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Earth Overshoot Day – Planet am Tropf

Ressourcen für dieses Jahr sind aufgebraucht

Gemälde „Der Völler“ von Georg Emanuel Opiz von 1804: Dicker Mann am Tisch frisst unmäßig Speisen in sich hinein, um den Tisch herum gruppieren sich seine Diener
Übermaß auf Kosten anderer: Den Earth Overshoot Day hat zur Zeit des Entstehens des Gemäldes „Der Völler“ im Jahre 1804 noch keiner errechnet. Maßloser Konsum und unendliches Wirtschaftswachstum lassen sich nicht vom Ressourcenverbrauch entkoppeln. (Foto: Beurret & Bailly / Werk von Georg Emanuel Opiz / Wikimedia Commons / Gemeinfrei)

Heute ist Earth Overshoot Day, der Tag, an dem alle Ressourcen aufgebraucht sind, die weltweit innerhalb eines Jahres regenerieren können. Jährlich rückt das Datum nach vorn. Der Klimawandel mit Folgen wie Dürre verschärft die Situation weiter.

01.08.2018 – Heute schon Auto oder Bahn gefahren, Ventilator oder Klimaanlage eingeschaltet, Fleisch, Wurst oder Käse verspeist? Bis zum Ende des Jahres sollte damit Schluss sein, denn wir leben bereits auf Ressourcen-Pump. Das Global Footprint Network berechnet jedes Jahr den Tag, an dem die Erdüberlastung erreicht ist – den sogenannten Earth Overshoot Day. An diesem Stichtag sind rechnerisch die Ressourcen aufgebraucht, die innerhalb eines Jahres auf der gesamten Erde nachwachsen oder regenerieren können. Dabei werden zwei rechnerische Größen gegenübergestellt: die biologische Kapazität der Erde zum Aufbau von Ressourcen sowie zur Aufnahme von Müll und Emissionen, dem gegenüber der Bedarf an Wäldern, Flächen, Wasser, Ackerland und Fischgründen, den die Menschen derzeit für ihre Lebens- und Wirtschaftsweise verbrauchen.

Der Earth Overshoot Day oder Erdüberlastungstag ist in diesem Jahr einen Tag früher als im letzten Jahr, berichtet die Umweltorganisation WWF Deutschland, und etliche Tage früher als die Jahre zuvor – vor 20 Jahren noch lag der Tag im Oktober. Umweltorganisationen rufen die Regierungen der Länder daher wieder einmal auf, sich für greifbare Maßnahmen zur Senkung des Ressourcenverbrauchs einzusetzen.

Ökosysteme kollabieren

Der Klimawandel wird in diesem Sommer überall auf der Welt sicht- und greifbar. Felder und Wiesen leiden unter der Dürre, es herrscht Wassermangel, Waldbrände tobten von Griechenland bis Schweden, große Ernteausfälle sind zu aus erwarten, auch hierzulande. Aktionspläne müssen her, fordern Umweltverbände und Grünen-Politiker, darin müsse bspw. festgeschrieben werden, dass Deutschland in den nächsten 20 Jahren aus der Massentierhaltung aussteigt und Böden besser geschützt werden.

Weg von der Intensivlandwirtschaft hin zu einer biologisch ausgerichtetenDie derzeit herrschende extreme Dürre in der Landwirtschaft sei vor allem eine Folge politischen Versagens, kommentierte Detlef Flintz, Leiter Programmgruppe Wirtschaft und Recht beim WDR, den Ruf der Landwirte nach Dürrehilfen. Eine Umstellung, weg von der Intensivlandwirtschaft hin zu einer biologisch ausgerichteten, sei zwingend notwendig. Landwirtschaftssubventionen sollten an Umweltkriterien geknüpft werden, fordern die Grünen. Was würde passieren? Nahrung würde vielleicht etwas teurer werden – bei der Lebensmittelverschwendung und übermäßigem Konsum wäre das nicht zuletzt für die Gesundheit einträglich, mit weniger Folgekosten für Zivilisationskrankheiten, weniger Müllproduktion und vielen weiteren Vorteilen.

Umweltverbände fordern Kehrtwende

Um den weltweiten Bedarf an natürlichen Ressourcen wie Wälder, Ackerland und Fischgründe zu decken, bräuchte die Weltbevölkerung rechnerisch 1,7 Erden. Deutschland bringt es mit CO2-Emissionen aus Verkehr und Kohlekraft sowie dem Verbrauch von Ackerland und Waldflächen zum ökologischen Fußabdruck eines Riesen.

Unternehmen wie Bayer und BASF, die mit ihrer Wirtschaftsweise unseren Planeten am stärksten belasten, müssen in besonderer Weise in die Pflicht genommen werdenEin Aktionsbündnis aus Umwelt- und Entwicklungsorganisationen fordert die Kehrtwende: Die Bundesregierung sowie Unternehmen sollten ihrer großen Verantwortung für Klima- und Umweltschutz gerecht werden und endlich zukunftsfähig wirtschaften – vor allem in den Bereichen Energie, Verkehr und Landwirtschaft. Als einen der Hauptverursacher der Erdüberlastung sehen auch sie die industrielle Landwirtschaft. „Seit der Fusion von Bayer und Monsanto haben nun der größte und der viertgrößte Agrarkonzern der Welt ihren Hauptsitz in Deutschland“, benennt Lena Michelsen vom entwicklungspolitischen INKOTA-netzwerk die Missstände. „Unternehmen wie Bayer und BASF, die mit ihrer Wirtschaftsweise unseren Planeten am stärksten belasten, müssen in besonderer Weise in die Pflicht genommen werden.“

Ohne eine massive Mäßigung der Industriekultur und einer neuen Ausrichtung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie einer gerechten Umverteilung der Ressourcen ist ein Entkommen aus dem Teufelskreis des menschengemachten Klimawandels und einem Kollabieren der Ökosysteme wohl nicht mehr zu schaffen. na


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