegen es nur sehr langsam durch das Erdreich geflossen ist. Deshalb habe es auch so lange gedauert, bis die erste Grundwassermessstelle Alarm geschlagen hat, beteuert Shell.

Straßenarbeiten haben zum Öl-Leck geführt

Inzwischen gibt es eine ausführlichere Erklärung, wie es vermutlich zu dem Öl-Leck kam. Demnach haben laut Unternehmensangaben „unsachgemäße Straßenarbeiten“ die Leitung beschädigt, die eine Werksstraße unterquert. Dabei wurde ein Rohr beschädigt und die Korrosion an der Leitung hervorgerufen. Das Ergebnis: Ein etwa 1,5 Millimeter großes Leck. Winzig klein und dennoch groß genug, um der Umwelt nachhaltig zu schaden.

Wie viel Öl dadurch genau ausgetreten ist, lässt sich aktuell nur schätzen. Shell geht davon aus, dass rund 300 Tonnen leichtes Gasöl ins Erdreich entwichen sein könnten. Da die Unsicherheit jedoch mit 30 Prozent angegeben wird – sowohl nach unten als auch nach oben – könnten es im schlimmsten Fall auch 390 Tonnen sein. Das entspricht rein rechnerisch immerhin 450.000 Litern. Zumindest haben aktuelle Proben ergeben, dass die Verunreinigung weiterhin auf das Gelände der Raffinerie beschränkt ist.

Als Maßnahme hat das weltweit größte Mineralöl- und Erdgas-Unternehmen den Grundwasserspiegel innerhalb der betroffenen Fläche mit Pumpen abgesenkt. Dadurch kann das auf dem Grundwasser schwimmende Öl abgepumpt und entsorgt werden. Zudem könne durch diese Maßnahme auch eine mögliche Ausbreitung der Verunreinigung verhindert werden.

Kritik an Shell ist groß

Hätte dieses Öl-Leck nicht viel früher entdeckt werden müssen? Diese Frage muss Shell in den nächsten Monaten noch genau beantworten. So wirft der Umweltverband BUND dem Konzern vor, die Sicherheitskontrollen an den Leitungen seiner Raffinerie vernachlässigt zu haben. Auch Greenpeace spricht von einem Skandal und fordert von Shell eine lückenlose Aufklärung des Schadens.

Dies ist eine Katastrophe für unsere unterirdischen Wasservorräte„Dies ist eine Katastrophe für unsere unterirdischen Wasservorräte mit nicht absehbaren Auswirkungen für mehrere Millionen Kubikmeter Grundwasser“, sagt der BUND-Gewässerschutzexperte Paul Kröfges. „Es ist eine Totalblamage für Shell und die Bezirksregierung Köln, der zuständigen Überwachungsbehörde, die kaum nachvollziehbar ist.“

Kritik kommt außerdem von den Grünen im angrenzenden Rhein-Erft-Kreis. Immer wieder kommt es bei Shell zum Austritt chemischer Produkte – trotz hoher Ziele bei den Umweltstandards. „Ich frage mich, ob Shell nicht willens oder nicht in der Lage ist, hohe Umweltstandards einzuhalten“, sagt Fraktionschef Elmar Gillet gegenüber der Deutschen Presse Agentur. Anscheinend seien die Bußgelder für Konzerne nicht hoch genug, sodass diese eigenverantwortlich gegen derartige Umweltverschmutzungen vorsorgen.

Shell-Panne wiederholt sich

Dabei hatte ein Gutachter dem Mineralöl- und Erdgas-Unternehmen im Jahr 2015 noch bescheinigt, dass es zukünftig keine Vorfälle mehr geben werde, wie sie sich in den Jahren zuvor ereignet hatten. Damals kam es zwischen 2012 und 2014 gleich zu einer ganzen Serie von Chemie-Unfällen. Erst trat im Frühjahr 2012 Kerosin in das Erdreich aus, wenige Monate später ein weiteres Raffinerieprodukt. Im Nachhinein wurde festgestellt, dass die Ausbreitung der Kontamination des Grundwassers etwa 80-mal größer war, als zunächst angenommen.

„Obwohl die Umstände des Kerosinunfalls 2012 eindringlich die Defizite aufgezeigt haben, wie z.B. die Korrosionsanfälligkeit alter Leitungen, die Erfordernis dichterer Kontrollabstände und/oder automatischer Leckerkennungssysteme und Mengenkontrollmechanismen, wurde dies hier wieder nicht beachtet und umgesetzt“, so Kröfges. Auch diesmal werde wohl wieder nur maximal ein Drittel des Öles abgeschöpft werden. Der Rest stelle dann noch über viele Jahrzehnte ein Problem dar. jk


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