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Strahlendes Sicherheitsrisiko

Schwimmendes Atomkraftwerk Richtung Arktis gestartet

Jetzt schwimmen bald nicht mehr nur atomar bestückte U-Boote in den Meeren, sondern auch noch schwimmende Atomkraftwerke. (Foto: RIA Novosti archive, image #895550 / Mikhail Fomichev / Wikimedia Commons CC-BY-SA 3.0)

Vor kurzen ist in St. Petersburg ein mobiles russisches Atomkraftwerk in See gestochen. Dem Prototypen sollen weitere schwimmende Atommeiler sowie atomgetriebene Eisbrecher zur Öl- und Gasförderung in der Arktis folgen. Umweltschützer sind alarmiert.

01.05.2018 – Atomkraftwerke an Land sind schon Gefahr genug, ein schwimmender Atommeiler auf dem Meer ist mehr als beunruhigend. Anlässlich des Auslaufens des schwimmenden russischen Atomkraftwerkes „Akademik Lomonosov“ in St. Petersburg in der vergangenen Woche warnte Greenpeace vor den Umweltgefahren durch mobile Atommeiler. Auch vor Rügen wird man das mobile AKW sichten können – in den kommenden drei Wochen wird es durch die Ostsee nach Murmansk geschleppt und dort mit Brennstäben bestückt. „Diese Nachricht ist doppelt fatal“, so Heinz Smital, Atom-Experte von Greenpeace. „Die Risikotechnologie Atomenergie wird auf einem Schiff noch unsicherer, und sie soll genutzt werden, um mehr klimaschädliches Öl und Gas in der Arktis auszubeuten.“

In zwei Schiffsreaktoren des Typs KLT-40S soll die Nuklearanlage 70 Megawatt Strom produzieren, berichtet die Ein unakzeptables SicherheitsrisikoUmweltorganisation Greenpeace. Ihren ersten Einsatz hat sie in nordrussischen küstennahen Gewässern. Abgebrannte, hochradioaktive Brennstäbe sollen dann bis zu zwölf Jahre an Bord lagern, um den Einsatzzeitraum auszudehnen. Ohne eigenen Motor und mit flachem Rumpf sei die schwimmende Konstruktion besonders anfällig für Stürme und raue See, warnen die Umweltaktivisten. Ein weiterer Risikofaktor seien terroristische Anschläge. „Ein kaum gesichertes Atomkraftwerk mit angeschlossenem Zwischenlager an der Küste herumschippern zu lassen, ist ein unakzeptables Sicherheitsrisiko“, so Smital.

Das schwimmende AKW ohne Betonschutzhülle sollte im letzten Jahr im Hafen der Millionenmetropole St. Petersburg für einen Testlauf hochgefahren werden. Doch russische Bürger protestierten, ebenso die Ostsee-Anrainerstaaten, Greenpeace Russland reichte eine Petition ein. Daraufhin entschied der staatliche Atomkonzern Rosatom, die Testphase nach Murmansk zu verlagern, eine Stadt mit 300.000 Einwohnern. Nach dem Test im Hafen der Stadt soll es laut Angaben von Greenpeace nun voraussichtlich nächstes Jahr 5.000 Kilometer in die Nähe von Pevek in der sibirischen Region Chukotka geschleppt und in Betrieb genommen werden. Wäre der Testlauf erfolgreich, will Russland danach sogar in die Serienproduktion solcher mobiler Atommeiler gehen. Der Konzern Rosatom habe bereits weiteren Ländern, bspw. Algerien, Indonesien, Malaysia und Argentinien Atomkraftwerke dieses Typs angeboten.

Schwimmende Reaktoren sind nicht nur gefährlich, sondern auch noch besonders teuer. Dabei wären gerade in abgelegenen Gebieten Erneuerbare Energien eine ideale Alternative zur Atomkraft und „eine sichere und günstige Lösung“, so Smital. „Auch in Sibirien kann eine Kombination aus Sonnen-, Wind- und Wasserkraft ein schwimmendes Atomproblem ersetzen.“ na


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Kommentare

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Florian 01.05.2018, 10:29:34

Nach Berichten der Norwegischen Bellona Foundation soll der Bau des schwimmenden Atomkraftwerks rund 480 Millionen Dollar gekostet haben. Für 70 Megawatt elektrische Leistung ein stolzer Preis und nach marktwirtschaftlichen Maßgaben wahrscheinlich hochgradig unwirtschaftlich. Dieses Projekt kann nur im Kontext staatlicher / geopolitischer / militärischer Interessen existieren. Bleibt zu hoffen das keine weiteren Exemplare gebaut werden. Export Kunden werden dieses Unikum unter rein rational wirtschaftlichen Aspekten wohl auch nicht kaufen wollen. Leider ist Russland obwohl viele Potentiale für erneuerbare Energien vorhanden sind diesen wenig aufgeschlossen.


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