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KernenergieRWE und E.ON unterstützen neue Atomkraftwerke

Ein Fischer sitzt am Strand. Hinter ihm erhebt sich ein Atomkraftwerk
Am Sizewell Beach, an der Ostküste Englands, könnte bald ein neuer Atomreaktor entstehen, mit Unterstützung von RWE und E.ON. (Foto: © Neil Theasby (cc-by-sa/2.0))

In Deutschland gehen bald die letzten Atomkraftwerke vom Netz, in Großbritannien und den Niederlanden hingegen werden neue gebaut. Und das mit Hilfe von RWE und E.ON. Die Bundesregierung könnte einschreiten, tut es aber nicht.

07.12.2020 – Der Konzern Urenco ist ein weltweit führendes Unternehmen für Atomenergie. Während Deutschland aus der Atomkraft aussteigt, treibt Urenco den Bau neuer Atomreaktoren voran. Aktuell sind es Planung und Bau zweier Reaktoren in Großbritannien und der Niederlande. Urenco hat seinen Hauptsitz in Großbritannien, wichtigste Anteilseigner sind jedoch die beiden deutschen Energiekonzerne RWE und E.ON, die jeweils ein Sechstel des britischen Unternehmens halten. Damit haben sie gewichtigen Einfluss auf die Ausrichtung von Urenco.

RWE bezeichnet die Kernenergie öffentlich als „Auslaufmodell“. Und E.ON erklärt, dass das System aus fossilen Brennstoffen oder Kernspaltung an seine Grenzen stoße und man eine entscheidende Rolle beim Umbau der Energiewelt spielen wolle. Doch während in Deutschland politisch gewollt keine Möglichkeiten für Investitionen in Atomkraft mehr bestehen, unterstützen RWE und E.ON im Ausland weiter die Kernenergie.

RWE teilte gegenüber der taz mit: „Urenco ist für uns eine reine Finanzbeteiligung, und wir sind nicht in das operative Geschäft involviert“. Dies erklärte auch E.ON. Darüber hinaus sagte E.ON zumindest, dass man schon länger plane, seine Anteile an Urenco zu verkaufen. Passiert ist das bislang noch nicht. Und so versuchen die beiden Energiekonzerne weiter mit einer gefährlichen Energieform kurzfristig ihren Profit zu steigern.

Die Atomenergie kostet bislang über eine Billion Euro

Dabei sind die gesamtgesellschaftlichen Kosten der Atomenergie allein in Deutschland immens. Eine Studie des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) bezifferte diese Kosten kürzlich auf über eine Billion Euro. Staatliche Förderungen wie Finanzhilfen, Forschungsausgaben oder Steuervergünstigen belaufen sich demnach in den letzten 65 Jahren auf 287 Milliarden Euro. Darüber hinaus konnten Atomkonzerne weitere Kosten wie Castor-Transporte und das Risikomanagement von Störfällen auf die Gesellschaft abwälzen. Und mit den Zwischen- und Endlagern für Atommüll, werden auch in Zukunft noch viele Jahre Steuergelder in die Kernenergie fließen.

Dabei könnte auch die Bundesregierung bei den Ausbauplänen von Urenco mitreden. Denn das britische Unternehmen ist auch in Deutschland tätig und betreibt eine Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau. Ein zwischenstaatlicher Vertrag regelt ein Mitspracherecht des Bundes bei Urenco, wenn Sicherheit und Nichtverbreitung von Atommaterial betroffen sind. Wie die taz schreibt, wollte das SPD-geführte Umweltministerium schon 2018 eine gesetzliche Stilllegung der Urenco Fabrik in Gronau erwirken.

Hinsichtlich des aktuellen Wirkens von RWE und E.ON sagte der zuständige Staatssekretär aus dem Umweltministerium Jochen Flasbarth der taz: „Wir haben in Deutschland einen breiten gesellschaftlichen und politischen Konsens für Atomausstieg und Energiewende. Auch RWE und Eon sollten sich mit allen Konzernsparten daran orientieren.“ Doch zuständig für die Urenco-Kontrolle ist das Bundeswirtschaftsministerium, da das Umweltministerium nur im Inland für Atomthemen verantwortlich ist.

Das Wirtschaftsministerium gibt sich Ahnungslos

Auf eine Anfrage von Sylvia Kotting-Uhl, Abgebordnete der Grünen im Bundestag und Vorsitzende des Umweltausschuss, hin, erklärte der zuständige Parlamentarische Staatssekretär im BMWi Thomas Bareiß jedoch lediglich, dass man bislang nicht über die Pläne von Urenco informiert war. Marco Wanderwitz, ebenfalls Parlamentarischer Staatsekretär im BMWi teilte zumindest mit, dass man nun Informationen dazu anfordern und sich mit der Thematik befassen werde.

Kotting-Uhl erklärte dazu: „Die Bundesregierung darf nicht weiter tatenlos zuschauen, sondern muss ihre Aufsichtspflicht über die Machenschaften Urencos wahrnehmen. Neue Atomreaktoren mit ihren Milliardensubventionen bleiben ein ökologischer und ökonomischer Irrsinn, den Deutschland nicht unterstützen darf." mf


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